Samstag, 14. März 2026

Live in Bremen: Tristan Brusch

Foto: luserlounge 
(Ms) Über einen Abend, der ein Zeugnis außergewöhnlicher musikalischer Kraft war und stark nachhallt.

Ausverkauft - am Nachmittag, bevor das Konzert von Tristan Brusch im Bremer Lagerhaus stattfand, kam diese Meldung über die sozialen Kanäle. Was für ein schöner Erfolg für den Musiker, der damit in seinem vierten Anlauf an dieser Spielstätte zum ersten Mal ein volles Haus hatte. Auch viele andere Auftritte seiner aktuellen Tour sind restlos ausverkauft. Dafür gibt es zahlreiche gute Gründe, die spätestens nach so einem Besuch glasklar sind. Offenbar lockt der Wahlberliner ein Publikum an, das sehr, sehr aufmerksam ist. Wow - wie still es zwischendurch war. Niemand quatschte während seiner Lieder, höchstes verträumtes Mitsingen. Allein das ist eine große Anerkennung! 

Eingeleitet in den Abend hat Lisa Harres. Sie setzte sich ans E-Piano, das vorne am Bühnenrand stand, spielte zaghaft mit der rechten Hand ein paar Töne und sang darüber mit sicherer, sehr virtuoser Stimme. Viel zu verstehen war davon nicht, so sehr hat sie die Töne in die Länge gezogen. Ob der Text wichtig war? Ich kann es nicht sagen, lehne mich aber mal aus dem Fenster und sage: Nein. Es ging eher um den Klang an sich, um Stimme und Melodie. Als sie dann auf Deutsch sang, habe ich das auch erst nach einigen Augenblicken mitbekommen. Zwei Stücke spielte sie dann noch an der Gitarre, die ursprünglich für Orgel und Bläser geschrieben worden sind. Große Flächen, verträumt schwebende Stimme. Kunst und musikalisches Können. Ich musste an Schuberts Winterreise denken.

Kurzer Umbau. Zeit, um der im Off laufenden Musik zu lauschen, denn sie war auch Teil einer tollen Inszenierung des ganzen Abends. In Dauerschleife lief eine verzerrte, reduzierte Version von Grundsolider Schläger. Hach, wie schön, wie gut dieser Abend geplant war! Und das lag zu großen Teilen auch an der phantastischen Band, die mit auf der Bühne stand. Allen voran Friedrich Paravicini am Keyboard, Gesang, Mundharmonika und vor allem am Cello - enorm! So zurückhaltend er sich gab, so wirkungsvoll war all sein Tun auf der Bühne. Tristan Brusch nennt ihn im Reflektor-Podcast den Ambassador einer besseren Musikwelt. Zudem saß Hanno Stick am Schlagzeug, der unter anderem auch bei Niels Frevert, der Crucchi Gang und seiner eigenen Band Tapes spielt. Leider konnte ich nicht herausfinden, wie die beiden Damen am Bass und Backgroundgesang hießen, sie haben genauso wunderbar musiziert! Zusammen haben sie einen irren Sound erzeugt. Er war hervorragend gemischt, weich, rund, präzise.

Im klassischen Musikerschwarz kamen sie auf die Bühne und starteten mit eben jenem Grundsolider Schläger. Toller Start, das Staunen hat ab dem ersten Takt eingesetzt. Und vor allem ganz viel Gänsehaut. Die Musik seiner Lieder ist ja gar nicht so wuchtig, dafür aber in ganz außerordentlichem Maße seine markante Stimme. Ich gehe davon aus, dass alle vor Ort schnell hin und weg waren. Es folgten einige Stücke der neuen Platte wie Vierzehn, Wasser Und Licht, Heiliges Land, Wir Kinder Vom Bahnhof Zoo und das großartige Geboren Um Zu Sterben. „Lieben und geliebt zu werden“ - das sind doch wirklich die einzigen Dinge, die wir hier zu lernen haben, oder? Der Rest kommt dann von allein. Natürlich gab es auch frühere Songs wie Der Abschaum, Wieder Eine Nacht, Wahnsinn Mich Zu Lieben (!), Oh, Lord oder Baggersee.
Zwischen verträumtem Dreinschauen, Messerstechereien und allen Formen der Liebe ist an einem Tristan Brusch-Abend wirklich allen zu hören. Kleine Randnotiz: Das u in Brusch wird übrigens lang gesprochen. Ja, dieser Auftritt brachte wirklich alles mit, was einen hochklassigen, musikalischen Abend ausmacht: Starke Texte, hervorragende MusikerInnen und ein unglaublich aufmerksames Publikum. Aus irgendwelchen Gründen war die Luft vor Ort nicht gut, zwei BesucherInnen sind umgekippt, ihnen wurde aber schnell geholfen, auch von den sehr lieben, umsichtigen Menschen auf der Bühne.

Hach, was gab es alles zu bestaunen während dieses Konzertes! Es wirkt ganz stark nach. Insbesondere durch den sehr autobiographischen Abschluss mit Theo, diesem unverschämt tollen Lied für seinen Sohn, und seiner eigenen Geschichte in Das Leben Ist So Schön. Mit verdient viel Applaus und einem hohen Andrang am Merch endete dieser Auftritt. Tristan Brusch ist ein höchst außergewöhnlicher Künstler, ein irrer Texter, ein leidenschaftlicher Musiker und toller Darbieter seines Schaffens. Geht da unbedingt hin, wenn es möglich ist!

14.03.2026 Hamburg, Mojo Club
18.03.2026 Dresden, Beatpol
19.03.2026 Erlangen, E-Werk
20.03.2026 München, Ampere
21.03.2026 Stuttgart, Im Wizemann
22.03.2026 Wiesbaden, Schlachthof
26.03.2026 Magdeburg, Moritzhof
27.03.2026 Leipzig, UT Connewitz
28.03.2026 Berlin, Huxleys

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