Freitag, 20. März 2026

Live in Bremen: The Hirsch Effekt

Foto: luserlounge
(Ms) Es gibt Bands, deren Konzerte eine außerordentliche Erfahrung sind. Was dort auf der Bühne und zwischen Musikern und Publikum passiert, ist beinahe magisch. So ein Erlebnis der besonderen Art liefern The Hirsch Effekt. Im Januar erschien ihre neue Platte Der Brauch und am Donnerstag haben sie im Bremer Tower Halt gemacht.
Das zum großen Teil männliche Publikum war zum großen Teil sehr dunkel gekleidet und sehr entspannt. Was den Abend direkt so gut gemacht hat, war, dass es keine Vorband gab. Mittlerweile finde ich das immer attraktiver. So wird der ganze Abend viel intensiver und zieht sich auch nicht so in die Länge. Gegen viertel nach Acht kam das Trio nach und nach auf die Bühne. Was danach passiert ist, war der absolute Wahnsinn. An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich die Musik der Band nicht in Gänze kenne. Mit dem aktuellen Album bin ich vertraut, das war es auch. Doch es drang seit Jahren viel Hörensagen und damit viel Begeisterung zu mir durch. Sie sollte bestätigt werden.
Selten habe ich so viel Präzision live erlebt. Klar, das, was diese Band live auf die Bühne stellt ist ganz schön wild. Aber dieses Wilde ist geplant. Wie gut das geplant ist, lässt sich beim selbstverständlichen und einfach extrem harmonischen Zusammenspiel erleben. Da ist so viel Intuition zwischen den drei Musikern, so viel Vertrautheit, dass das Derbe einfach extrem gut aufgeht. Dabei sind die Songs von The Hirsch Effekt super komplex komponiert. Wie oft die Takte brechen, das Tempo verschleppt oder angezogen wird, wie schnell zwischen lautem Chaos und ruhigen Parts gewechselt wird - irre! Ich stand so, dass ich insbesondere Bassist Ilja John Lappin gut beobachten konnte. Dass seine Finger nicht verknotet sind, grenzt an ein Wunder. Er spielt den fünfsaiten Bass mit einer bewundernswerten Leichtigkeit. Zudem growlt er, singt dann wieder wie ein Engel und spielt halt in der Zugabe noch Cello - klar. Bei dieser Band ist alles zu erwarten, alles tritt ein, alles ist möglich, es ist irre. Es macht einfach unglaublich viel Spaß, Moritz Schmidt beim Schlagzeugspielen zuzusehen und wie sehr Nils Wittrock einfach alles gibt am Mikrophon und an der Gitarre. Er spielt um sein Leben. 

Knapp zwei Stunden haben sie gespielt. Sehr komprimiert, sehr dicht, sehr sympathisch, sehr nah und aufmerksam mit dem Publikum interagierend. Zum Ende habe ich mich gefragt, ob sich das Wilde nicht auch ein wenig abnutzt. Ob irgendwann die Überraschung nicht mehr kickt, weil es halt die ganze Zeit so geht. Aber nein - bei weitem nicht! The Hirsch Effekt spielen so druckvoll und energiegeladen, dass es wirklich gar nicht langweilig werden kann.

Geht da hin!

20.03. Oberhausen - Druckluft
21.03. Leipzig - Naumanns
21.05. Saarbrücken - Garage
22.05. Münster - Sputnikhalle
23.05. Köln - Helios 37

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung (siehe Blog-Startseite unten) und in der Datenschutzerklärung von Google.