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| Foto: Andreas Hornoff |
Am Freitag (18. September) erscheint ihre neue Platte Kletpo auf dem eigenen Label Hucks Plattenkiste. Neun Stücke sind darauf zu finden - auf der erweiterten Version kommen noch zwei obendrauf. Es ist ein Album, das sich bei jedem Hören in seine Höhen spielt. Das immer mehr Spaß macht, immer mehr Sinn. Dafür sollten beim Hören mal die Augen geschlossen oder die Fäuste geballt sein. Und stets der Kopf ganz wach, denn es gibt viele tolle Zeilen aufzusaugen!
Taliban Of The Week ist der erste Track - was für ein genialer Titel! Ein Stück übers Aushalten von Widersprüchen und ein sich Auslassen über die Highperformer unserer Gesellschaft. Sie landen doch eh alle in der Klinik. Eine E-Gitarre, die eine tolle Spannung aufbaut und obendrauf Thorsten Nagelschmidts unverkennbare Stimmung. Musik kann auch ein Zuhause sein. Bestechend dabei ist der etwas rohe Klang. Dieses Album ist nicht glattgeschliffen, würde auch nicht zu Muff Potter passen. Doch das macht den gesamten Höreindruck auch sehr sehr nahbar und irre sympathisch. Auch die sich ändernden Harmonien im Laufe eines Stückes.
Die erste Single Rückflug Aus Montana bleibt ein wenig im Ungefähren, darf aber mit Sicherheit als Liebeslied interpretiert werden, ein Sehnsuchtslied. Mit schleppenden Gitarren, einem Tamburin und einem „Oh Yeah“ im Refrain - gelebte Lässigkeit. Ist Hast Du Den Müll Schon Rausgebraucht auch ein Liebeslied?! Ja, gewissermaßen - kommt hat nur auf die Perspektive an. Es könnte ein Abschiedslied oder ein Trennungslied sein. „Du hast wirklich einen Schatten / Ich hab keinen ohne dich.“ Für solche Zeilen ist eine Gruppe doch einfach nur zu beneiden, oder?! Das treibende Schlagzeug von Thorsten Brameier hier schiebt die Takte energisch vor sich hin - es macht einfach nur viel Hörfreude.
Spannend wird dann erst recht, wenn ein Stück sechseinhalb Minuten geht. So geschehen bei Ein Starkes Stück. Hehe, Ambivalenz und so. Ein Lied voller Referenzen, die es zu entdecken gibt. Eine flirrende Gitarre von Felix Gebhard schwirrt durch alle 394 Sekunden. Auch wenn der Track auf der Hälfte seine Gestalt ändert, Tempo aufnimmt, griffiger wird, sich ins kaum Aushaltbare steigert. Fast schon psychedelisch, bis es explodiert!
Über die Ambivalenz der Liebe geht es auch auf Und Die Nacht Brach Still Herein. Ein weiteres schwirrendes Lied, das die ungefähre Stimmung aus dem Text hervorragend in die Musik verfrachtet. Zusammengehalten wird es durch den unterschwellig wummernden Bass von Dominic Laurenz. Ja, im Lied wird ein Zusammensein und ein Kümmern thematisiert, aber die musikalische Atmosphäre spricht derart krass dagegen, dass hier viel nachhallt. Und was um alles in der Welt passiert am Ende mit der Schusswaffe?!
Den Höhepunkt bietet Engelstränen Im Abendlicht. Ein griffiger Track, wo alle Instrumente und Nagels Stimme großartig zusammen verschmelzen und auf unter drei Minuten gehörig Druck erzeugen! Das Große da draußen und das Kleine hier drinnen. Ein paar wuchtige Parolen und doch eine Menge Schmerz.
Ja, auf diesem Album werden die Gegensätze aufeinander los gelassen. Bis zum Bersten müssen wir sie aushalten. Und Muff Potter sind so schlau, sie mit kraftvoller Musik zu untermalen. Ja, nicht jeder Track ist sofort ein absoluter Kracher. Doch bei jedem Hören knistert es mehr. In einer glatt gebügelten KI-Welt ist es schön, ein teils so rohes Album zu hören. Die Uneindeutigkeit ist verlockend und macht richtig Spaß. Und sie zeigt eine Band, die nach vielen, vielen Jahren immer noch nicht genug hat und ihr eigenes Schaffen immer unermüdlich erweitern. Hört niemals auf!
12.11.2026 München, Strom
13.11.2026 Darmstadt, Centralstation
14.11.2026 Dortmund, FZW
18.11.2026 Bremen, Schlachthof
19.11.2026 Köln, Kantine
20.11.2026 Münster, Sputnikhalle
21.11.2026 Hamburg, Uebel & Gefährlich
26.11.2026 Erlangen, E-Werk
27.11.2026 AT-Wien, Flucc
28.11.2026 Berlin, Festsaal Kreuzberg

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