Montag, 23. Januar 2017

Live: Spaceman Spiff im Skaters Palace, Münster

Unscharf aber trotzdem gut. Foto: luserlounge.
(ms) Zwei Lehren aus einem wundervollen Konzertabend mit Spaceman Spiff: Erstens gibt es kein richtig und falsch, wenn man seine Texte betrachtet, mitsingt und sich etwas dabei denkt. Das muss nie und nimmer dem Sänger, hier also Hannes Wittmer, entsprechen und der Situation in der seine Worte und Musik zusammenfanden. Zweitens kann man diesem irre sympathischen Kerl nichts übel nehmen wie dem vergessenen Einstecken eines Kabels vor dem Konzert fürs Keyboard oder ein übler Patzer bei einem schönen Lied. Das ist alles vollkommen egal. Nicht egal war der Veranstaltungsort. Dieser wurde hochverlegt, nachdem die schöne Pension Schmidt relativ schnell ausverkauft war und geändert wurde zum Skaters Palace. Man hätte in der Pension bleiben sollen, die angenehm klein und warm ist und in der die Distanz zwischen Künstler und Publikum nicht so groß ist.
Nun ist Hannes nach eineinhalb Jahren Spaceman-Pause wieder mit Clara am Cello auf Tour. In der Zwischenzeit hat er sich darüber Gedanken gemacht, wie er sein Leben gestalten soll, ab diesem eigenwilligen Zeitpunkt, seitdem er von der Musik leben kann. Währenddessen sind auch ein paar neue Lieder wie "Norden" oder "Rom" entstanden. Es gibt also berechtigte Gründe zu hoffen, dass es bald ein viertes Album geben wird. Vorher kommt allerdings ein Debut unter dem Namen OTAGO heraus. Man darf gespannt sein.
Auch unscharf, immer noch schön. Foto: luserlounge.
Bevor Hannes in Münster am Sonntagabend zur Tatort-Zeit auf die Bühne trat, hat Marcel Gein dem Publikum wunderbare Lieder auf deutsch und englisch vorgespielt und mit seiner unfassbar freundlichen Art dieses schnell auf seiner Seite. Bei einigen seiner Geschichten kam fast ein bisschen Mitleid hoch, wenn man frisch getrennt am Valentinstag vor verliebten Pärchen spielen muss (so vor einigen Jahren geschehen).
Die Vorfreude unter dem jungen, studentischen Publikum war groß, als die Protagonisten auf der Bühne sich die Gitarre in die Hand gaben und "Der Tag an dem ich nicht verrückt wurde" erklingte. Es folgen warme, schöne, lustige und ein paar melancholische Momente, Lieder und Geschichten. Darunter natürlich auch Klassiker wie "Milchglas", "Han Solo", "Photonenkanonen" oder "Schnee", das man locker mit Robbie Williams' "Angels" ausklingen lassen kann; kein Problem. In der kleinen Kreativpause hat Hannes sich auch eine schöne 50-er-Jahre-Gitarre zugelegt, die super geeignet war, um sich an Loops und neuen Klängen auszuprobieren. Hat herrlich funktioniert, sodass sie auf der Bühne zu zweit oder dritt eine ganze Band erklingen lassen konnten.
Der wunderschöne Schlusspunkt wurde ganz am Ende mit einer eigenen Version von "Die Gedanken sind frei" gesetzt. Spaceman Spiff ist in seinen Texten wahrlich nicht politisch, doch in diesen Zeiten ist so ein Lied auf jeden Fall eine klare Aussage. Zudem war die Interpretation wirklich hörenswert! Hut ab!

Man sollte auf keinen Fall verpassen, wenn Marcel, Clara und Hannes in den nächsten Tagen auf den folgenden Bühnen spielen werden. Es ist ein großes Vergnügen:

23.01. Jena, Rosenkeller
24.01. Leipzig, Werk 2
25.01. Dresden, Scheune
26.01. Berlin, Lido
27.01. Bremen, Tower
29.01. Hamburg, Gruenspan
10.-11.02. St. Peter Ording, Beach Motel van Cleef
02.05. Trier, Luckys Luke
03.05. Aachen, Musikbunker
04.05. Köln Artheater
06.05. Hannover, Lux
07.05. Rostock, Mau Club

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen