Dienstag, 13. Dezember 2016

Adventskalender, Türchen Nummer 13: FIVA x JRBB im Conrad Sohm

Foto: facebook.com/NinaFivaSonnenberg (Rainer Maria Jilg)
(sf) "Viele Köche verderben den Brei" heißt es im Volksmund - dass dies aber nicht zwingend so sein muss, haben Nina Sonnenberg, besser bekannt als FIVA, und die grandiose Jazzrausch Big Band (JRBB) am Sonntag im Dornbirner Conrad Sohm eindrucksvoll bewiesen. Der Raum war geflutet mit Liebe und vom ersten Ton an hatten die 20 Musikerinnen und Musiker das dankbare und euphorische Publikum in der Hand. Das Experiment Hip Hop meets Big Band war auf jeden Fall mehr als gelungen und schreit nach einer Wiederholung - zumindest diese fantastische Tour ist nun aber erstmal zu Ende (Fortsetzung im Januar) und hat deutschland- und österreichweit Tausende strahlende Gesichter zurückgelassen.

"Keine Angst vor Legenden", so der Titel des im Oktober erschienen Albums von FIVA, das sie mit dem JRBB eingespielt hatte und das neben zahlreichen Klassikern der Münchner Rapperin auch einige neue Tracks enthält, war nur der Vorreiter für eine Tour, die rundherum positiv in Erinnerung bleiben wird. Bei den Musikern, weil der eigene Horizont durch diese geniale Vermischung zweier Genres erweitert wurde und zudem völlig neue Talente freigelegt wurden, aber auch bei den Zuschauern und -hörern, denen eine Show dargeboten wurde, die die sicher hohen Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern bei Weitem übertroffen hat. Außerhalb Münchens war die JRBB bislang wahrscheinlich nur absoluten Szene-Insidern ein Begriff, doch das, was die Damen und Herren da aufs Parkett gezaubert haben, war einfach nur genial: von der Gitarre übers Piano, von der Geige über die Bratsche, von der Trompete über die Posaune, von den Percussions übers Cello bis hin zur Tuba - da hat jeder Ton gepasst und man sah diesen unfassbar talentierten Menschen den Spaß an jedem einzelnen Song förmlich an. Dass das Ganze nicht nur instrumental tiptop war, sondern durch gesangliche Einlagen, Rap-Parts und elegante Dance-Moves garniert wurde, setzte dem überaus sympathischen Auftreten der JRBB das Sahnehäubchen auf. Wer die Big Band noch vor Weihnachten live sehen möchte (dann allerdings ohne FIVA), dem seien diese Termine ans Herz gelegt:

Foto: facebook.com/jazzrauschbigband

Apropos FIVA: ist es eigentlich möglich, diese Frau nicht sympathisch zu finden? Ich habe sie nun zum dritten Mal live erleben dürfen und bin jedes Mal wieder vollkommen hin und weg, wie natürlich, authentisch und herzlich Nina von der Bühne herab aufs Publikum zugeht. Textlich sucht die ehemalige Poetry Slammerin (einst sogar Dritte bei den Deutschen Meisterschaften im Einzel und Siegerin im Teamwettbewerb!) ohnehin ihres Gleichen, doch auch von der Vielfältigkeit ihres Repertoirs her spielt sie in der Champions League, was nicht zuletzt durch die aktuelle Kollaboration mit der JRBB erneut vor Augen geführt wird. FIVA hat es dabei gar nicht nötig, sich gängigen Hip Hop-Klischees hinzugeben, sondern reflektiert das Leben als solches (und ihr eigenes im Speziellen) auf eine derart intelligente und pointierte Art und Weise, dass man sich unweigerlich als Teil des Ganzen und verstanden fühlt. Dass sie zudem darauf verzichtet, ihre Geschichten mit erhobenem Zeigefinger zu erzählen und belehrend wirken zu wollen, rundet dieses sympathische Gesamtpaket ab und lässt den Zuhörer leicht zum Komplizen, ja Freund der Künstlerin werden.

Dass es auch zwischen FIVA und dem JRBB ordentlich gefunkt hat, war unschwer zu erkennen: diese Leichtigkeit, dieser ungezwungene, witzige, legere, liebe- und respektvolle Umgang der Musiker miteinander war von der Bühne herab förmlich zu spüren und übertrug sich auf das gut gefüllte Conrad Sohm. Schon beim Opener "Das Beste ist noch nicht vorbei" wurde ordentlich mit den Köpfen gewackelt, bei "Einen Sommer lang nur tanzen" wurde tatsächlich auch bei Außentemperaturen um den Gefrierpunkt das ein oder andere Tanzbein geschwungen, bei "Frühling" wurde Nina ordentlich beim Rappen unterstützt und dass das Lächeln des Publikums den Kopf der Münchnerin verdreht hat, kann ich nur 1:1 so zurückgeben.

Foto: facebook.com/NinaFivaSonnenberg (Rainer Maria Jilg)

Aber es war nicht nur Feiern und ausgelassene Stimmung angesagt: Tracks wie "Phoenix" oder "3 Ausrufezeichen" beschäftigen sich inhaltlich sehr explizit mit den vermeintlichen Problemen unserer Gesellschaft, stellen aber auch (völlig zurecht) klar, dass wir von Luxusproblemen sprechen und keinerlei Vorstellung davon haben, wie es Menschen in anderen Teilen dieser Welt geht. An dieser möchte ich auch dem Publikum ein großes Lob zollen, wie feinfühlig und voller Respekt diese sehr nachdenklichen Texte aufgenommen wurden und bewusst darauf verzichtet wurde, Party zu machen.

Leider leider leider beinhaltet das Album "Keine Angst vor Legenden" nur 14 Tracks, weswegen die Songauswahl automatisch etwas eingeschränkt war, doch ein super Instrumentalstück der JRBB, sowie ein (gewohnt) genialer Freestyle-Rap von FIVA rundeten das perfekte Konzerterlebnis ab. Ja, es war wohl so etwas wie Liebe, die da gestern im Conrad Sohm zu spüren war und so musste sich Nina ganz am Ende sogar noch ein paar Tränen der Rührung aus den Augen wischen, bevor sie sich von ihren Fans verabschiedete.

Wann das Wiedersehen allerdings stattfinden wird, steht ein bisschen in den Sternen, da Nina, wie sie selber verriet, schon bald Nachwuchs erwarten wird. Die luserlounge gratuliert recht herzlich und wünscht der werdenden Mutter alles nur erdenklich Gute.

Foto: facebook.com/NinaFivaSonnenberg (Rainer Maria Jilg)

 
 

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