Donnerstag, 4. Oktober 2012

Mumford & Sons. Gentlemen of the Road. Instagram Bilder können einpacken.



(mb) Ich packe meinen Backpack und im Gepäck nichts außer mein Snapback Cap und einen derben Jetlag. Im tiefsten Abenteuerurwald instagrammed man nicht, geschweige denn doodlejumped man nicht die Amazonas Version und zieht sich an Lianen hoch. Das höchste der technologischen Gefühle ist Snake auf dem Nokia 3210. Aber eigentlich ist es egal, Empfang gibt’s nicht. Interessanterweise ist man auf Reisen empfänglicher für seine Umwelt. Ich leide an einer, Frauen bezeichnen es als dramatisch, fürchterlichen Beobachtungsgabe und bin der weltschlechteste Zuhörer. Unterwegs ist das anders. Da lasse ich tatsächlich Menschen aussprechen, höre Ihnen andächtig zu und fühle mich wahnsinnig kulturell, wenn ich in einem Museum Pfeil und Bogen ansehe.
In Deutschland würde das allenfalls das Prädikat öde verdienen. Bewusster leben. Einatmen, ausatmen. Back to Basic. Die Entschleunigung der ständigen Erreichbarkeit. Marcus Mumford, 25- Jähriger Leadsänger von Mumford & Sons, ist da ähnlicher Meinung, wenngleich Reisen durch das Komponieren von Songs substiuiert werden. Zwar lernt man bayrisch traditionell „aufm oiden Radl das fahren“ und so spielt Mumford auf seiner Gitarre immer erst einen G-Akkord. Will man einfach nur danach gehen, was gut klingt, nimmt er andere Instrumente zur Hand. Komponiert bärtig, die Bläser biegen sich unter den Vibrationen und die Banjos brechen unter ihrem Einsatz. Die Entschleunigung der Computer basierten Musik? Synth you been gone. Nicht der springende Punkt.
Das zweite Album „Babel“ hier nun zu sezieren wurde an anderer Stelle bereits trefflich und sträflich durch die hiesige Medienlandschaft vorweggenommen. Eins ist klar, man erkennt M&S sofort wieder. Weniger perfekte Songs, dafür mehr spielerische Gewalt durch Livesessions, welches sich in der Länge der Songs wiederspiegelt. Textlich sehr christlich, fast schon biblisch, dieses Babel. Klar in der Anspielung, verwirrend in der Auslegung. So wie es dem jungen Mumford wohl gefällt. Schütteres Haar, immer ein Jäkchen um, sieht nicht wie 25 aus, der Gute Marcus M. Ein weiterer textlicher Schwerpunkt ist die sich durchziehende Reisemelancholie. Das ständige Fernbleiben, das konstant Fremde, das nicht Zuhause sein, Das Trampleben, das ewige Suchen und so weiter. Aber gerade deshalb ist er ein so guter Beobachter. Gerade deshalb sind die Texte so herrlich schön. Marcus Mumford zeichnet damit wunderschöne Bilder, die jedes Instagram Bild überflüssig machen. Backpack und Snapback Cap hat er wohl  nicht im Gepäck. Dafür vielleicht aber einen Jetlag. Prädikat besonders wertvoll.

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