Freitag, 24. März 2017

Mighty Oaks - Dreamers


 (sf) Ich gebe es zu: ich bin kein großer Radiohörer. Überall "die besten Hits aus den 80ern, 90ern und von heute", überall Werbung und gefühlt stündlich die gleichen sogenannten Hits, die zu weiten Teilen auch nur deswegen gespielt werden, weil halt seitens der Labels dafür gezahlt wird. Hinzu kommt natürlich, dass mein Musikgeschmack sich jetzt nicht zwingend mit dem des durchschnittlichen Bayern 3- oder Antenne Vorarlberg-Hörers deckt. Soll ich Euch mal was verraten? Zuhause läuft - wenn überhaupt - Internet Radio (Array Radio, Indie Rewind, PULS, FM4, Substanz) oder Bayern 1. Ja, Bayern 1, dieser Sender, auf dem früher volkstümlicher Rotz verbreitet wurde, der jetzt aber tatsächlich ein Programm an den Start bringt, das mich nicht aufregt. Was das alles mit den Mighty Oaks zu tun hat? Hm, lasst es mich so ausdrücken: wenn mehr Musik wie die der drei Wahl-Berliner im Radio liefe, würde ich das Gerät möglicherweise auch öfter einschalten.

Klar, Ian Hooper und seine Mitstreiter Claudio Donzelli und Craig Saunders haben das Rad mit ihrem heute erscheinenden Album "Dreamers" nicht komplett neu erfunden, klingen über weite Strecken harmlos, aber das ist bitte nicht falsch zu verstehen. Die Mighty Oaks machen von A bis Z wunderschöne Musik und haben mit dem Vorgängeralbum nicht umsonst die Top 10 gestürmt. Sie sind also bereits bei den Großen angekommen und gelten dennoch nachwievor als Geheimtipp, als Underdogs. Ihre Songs brillieren mit handgemachter Musik und der Liebe zur Natur, von Folkmusik und Akustikgitarren, von Texten über Freiheit, Abenteuer, Fernweh und die Liebe, von Mandolinen und Harmoniegesang, von drei Jungs, die es aus ihren Heimatländern England, Italien und den USA über den Umweg Hamburg nach Berlin verschlug, um fortan gemeinsam auf der Bühne zu stehen.

Dennoch ist dieses neue, zweite Album sehr viel mehr als die Summe eben dieser Teile. Oder, um es mit Ian Hoopers Worten zu sagen, so viel „größer“ als diese. Zumal die Band sie konsequent ergänzt, ausgebaut und auf den Kopf gestellt hat – wobei die Veränderung sowie die Gewissheit, dass nichts jemals bleibt, wie es war, letztlich sogar zu einer Art Grundmotiv des Albums wurden.

Denn 2016 war ein Jahr der Zäsuren und Umbrüche. Ein Umstand, den Ian, Claudio und Craig selbst hautnah erlebten, als sie sich nach zwei Jahren des pausenlosen Tourens eine Auszeit nahmen und Berlin eine Zeit lang den Rücken kehrten, um in ihre Heimatländer zurückzukehren – ursprünglich mit dem Ziel, neue Energie zu tanken. Aus der Pause zum Durchatmen wurde eine Phase, die für das Songwriting zum kommenden Album ganz besonders prägend sein sollte. Denn gerade die USA, Großbritannien und Italien gehören schließlich zu den Ländern, welche die gesellschaftlichen Umwälzungen ganz besonders zu spüren bekamen.

All das hört man auch in „Dreamers“ – Sehnsucht, Wandel und Vergänglichkeit sind wiederkehrende Themen und werden in einer faszinierenden Schönheit mal herzzerreißend, mal verträumt und mal einfach nur voller Wärme dargeboten. Zwischendurch (bei mir persönlich ist es der Track „Don’t Lie To Me“) wünscht man sich, das Album möge nie enden, aber Gott sei Dank gibt es ja die Repeat-Funktion und man kann von vorne beginnen.

Und auch live können wir uns bald von den Mighty Oaks überzeugen lassen:

12.04.2017    Hamburg - Große Freiheit
25.04.2017    München - Muffathalle
28.04.2017    Frankfurt - Batschkapp
29.04.2017    Köln - Live Music Hall
30.04. 2017   Stuttgart - Wizemann
02.05.2017    Leipzig - Felsenkeller
03.05.2017    Berlin - Astra

 

 

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