Mittwoch, 1. März 2017

Mit Chilly Gonzales und Jarvis Cocker auf "Room 29"



Quelle: exclaim.ca
(sf) "You are such a jerk, you're a tearjerker. You don't need a girlfriend, you need a social worker."
Schon die ersten paar Zeilen des Tracks "Tearjerker" geben die Richtung vor, die Chilly Gonzales und Jarvis Cocker auf ihrem Album "Room 29" einschlagen. Es geht um Randgestalten unserer Gesellschaft, allerdings anders als man erwarten würde: das wohl spannendste Projekt des noch jungen Musikjahres ist nichts anderes als ein ungemein intelligentes und unterhaltsames Konzeptalbum, das den Zuhörern auf eine Reise durch die Geschichte des am westlichen Ende von Hollywoods Sunset Boulevard gelegenen Hotels Chateau Marmont mitnimmt.

Aber was erwartet uns dort? Nicht mehr und nicht weniger als ein Liederzyklus für das 21. Jahrhundert, der das Leben einiger früherer Bewohner von Zimmer 29 wieder zum Leben erweckt und die Fantasiewelt Hollywoods beleuchtet - aber auch dessen raue Realität.

Schon Howard Cohn, der Gründer von Columbia Pictures, sagte im Jahr 1939: "Wenn Du Ärger haben willst, dann am besten im Chateau Marmont." 2012 inspirierte der Aufenthalt in einem der Zimmer den britischen Texter und Sänger Jarvis Cocker (PULP), sich mit der Geschichte des Hauses und seiner Gäste zu beschäftigen und führte schließlich zur Kollaboration mit dem kanadischen Komponisten und Piano-Virtuosen Chilly Gonzales. Dass in Zimmer 29 ein Flügel stand, inspirierte ihn schließlich zu diesem Werk, das am 17. März bei Deutsche Grammophon erscheinen wird.

Cocker stellte sich die Frage, wie es wohl wäre, wenn eben dieses Instrument in der Lage wäre, von den Ereignissen im Raum zu "singen". Diese Idee regte auch Chilly Gonzales' Phantasie an und schickte die beiden Künstler auf eine dreijährige kreative Reise, auf der sie Einzelheiten über Gäste wie Jean Harlow, Mark Twains Tochter Clara oder den mit Hollywood-Größen befreundeten Gangsterboss Meyer "Mickey" Cohen aus Los Angeles ans Licht brachten.

Die Lieder erzählen einige dieser Geschichten, erfassen aber ebenso die Einsamkeit, die dieses Hotelzimmer spiegelt, und die Art, wie bewegte Bilder die Menschen auf ihnen kaum begreifliche Art "bewegten". Auch wenn uns die Protagonisten der Songs größtenteils unbekannt sein dürften, so erkennt man doch die Einsamkeit, die Verzweiflung, aber auch gelegentliche Jubelsprünge wieder und begleitet fremde Menschen auf einem Teil ihres Weges. Teilweise klingt das Album wie eine vertonte manische Depression - und das ist irgendwie verdammt sexy.

Quelle: chillygonzales.com
Gonzales und Cocker nutzen die Form des Liederzyklus aus dem 19. Jahrhundert, die genug Raum
bietet für das große Spektrum von Emotionen und geistigen Verfassungen, die durch die realen oder fiktiven Dramen in einer nicht alltägigen Hotelsuite entstehen. "Room 29" wird zum Sinnbild eines Ortes, den jeder von uns in sich trägt, wo unsere tiefsten Wünsche und Fantasien beheimatet sind.

Wer dieses Spektakel live erleben möchte, der hat 2017 auf einigen Sommerfestivals und an folgenden Terminen die Chance dazu:

17.03. Hamburg, Kampnagel
18.03. Hamburg, Kampnagel
19.03. Hamburg, Kampnagel
23.03. London, Barbican Theatre
24.03. London, Barbican Theatre
25.03. London, Barbican Theatre
27.03. Berlin, Volksbühne
28.03. Berlin, Volksbühne
29.03. Berlin, Volksbühne
07.04. Paris, La Gaite Lyrique








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