Donnerstag, 8. Dezember 2022

Alin Coen & STÜBAphilharmonie

Foto: David Dollmann
(Ms) Ist das ein Best Of? Das klären wir gleich. Angenommen, es wäre eins, müssten ein paar Rahmenbedingungen geklärt werden. Eigentlich gäbe es nur zwei einigermaßen sinnige Zeitpunkte, wann so etwas veröffentlicht wird. Eine Rückschau auf das Schaffen. Entweder ist es ein Abschied oder das Ende einer Periode. Vielleicht gibt es eine Änderung in der Besetzung oder ein gewisser Zyklus an Kreativität ist vorüber. Dann kann ich das durchaus gut verstehen. Aber nur unter der Bedingung, dass wirklich viel da ist. Wer drei Alben veröffentlicht hat, muss in meinen Augen wirklich kein Best Of auf den Markt bringen. Zeitpunkt Nr 1 also: Ein irgendwie geartetes Ende. 
Zeitpunkt Nr 2 ist weitaus weniger romantisch. Denn das ist die Verortung im Kalender: Die verdammte Geldmacherweihnachtszeit. Wer da nicht alles noch was auf den Markt und in die Regale schmeißt, worauf eigentlich niemand so wirklich gewartet hat. Das lässt sich jedes Jahr schauerlich zusammen sammeln.

Nehmen wir an, diese Punkte sind einigermaßen nachvollziehbar. Dann haben wir mit dieser Platte ein gehöriges Problem. Alin Coens Album in Zusammenarbeit mit der STÜBAphilharmonie ist kein Best Of, so viel Material für eine umfangreiche Rückschau ist nicht vorhanden. Es endet auch keine Periode, Alin Coen macht nicht plötzlich psychedelischen Rock. Nein. Doch leider passt das mit dem Termin. Es erschien am 2. Dezember. Komplettes Weihnachtsgeschäft. Nur Geldmacherei würde ich dieser Musikerin niemals vorwerfen. Nein. Nein. Nein.

Was dann also anfangen mit diesem tollen Album? Wie ist es einzuordnen? Aus lauter Alben, die es gibt, auf denen es keine zu einhundert Prozent neue Musik gibt, sticht dieses Werk doch ziemlich stark heraus. Was dieses Album schaffen will, ist, eine wirklich besondere Zusammenarbeit zu würdigen, einzufangen, festzuhalten. 2018 und 2019 fanden Alin Coen und die STÜBAphilharmonie zusammen. Letzteres ist ein Orchester, 80 Kopf stark, worin nur ehrenamtliche Menschen spielen. Wie toll, wie wunderschön! Zusammen spielten sie sieben ausverkaufte Konzerte. Es muss gänsehautig, einzigartig gewesen sein. Viele Menschen fragten nach Aufnahmen, Wiederholungen, Möglichkeiten, das im Nachhinein zu genießen.

Nun gibt es sie. 10 Stücke sind zusammen gekommen. 10 Lieder wurden nochmal zusammen im Studio eingespielt. Die Liederauswahl war sicherlich nicht leicht, aber wunderschön. Das zu finanzieren, war nicht leicht. Oder doch?! Alin Coen hat via Crowdfunding um Hilfe gebeten und das Ziel wurde locker übertroffen. So groß war der Wunsch nach diesem schönen Album! Ein toller, kleiner, gefühlvoller Streifzug durch Alin Coens Schaffen und eine nicht zu überbordende Zeitspanne, in der sich das Orchester austoben kann, ohne dass es zu theatralisch wird. Niemals biedert dieses Album an. Es hat durchaus seine cineastischen, großen, emotionalen Momente, klar. Doch es ist weit von Kitsch entfernt. Sehr empfehle ich, dieses Werk über Kopfhörer zu hören. Dann wird es unglaublich nah, greifbar, durchdringt den Körper, alle Instrumente sind zu hören, zu spüren. 
Beim ersten Hören dachte ich jedoch: Ouh! Oh! Puh! Neee! Warum ist Du Bist So Schön denn so dissonant? Verspielt haben sie sich wohl nicht. Warum so eine jazzige Phase zwischendurch woanders? Bricht das hier ab und an? Nein. Die Arrangements müssen zwingend unabhängig von den Studioversionen der Stücke gesehen werden. Sonst könnte man hier unzufrieden werden. Und dafür gibt es - meines Erachtens - keinen Grund.

Dieses Album zu kaufen und zu hören ist sehr lohnenswert. Der Genuss ist groß. Hier steckt nicht nur enormes musikalisches Können drin, sondern auch spürbar viel Leidenschaft.
Die mündet darin, dass Alin Coen mit dem Orchester kommendes Jahr auf Tour geht! Dieses einzigartige Ereignis sollte sich niemand entgehen lassen:

10.04. Hamburg, Laieszhalle
11.04. Berlin, Admiralspalast
12.04. Leipzig, Haus Auensee
14.04. München, Alte Kongresshalle
15.04. Ilmenau, Festhalle
01.10. Ludwigshafen, BASF Feierabendhaus
02.10. Stuttgart, Theaterhaus
03.10. Köln, Theater am Tanzbrunnen
06.10. Dresden, Alter Schlachthof
07.10. Erfurt, Theater


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