Sonntag, 16. August 2026

Live in Oldenburg: Audio88 &Yassin

Foto: luserlounge 
(Ms) Oldenburg, alte Lady! Das war ein ordentlicher Abriss am Freitagabend! Meine Sonnenbrille ist im Moshpit bei drauf gegangen und irgendwie ist das völlig in Ordnung so.
Aber fangen wir von vorne an.

Das Einfach Kultur-Festival ist eine mehrtägige Sause in einer der schönsten Orte, die die Stadt zu bieten hat. Der Gleispark war einst ein toter Ort auf einem Parkdeck direkt am Bahnhof. Dann wurde er aufgehübscht, mit Bars und Buden versehen, zahlreiche Wimpel und Lichterketten dazu und überall gute Menschen. Für jeden Tag holen die Veranstaltenden völlig unterschiedliche Acts ran und die Fotoeindrücke ließen drauf schließen, dass es gut besucht war. Inklusive hupendem Gruß vom Zug.

Am Freitag habe ich mich auch auf den Weg gemacht, denn niemand anderes als Audio88 und Yassin luden zur Messe ein. Absoluter Pflichttermin und quasi Gegenveranstaltung zu den Toten Hosen in Bremen. Naja, schräger Vergleich. Den Auftakt sollte Maurice Conrad machen. Er kam leider etwas zu spät in Oldenburg an, daher war sein Set ein wenig kürzer. Ballerrap über den Genuss und die Hürden als schwuler Typ zu leben. Inhaltlich stabil, doch auch reichlich monoton. In kaum einem Track ging es um etwas anderes. Klar: mega wichtiges Thema, gar keine Frage. Aber so wird es auch etwas langweilig. Außer als seine DJane einen Song darbot. Das riss alles raus. EJA fuhr mit Tänzern auf und holte das Publikum sofort ab - richtig stark!

So wurde schon mal reichlich geschwitzt, tagsüber waren es weit über 30°, trocken ist es seit Tagen. Das konnte man später auch spüren und sehen.
Als die Bühne dann in satte Nebelschwaden gehüllt wurde und die verzerrte Ansage alle bat, doch bitte die T-Shirts anzulassen, kam gleichzeitig ein Bass aus der Hölle um die Ecke. Wie krank ist es bitte, so ein Set mit Komm Ran anzufangen?! Sofort Moshpit, sofort aufgewirbelter Staub und der große Drang, schnell noch ein weiteres Getränk zu holen. Was dann bis kurz vor zehn passiert ist, kam aus einem anderen Universum. Audio88 und Yassin erbaten vom Publikum 100% im Versprechen 150% zurückzugeben. Der Plan ging auf!
Sie haben ein brutales Konzert gegeben. Kein Hit fehlte: Halleluja, Gnade, Schellen, Schlechtes Gewissen, Freunde, WUP, Garten, 15 Jahre, Betrunkene Männer undundund… Abwechselnd reckten Mittelfinger oder HipHop-Hände in den Oldenburger Abendhimmel, die Stimmung war ausgezeichnet. Na klar, wenn diese beiden Rapper auf der Bühne stehen, werden doppelte, dreifache und vierfache inhaltliche Böden eröffnet. Dann wird es bitter, böse, ironisch, zynisch. Aber alles wird aufgelöst. Die beiden sind einfach zwei knuffige Kerle, die wissen wie es geht. Und die wissen, wer der Feind ist. Inhaltlich werden Schmutzrapper, die Polizei, Friedrich Merz und Alice Weidel zerlegt. Das Publikum dankt ihnen dafür. Katharsis quasi. Logisch, dass so ein Abend mit Die Wut Hält Uns Zusammen beendet werden muss. Nicht ohne zu erwähnen, dass Über Liebe sicher der (!) zentrale Track des Abends war. Denn genau das ist deren Musik ja - Texte über Liebe. Amen.

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