Sonntag, 14. Mai 2017

Fatoni und Juse Ju sind im Modus!



(sf) Fatoni gilt als einer der besten Rapper Deutschlands und er hat sich Verstärkung mitgebracht, nämlich den besten Freestyler von Kirchheim unter Teck: Juse Ju. Was soll da schon schiefgehen? Nach zahlreichen ausverkauften Shows auf seiner Tour (z. B. 800 Zuschauer in Hamburg und Berlin) war die Kulisse im Club Vaudeville in Lindau zwar etwas enttäuschend, das Konzert aber umso energiegeladener und intimer.

Statt in der großen Halle befand sich die Bühne (die man nur mit Wohlwollen überhaupt  als solche bezeichnen konnte) nämlich im Vorraum, wo sonst nur Merch-Stand, Bar und Garderobe Platz finden, und auch die recht überschaubare Zuschauerzahl kurz vor Konzertbeginn machte nicht unbedingt Mut. Dennoch gelingt es dem großartigen Club Vaudeville samt Team immer wieder, Konzerte zu Erlebnissen werden zu lassen – eine tolle Location, super entspannte Leute und eine politische Ausrichtung, mit der ich mich bestens identifizieren kann.

Als Juse Ju dann kurz nach 21 Uhr die Bühne betrat, hatten sich zwar nur rund 120 Leute
eingefunden, aber die waren heiß und hatten richtig Bock auf eine geile Show – und Juse Ju lieferte. Das Intro war noch ein bisschen holprig (Oh Gott, diese Dance-Moves…), aber spätestens mit dem folgenden Freestyle war die Barriere überwunden und das Ding lief. Klar, Juse Ju ist jetzt kein ganz Unbekannter, wenn man sich zumindest ansatzweise mit deutschem Hip Hop beschäftigt, aber es ist schon schade, dass irgendwelche Vollproleten zigtausend Alben verkaufen und Künstler mit Aussagen und wahnsinnig viel Talent weitestgehend unbeachtet bleiben. Aber wie soll sich das auch ändern, wenn man Freunde hat wie Juse Ju, die ihn Samy Deluxe als „besten Freestyle Rapper von Kirchheim unter Teck“ vorstellen? Vielen Dank auch. So wird man natürlich nur sehr bedingt ernst genommen.

Aber egal: sausympathischer Kerl, klasse Texte, super Rapstil und ein paar potentielle Hits am Start, die noch Großes erwarten lassen.

Tja, und dann war es Zeit für Fatoni. Meine beiden luserlounge-Kollegen hatten ihn auch bereits auf dieser Tour gesehen und waren schwerstens beeindruckt, ich also dementsprechend sehr gespannt. Inzwischen war die Zuschauerzahl auf 200 angestiegen und bereits als der Mann mit dem Hut samt DJ V. Raeter auf die Bühne kam, war die Stimmung bestens. Was der Münchner Rapper dann in den folgenden gut 1 ½ Stunden ablieferte, war schon extrem geil: die Highlights seines Erfolgsalbums „Yo, Picasso!“ mischten sich mit dem aktuellen „Modus“-Mixtape, Fatoni-Klassiker und geniale Freestyle-Einlagen rundeten das Erlebnis ab. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Fatoni beim ersten Blick auf das spärlich vorhandene Publikum etwas enttäuscht war, aber Zuschauer und Künstler gelang es zusammen, sich in einen Rausch zu steigern, die das Konzert zu etwas Besonderem machten. Besonders sympathisch war dabei die ständige Kommunikation miteinander, was aufgrund der sehr beengten Verhältnisse natürlich ideal funktionierte. Gleich mehrmals wagte Fatoni den Schritt von der Bühne zu den Zuschauern und spätestens als Juse Ju als Unterstützung zurückkehrte, verwandelte sich der Club Vaudeville in einen kleinen aber feinen Hexenkessel, in dem keiner mehr ruhig stehen bleiben konnte, sondern sich einfach tanzender- und hüpfenderweise bewegen musste.



Das obligatorische Stagediving fiel zwar diesmal leider mangels Raum- und Bühnenhöhe aus, der Meister ließ es sich jedoch nicht nehmen, als Mittelpunkt einer Wall of Death zu fungieren – durchaus gewagt in einem Club, der v.a. für seine zahlreichen Punk- und Metalkonzerte bekannt ist. Aber Fatoni kann eh alles und so entkam der Chuck Norris des deutschen Raps auch dieser Gefahr und entließ die durchgeschwitzte Meute mit „Schlafentzug“ in die Nacht.

Ach ja, wie schrieb der Kollege ms neulich so schön über Fatoni: Er. Ist. Der. Beste. Rapper. Deutschlands.




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