Donnerstag, 27. Oktober 2016

Korn - "The Serenity of Suffering" und Nu Metal Teil II

KoRn. Quelle: korn.com
(ms) Alle Jahre wieder: Korn bringen ein neues Album auf dem Markt. Das letzte habe ich noch wohlwollend aufgenommen, verstaubt aber arg im Plattenregal. Der Klang war zu weich, runtergespült, harmlos. Wenn ich Korn hören will, möchte ich, dass das aggressiv, übel, herausfordernd und so druckvoll ist, dass man gepflegt die fehlende Metal-Mähne schwingen will.
Seit gut einer Woche ist "The Serenity of Suffering" nun erhältlich und es stellt sich die alte Frage: Was soll man erwarten? Was kann man noch erwarten? Die Band besteht seit über zwanzig Jahren, die Musiker sind Mitte/Ende vierzig, sehen durch Haarschmuck und Tattoos aber nicht so aus. Live werden die alten Hits wie "Blind", "Y'all Want A Single", "Freak On A Leach", "Did My Time" abgefeiert. Die neuen Sachen kaum. Geht es endlich mal um etwas anderes als das Hamsterrad von Jonathan Davies' Selbstmitleid?
Eigentlich hatte ich keinen wirklichen Ansporn, mir die Platte zuzulegen. Nun bin ich doch drüber gestolpert und unendlich froh drüber! Was für ein Brett! Aber jetzt wirklich.




Klar muss sein: Die fünf Amis haben hier das Rad nicht neu erfunden.
Doch man kann wirklich behaupten, dass sie aus der lang andauernden Krise gekommen sind. "Untiteled" ist gefloppt, "Korn III: Remember Who You Are", auch ziemlich schwach, "The Path of Totality" war dann das Dub Step-Experiment, über das letzte Werk habe ich mich ausgelassen.
So bitter das auch klingen mag, sind das mehr als zehn Jahre, wo die Band nicht so recht wusste, wohin.
Was ist dann der sinnvollste Gedanke, weiter zu machen?
Genauso einfach wie genial: Die alten Stärken wirklich wieder aufbeleben und es nicht bei einem halben Versuch belassen.
Dumm ist nur gelaufen, dass sie mit "Take Me" und "A Different World" - trotz des Features mit Corey Taylor - zwei schwache Songs als Single gewählt haben. "Rotting In Vain" macht da schon mehr Laune, insbesondere zum Schluss. Ein seltsamer Knackpunkt: zum Ende hin werden einige Songs, die gut eineinhalb Minuten vor sich her dümpelt, brutal stark: "Black Is The Soul", "The Hating", "Everything Falls Apart". Zu überzeugen wissen "Please Come For Me" und "Insane", allein des Titels wegen. Häufig sind Gesangseinlagen à la "Twist" zu hören und schrammelige Gitarrensound wie auf den ersten zwei Alben. Das haben sie - man muss es so einfach sagen - stark gemacht. Auch die beiden Bonustracks "Baby" und "Calling Me Too Soon" müssen sich eigentlich nicht verstecken.




"The Serenity Of Suffering" hat die Gewalt, den Wumms, den Druck, den slappenden Bass, das Geschrei und den überzeugenden Gesamteindruck, den man sich seit vier oder fünf Alben - d.h. einer verdammt langen Zeit - gewünscht hat!
Ich hoffe, dass ich diese Review zum nächsten Album hin nicht wieder bereuen werde und die Platte die Kraft behält statt verliert.

Wer sich live einen Eindruck verschaffen will, kann das hier tun:

24.03. Stuttgart - Hanns-Martin-Schleyer-Halle
25.03. Düsseldorf - Mitsubishi Electric Halle
27.03. Hamburg - Alsterdorfer Sporthalle
28.03. Berlin - Velodrom
02.04. München - Zenith
03.04. Wien - Gasometer

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