Mittwoch, 22. Februar 2017

Lambchop: Live mit dem neuen Album "FLOTUS"

Die neuen Lambchop live im schönen Dortmunder Konzerthaus. Foto: luserlounge.
(ms) Lange Zeit wollte ich diesen Beitrag gar nicht verfassen. Und die Geschichte darum beginnt letztes Jahr im September. Lambchop aus Tennessee haben ihr neues Album "FLOTUS" angekündigt. Da ich ein großer Fan bin, hab ich mich natürlich riesig gefreut und mir für die angekündigte Tour selbstredend auch ein Ticket besorgt.
Die ersten Vorberichte hatten alle die selbe Botschaft: Auf dieser Platte klingt die Band um Kurt Wagner anders als je zuvor. Prinzipiell macht mich das neugierig und ich ließ mich darauf ein.

FLOTUS und HeCTA

So kam im November das Album ins Haus geflattert und ich habe keinen Zugang gefunden. Nicht beim ersten Mal. Nicht beim Zweiten oder Dritten. Drei Songs stechen heraus, die zugänglich und irgendwie in alter Lambchop-Manier anzusiedeln sind: "In Care Of 8675309", "N.I.V." und "The Hustle". Das Problem waren die anderen Tracks. Sie klangen alle ähnlich, austauschbar, sonderbar belanglos. Schnell war ich schwer enttäuscht vom Album, fand die sonst gewohnte Genialität in der Stille nicht wieder, zu überspitzt das ganze.
Und plötzlich machte es klick! und mir wurde klar, dass Wagners einmaliges Projekt HeCTA die Experimentierfläche war, auf der er den neuen Lambchop-Sound ausprobiert hat. Es wurde keine 1:1-Umsetzung, die Ähnlichkeiten und Überschneidungen sind aber klar herauszuhören. HeCTA haben nur wenig live gespielt, in Bochum habe ich sie gesehen und war angetan.
Meine Zweifel zu "FLOTUS" sind aber nicht verschwunden. Ich hatte auch kein Verständnis für die Vorschusslorbeeren und die himmelhochjauchzende Kritik um den politischen Charakter der neuen Scheibe. Daher konnte ich mich nie aufraffen, selbst eine Kritik dazu zu verfassen.

Lambchop live in Dortmund

So hatte das Ticket natürlich noch Gültigkeit, die Erwartungen nicht klar zu fassen. Vorfreude herrschte insbesondere in Bezug auf den Besuch im schönen Konzerthaus in Dortmund. Die Innenstadt kann nicht von sich behaupten, besonders schön zu sein. Das Konzerthaus ist ein Bruch im Städtebau, denn die angrenzenden Straßen sind gestaltet mit Billig-Klamotten-Läden, Imbiss-Buden, Wettbüros und Kiosks. Mittendrin der Glanz eines klassischen Konzertsaales.
Letzten Freitag war es soweit, mein Platz war in der fünften Reihe, eine tolle Sicht auf die Bühne. Das Publikum: Kulturkenner aus dem Ruhrgebiet, Durchschnittsalter Ende vierzig, dünne Schals bei den Herren, ausgefallene Brillenmodelle bei den Damen (und einigen Herren).
Pünktlich um 20 Uhr ging es los. Der Sound war klar, die Band gut abgestimmt. Kaum vorstellbar, dass sie vor sechs oder acht Jahren mal mit 16 Leuten auf der Bühne standen.
Eine Stunde lang spielen sie "FLOTUS"-Songs. Das Publikum klatscht euphorisch, einzelne Blicke doch eher zweifelhaft. So auch bei mir. Doch es nimmt Fahrt auf, das Gesamtbild fügt sich und ist stimmig. Die einzelnen älteren Songs am ganzen Abend: "My Blue Wave" und "New Cobweb Summer". Nicht zufriedenstellend, aber okay. Nach zwei Stunden, allen neuen Liedern und dem herrlichen Gerede zwischen Wagner und Tony Crow am Piano ist der Abend vorbei. Begeisterung ist im Publikum nicht zu spüren und ich kann es verstehen.
Der Zugang zur neuen Scheibe ist nun aber klarer, doch ich weiß auch ganz genau, dass sie nicht so häufig bei mir laufen wird wie "Nixon" oder "Damaged".




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