Donnerstag, 3. September 2026

My Ugly Clementine - Apply Autonomy

Foto: Mala Kolumna
(Ms) Vielleicht kommt die beste Rockmusik ja eh aus Österreicht. Oder?! Aus dem Nordwesten betrachtet strahlen so manch Bands aus dem Süden ja eine ungeheure Coolness aus. Eine gewisse Abgeklärtheit und Rockstarpose. Will meinen: die sind sich schon sehr sicher in dem, was sie machen. Auf so geile Art. Obendrein so unfassbar sympathisch. Da müssen nicht mal die großen Namen wie Falco oder Wanda fallen. Dieses Versprechen lösen auch Jo The Man The Music oder Alicia Edelweiss ein. Ja, vielleicht sind es sowieso die Frauen und FLINA-Personen, die die viel größeren Rockstars sind. Auf keinen Fall darf bei dieser Aufzählung ein Trio fehlen, dass am 4. September ihr neues Album auf den Markt schmeißt: My Ugly Clementine. Diese Band ist seit vielen Jahren eine unumstößliche Größe, wenn es um Gitarrenmusik aus Österreich geht. Wer sie mal live gesehen hat, weiß, welche Wucht Mila Lu Kovacs, Sophie Lindinger und Nastasja Ronck auf die Bretter, die die Welt bedeuten, legen. 

Apply Autonomy heißt ihre neue Platte und der Name ist Programm. Selbstbestimmung als Albumtitel - die Marschroute ist vollkommen klar. Diese Platte ist eine Abrechnung, ein Aufbäumen, ein in-sich-kehren und ein auf-die-anderen-scheißen. Ist doch so. Musikalisch hauen die drei in die Kerbe, die sie am allerbesten Beherrschen: aufgedrehter Gitarrenrock mit feinen Melodien und viel Energie nach vorn. Viele Texte bieten einen gewissen Interpretationsraum, zum Beispiel der Opener Don‘t Mess With Me: „I Know more than you want me to know.“ Egal, wer vorher mal behauptet hat, es besser zu wissen, es war wahrscheinlich ein Mann. Und die sollten lieber öfter mal das Maul halten. Kann man schon so sagen, oder?! Denke ich auch. Im besten 90er-Rock-Stil singen sie von Zufriedenheit auf Confidence. Ein Gefühl, das oft nur vorgetäuscht wird, aber einfach zurück geholt werden muss, wenn zu viele kleine Energieteufel mal wieder an einem zerren. Genau um diese Entwicklung geht es auch im Text - toll gemacht! Ja, man darf dies alles auf uns Typen deuten, das geht schon völlig in Ordnung so. Auch Pretender haut uns Kerlen auf die Zwölf. Das ist mehr als gut so! Solange nicht irgendetwas wie Gleichberechtigung erreicht ist, sollten wir Männer uns den FLINTA-Personen anschließen, in den Hintergrund treten und uns mit ihnen solidarisch zeigen und versuchen, Strukturen zu ändern. Ansonsten heißt es weiter wie im Song: „Fuck your standards!“ Wie herrlich dabei die E-Gitarre tanzt, das Schlagzeug scheppert und der Bass den Beat befeuert… der ganze Zorn macht musikalisch sehr, sehr viel Spaß! Die größte Hymne auf Apply Autonomy ist wohl Head In The Air. So derbe im Sound, so klar, so wuchtig, so unmissverständlich. So ein scheppernder, dringlicher, dringender Selbstermächtigungssong - hier muss man ja auch einfach mal Danke sagen. Danke.
Dass es auch mal ganz anders aussehen kann, ohne aufrechten Gang und mit gesenktem Haupt ist auf You Won und Science Fiction zu hören. Und zu spüren. Plötzlich ist alles gedimmt. Weil zu oft sind Männer und Mächtige halt unglaubliche Arschlöcher. Doch die auf einmal kräftig einsetzende Gitarre auf Science Fiction hebt eine Deutungsebene in den Text durch die Musik - das ist ja so genial gemacht! Durch den Klang wird das Szenario gebrochen und zurück geschlagen.

No Rescure beschreibt dann auf so unsagbar dynamische, wütende und eindeutige Weise, dass My Ugly Clementine laut und äußerst überzeugend einen großen Teil vom Musikbusinesskuchen abhaben wollen. Daher kommt Apply Autonomy auch auf dem eigenen Label raus. Es ist eine richtig starke Platte. Satte Rockmusik aus Österreich, starke Musikerinnen mit Haltung und Mittelfinger. Eine umwerfendes und beeindruckendes Album! 

05.09. Wien, Kino am Dach (Release Konzert)
28.09. München, Ampere
29.09. Frankfurt, Brotfabrik
30.09. Köln, CBE
02.10. Paris, le Pop-up!
03.10. Amsterdam, Paradiso
04.10. Münster, Gleis 22
10.10. Leipzig, Werk 2
11.10. Berlin, Columbia Theater
12.10. Hamburg, Knust
28.10. Linz, Posthof
29.10. Zürich, Exil
30.10. Stuttgart, clubCANN


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