Dienstag, 18. Oktober 2016

Max Paul Maria - Figurines

(sf) Ein Berliner, der ein Americana/Roadtrip-Album schreibt und einsingt? Klingt zunächst mal
verwirrend, doch die Lebensgeschichte von MAX PAUL MARIA lässt dieses Projekt plötzlich verdammt sinnvoll erscheinen und das, was der Künstler da zu CD gebracht hat, ist nicht nur überraschend abwechslungsreich, sondern nimmt den Hörer sowohl textlich als auch emotional mit auf die Reise.

Seine Jugend verbrachte MAX PAUL MARIA in diversen Freiburger Punk- und Hardcorebands, bevor er 2009 begann, mit Gitarre und Hut durch Berliner Bars zu tingeln. Die Mundharmonika in einer seiner Jackettaschen suchend, erzählte er dort von Trips entlang des Amazonas und davon, was es heißt, wirklich verloren zu gehen. Seine Version von Dylans „Don't think twice it's alright“ wurde schnell über Kreuzberg hinaus bekannt und mit ihr Marias Ruf, bei Konzerten seine Seele zu öffnen. Nach hunderten von Auftritten in ganz Europa veröffentlichte er 2013 mit „Miles & Gallons“ eine erste Kollektion eigener Songs, größtenteils geschrieben und aufgenommen im zwischenzeitlichen Lissabonner Exil.


Bis 2015 tourte er als Gitarrist und Sänger der Gypsy Punk Band DIVING FOR SUNKEN TREASURE durch die Welt. Mit „Figurines“ veröffentlicht der Musiker im Oktober 2016 nun sein zweites Album und wird im November mit Band live zu sehen sein.
© Giulia Giacomini
"Wer statt Gedudel Musik, statt Vergnügen Freude, statt Geld Seele, statt Betrieb echte Arbeit, statt Spielerei echte Leidenschaft verlangt, für den ist diese hübsche Welt hier keine Heimat ..." heißt es im Steppenwolf von Hermann Hesse - und MAX PAUL MARIA scheint einer dieser Heimatlosen zu sein. Zumindest beschleicht einen dieser Gedanke nach dem Hören des neuen Albums des jungen Musikers. Drei Jahre nach Erscheinen des Debüts „Miles & Gallons“ veröffentlicht das Label DevilDuck Records nun mit „Figurines“ dessen gelungen konsequentes Nachfolgewerk. Darauf zu finden: mehr Band, mehr Sound, mehr Rauheit, mehr Geste und mehr künstlerische Aufrichtigkeit.

War „Miles & Gallons“ das Reisetagebuch eines rastlosen Drifters, so wirkt „Figurines“ wie das Manifest eines festgesetzten Vagabunden. Aufgenommen in DIY-Manier (in der selbstauferlegten Isolation der Berliner Wohnung), beschreibt der Langspieler ähnlich wie sein Vorgänger ein Gefühl von Rastlosigkeit und eine Sehnsucht nach einem intensiveren Leben. Jedoch spürt man hier noch deutlicher eine Zerrissenheit, eine dunkle Melancholie, eine Wut auf das Ungenügen in Kultur und Gesellschaft, eine verzweifelte Suche nach einer Insel im tosenden Meer der postmodernen Welt. „Still I don’t know where to go now, through all imaginary landscapes“ heißt es entsprechend im Opener, der schon einen wunderbaren Einblick gewährt in das, was einen in den folgenden 38 Minuten.
Stimmlich und atmosphärisch sind Genre-Größen wie Nick Cave, Tom Waits oder Neil Young mitunter gar nicht so weit entfernt, aber seien wir uns mal ehrlich: als junger deutscher Künstler dürfte es extrem schwer sein, mit so einer Art Musik kommerzielle Erfolge zu feiern. Selbstverständlich wünschen wir MAX PAUL MARIA aber nur das Beste und dass er sich seinen Enthusiasmus beibehält und auch weiterhin so tief blicken lässt in seine Gefühlswelt, seine Empfindungen, in seine Seele und sein Herz.

Wer ihn live erleben und somit auch unterstützen möchte, der hat demnächst die Chance dazu:

18.10. Hamburg, Knust*
20.10. Flensburg, Volksbad*
24.10. Köln, Yard Club*
25.10. Münster, Gleis 22
26.10. Berlin, BiNuu*
27.10. Wuppertal, Utopiastadt*
28.10. Hannover, Chéz Heinz*
29.10. Leipzig, UT Connewitz*
30.10. Andernach, V8*
31.10. Crailsheim, 7180 Bar*
02.11. Nürnberg, MUZ Club*
03.11. München, Milla*
04.11. Karlsruhe, Scruffy's*
21.11. Hamburg, Astra Stube**
22.11. Hannover, Café Glocksee**

auf Tour mit: *The Dead South (CA)│** Kid Dakota (USA)




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