Donnerstag, 23. August 2012

Hallo Welt. Max Herre kehrt zum Rap zurück. Schublade auf, passt nicht rein!


(mb) Als er 25 Jahre alt war, rief jede Woche die FAZ, der Spiegel oder die SZ bei ihm an, ob er denn nicht ein druckreifes politisches Statement zum aktuellen Weltgeschehen hätte. Hatte er nicht. Max Herre ist ein politisch denkender Mensch, der auf jedem Album gesellschaftskritische Texte veröffentlicht hat. Deshalb hat er den Stempel des politischen Musikers aufgedrückt bekommen. Primär geht es ihm um Musik und nicht um Politik. Das deswegen die Texte Themen außerhalb des eigenen, egomanen Rapradius behandeln, ist umso beachtlicher, wenn man bedenkt, dass es im Hip-Hop vor allem darum geht, wer die dickste Hose anhat. Das Verhältnis mit den Medien ist nicht das Beste. Die Presse schrieb ihm zu sehr im Münchhausenstil. Vor allem wegen der Teeniepresse ist das Verhältnis vorbelastet, als ihn die Bravo als „Jesus von Benztown“ betitelte. Die Abrechnung kam postwendend mit dem Track „Exklusivinterview“, in welchem Max Herre und Afrob den Klatschjournalist als Judas deklarieren.



Alles fing mit der Gitarre seines Vaters an

Retrospektive. Alles fing mit der Gitarre seines Vaters an. 1997 kam dann das erste Album mit Freundeskreis, Max Herre´s Hip-Hop Posse aus Stuttgart. Mit dem Track „A-N-N-A“ ging der ernste Rap in die Charts und machte die Schwaben über Nacht berühmt. Zwei Jahre später kam mit „Esperanto“ der Nachfolger und hatte mit der Single „Mit Dir“ nicht nur einen neuen Hit im Gepäck, sondern lieferte auch reichlich Nährboden für die Klatschpresse. Im Video räkeln sich Max Herre und Joy Denalane sichtlich verliebt auf einer griechischen Insel. Aus der Zusammenarbeit wurde Liebe, aus der Liebe eine feste Beziehung mit zwei Kindern und aus alldem ein gefundenes Fressen für die Presse. Der Trubel und die Banalität der Berichte wurden dem smarten Schwaben zu groß und er zog sich zurück und von Stuttgart nach Berlin. Herre begann zu produzieren. Im Hintergrund. Vorrangig seine Frau Joy. Erst 2004, fünf Jahre später, veröffentlichte er mit „Max Herre“ seine erste Solo-LP. Souliger Rap, welche grandiose Songs wie "Erste Liebe" hatte. Wieder vergingen fünf Jahre zum Nachfolger „ Ein geschenkter Tag“, in dem Max Herre zu einem folkigen Singer/Songwriter mutierte. Und jetzt? Wieder Rap. Hallo Welt!


Zu viele Seiten für eine Schublade

Der Recordingprozesses wurde ständig mitgefilmt. Nun sind auf den sozialen Netzwerken und auf Youtube Snippets von den Aufnahmen zu sehen, die vor allem eins machen: Lust auf mehr. 

Hat Max Herre, der nie einen Hehl aus seiner Abneigung gegenüber der Presse machte, also nun die Medien für sich entdeckt? Das Publikum erwartet Hintergrundstories, erwartet einen Star zum Anfassen, erwartet Klatsch und Tratsch. Ein professionelles Marketingkalkül? Max Herre sieht es vielmehr aus einem ästhetischen Blickwinkel und instrumentalisiert die Medien. Katz und Maus oder Maus und Katz, dieses Mal wie er will. Die Snippets sind zu einem wertigen, kunstvollen Produkt geworden, welche vor allem den fragmentierten Konsum der heutigen Zeit versinnbildlichen. Morgen formt sich die szenische Inszenierung  nun zu dem großen Ganzen, zum Album. Der Stream verrät, das Warten noch weiterer Stunden wird verdammt schwer sein. Das was vom neuen Album zu hören ist, und ohne ihn mit zu vielen Vorschusslorbeeren bedenken zu wollen, ist schlichtweg großartig und sicherlich Anwärter auf Platz 1 in den Charts, alleine schon wegen der illustren Feature - Liste. Nuff said. Eigentlich. Ob er sich wieder die Haare abrasiert, um schreienden Schulklassen zu entkommen und unerkannt zu bleiben? Die Aufmerksamkeit kommt in Schüben, soviel hat ihm die Vergangenheit gelehrt. Back to Rap. Natürlich mit gesellschaftskritischen Texten. Mal sehen ob die FAZ, der Spiegel und die SZ wieder für eine Weile anrufen werden. 

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