Samstag, 7. Juli 2018

Ben Rector - Magic

Foto: Cameron Powell
Das Nach-Hause-Kommen sieht bei uns folgendermaßen aus, es gibt zwei wesentliche Varianten und beide finden im Dezember statt. Variante 1: In der frühen Adventszeit findet in der kleinen Heimatstadt, wo man groß wurde und zur Schule ging, ein kirmesartiger Weihnachtsmarkt statt mit Glühweinbuden ohne Ende, leckeren Schlemmereien und Fahrgeschäften, die das dann vorzüglich im Magen durchmischen. Dieses Fest ist eine Institution der Stadt, der gesamten Gegend. Man fährt da immer hin, obwohl man weiß, dass man sich wahnsinnig betrinken wird und es doch nicht soo super ist, egal. Variante 2: An Heilig Abend oder am ersten Weihnachtsfeiertag, nachdem alle Braten verschlungen, Geschenke verschenkt, Hände geschüttelt, Geschichten gehört und Tannenbaumkerzen ausgepustet worden sind, geht man noch in die Kneipe. Da sind dann, wie ein paar Wochen zuvor genau die Leute, die man zwar nicht mehr zwingend als Freunde bezeichnen würde, aber mit denen man viel verbindet und erlebt hat.

Was haben diese Kleinstadtgeschichten nun mit dem neuen Album Magic von Ben Rector zu tun, das vor zwei Wochen auf OK Kid erschienen ist? Ganz einfach: Auf einem Großteil der 13 neuen Lieder geht es um genau das: in Erinnerungen schwelgen, alte Geschichten raus holen, darüber lachen und das fern ab von aller Nostalgie gut finden.
Beim 31-jährigen Amerikaner, der seit einigen Jahren in Nashville wohnt, hat sich in letzter Zeit viel Magisches getan. Unter anderem ist er letztes Jahr zum ersten Mal Vater geworden; ein Ereignis, das schwer in Worte zu fassen ist und den Musiker staunen lässt. Davon erzählt bereits das erste Lied Extraordinary Magic, das er mit reiner Klavierbegleitung singt. Old Friends erzählt die obrigen Geschichten nur in anderem Gewand. Dazu gibt es ein wunderschönes Video (s.u.), in dem er den Song mit seiner alten Schülerband in der Garage spielt, die zu dem Haus gehört, in dem er aufgewachsen ist. Nein, das ist kein Kitsch, das ist einfach eine gute Idee.

Klar, Ben Rector macht große Radiopopmusik, die aber nicht nervt, der es aber ab und an an Raffinesse fehlt. Im Klang bewegt er sich zwischen Tom Odell (nicht ganz so groß und breit) und Rufus Wainwright (nicht ganz so melancholisch). Auch die beiden stellen das Klavier in den klanglichen Vordergrund ihrer Lieder. Was wiederum ein richtig toller Effekt ist, sind die spielerischen Kinderchöre, die später im Song Kids zu hören sind, das macht einfach richtig gute Laune. Auf Magic durchspielt er auch ein Gedankenspiel, das sicher jeder von uns mal gemacht hat im Song Sometimes: Was ist eigentlich aus der alten Jugendliebe geworden? Was wäre wenn...? Was wäre, wenn wir heute noch ein Paar wären? Kennen wir uns überhaupt noch?!

Bis zum jetzigen Zeitpunkt hat er schon eine beachtliche Karriere hingelegt. 2006 hat er den höchsten Preis beim John Lennon Songwriting Contest gewonnen und alle Alben, die er bislang veröffentlicht hat - Magic ist Nummer sieben! - sind in den amerikanischen Charts immer höher eingestiegen als ihr jeweiliger Vorgänger. Was in den kommenden Wochen also passiert, ist mehr oder weniger klar.

Am 22. Juni ist Magic auf OK Kid veröffentlicht worden.



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