Dienstag, 8. August 2017

Heartbeast debütieren mit "Zero"

Nala und Helge sind Heartbeast. Foto: Robin Hinsch.
(ms) Was verrät einem als Hörer eines Albums die Titelliste der Songs im Vorhinein? Nach längerer Grübelei könnte man zum Beispiel auf die Antwort Thema kommen. Das ist jedoch auch nicht immer ganz einheitlich und/oder zutreffend. Spätestens bei einer Band wie Turbostaat sieht man, dass Liedernamen herrlich sein können aber auch herrlich kryptisch, sodass sich alles und nichts dahinter verbringen könnte. Bei jenen Jungs aus dem Norden versteckt sich in der Betitelung meistens jedoch wesentlich mehr als gedacht. Bei dem Debut von Get Well Soon gab es als Titelliste direkt einen halben Roman zu lesen.
Bei Heartbeast aus Hamburg ist das genaue Gegenteil der Fall. Erfrischend übersichtlich sind die elf Titel getauft, alles Einwörternamen. Das ist schon der erste äußerst positiv auffallende Effekt dieses facettenreichen Erstlings von Nala Lakaschus und Helge Hasselberg. So lassen sich Songs besser merken oder zuordnen, kann also auch einen ganz pragmatischen Effekt haben.
Mit "Egotime" beginnt diese Musikreise: es starten verzerrte und safte Synthies, ein Rhythmus setzt ein und dann die gesprochenen Worte I tried so hard to get over myself mit der wunderbar starken und aufrichtigen Stimme von Nala, die Sekunden später singend sehr schnell noch stärker zu überzeugen weiß. Im Refrain sorgen Keyboardsounds für angenehm-melodische Augenblicke und der Start ins Album ist geglückt. Der Klang ist eine Mischung aus Electro, Soul, Jazz und Pop. Mal wird es schnell, dann wird fix entschleunigt und wieder hochgefahren. Der Stil ist erstaunlich gewählt, wenn man zumindest Hasselbergs Werdegang betrachtet. Der ist nämlich Gitarrist bei der Band Trümmer und die sind ja im satten Indierock angesiedelt. Auf der anderen Seite gibt es ja auch nichts langweiligeres als immer das Gleiche zu machen. Auch in der Musik.
Als bestes Beispiel gilt, dass Helge und Nala sich musikalisch unter anderem im Senegal beeinflusst haben lassen und mit dem Schlagzeuger Jörn Bielfeld, der in New York lebt, live auftreten.
Bei der Singleauskopplung "Lose" arbeiten sie mit breiten, warmen Klangteppichen und Nala singt mit sich selbst im Chor. Was sich nach Selbsthilfegruppe anhört, funktioniert hier ganz entzückend und lässt Räume für soulige Momente aufblühen. "Butcher" kann sogar zum Tanzen animieren; ein klassischer Großstadtsong, der an die neueren Sachen von Ira Atari erinnert. Zurücklehnen lässt es sicher anschließend wieder gut bei "Godfather", es jazzt und bluest ganz gewaltig. "Zombie" hingegen ist wieder eine groovige Abwechslung und somit lässt sich unumwunden und schnell aufrecht behaupten, dass "Zero" von Heartbeast ein furios-vielschichtiges Album ist, auf dem es nie langweilig wird. Die vier Jahre Tüftelei daran haben sich richtig gelohnt.
Wer den Namen googelt, dem sei gesagt: Die beiden sind nicht ein aufstrebender Tutor für Gamemaking.

Live kann man sich Nala, Helge und Jörn bald hier:
17. & 18.8. - Negenharrie - Lala Festival (Bei Kiel)
25.-27.08. - Kołobrzeg - Plötzlich am Meer Festival (Polen)
31.08. - 03.09. - Lärz - at.tension Festival
22.09. - Hamburg - Reeperbahn Festival



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