Freitag, 14. Oktober 2016

Der Neuanfang des Clueso: Track by Track



Foto: Universal Music
(mm) Ich bin noch gar nicht sooo lang wirklich aktive Clueso-Zuhörerin. „Keinen Zentimeter“ hat mich seinerzeit in seinen Bann gezogen und ich bin dabei geblieben und höre ihn immer wieder gern. Ehrensache, dass ich dann auch die neue Scheibe haben muss. Nur warum nennt er sie „Neuanfang“? Recherchekünstlerin die ich bin, machte ich mich auf die Suche nach der Antwort und fand sie auch. Der Erfurter hat sich 2015 aus dem Zughafen - der Erfurter Künstlergemeinschaft im ehemaligen Güterbahnhof - gelöst und setzt nun auf andere Klänge, einen neuen Produzenten und insgesamt auf ein neues Bild. Schauen wir mal, was draus geworden ist:


1) Neuanfang
„Wow... laut“ war mein erster Gedanke. Nach den doch eher ruhigen und melodischen Liedern, die man sonst so kennt, doch erst mal ungewöhnlich, aber man kommt gut rein. Die musikalische Veränderung ist deutlich erkennbar. Herzlich Willkommen... Neuanfang!

2) Achterbahn
Eindeutig was für die gute Laune. Textlich wahnsinnig gut: warum soll man die Erwartungen anderer erfüllen wollen, wenn man mit dem, was man tut, gut unterwegs ist und sich gut fühlt. Tolles Motto, tolle Melodie - macht definitiv Lust auf Mitsingen.

Foto: Christoph Koestlin Universal Music
3) Neue Luft
Ja, ist in Ordnung zum durchhören, abgewinnen kann ich dem Lied jetzt nicht so viel. Da war wohl die Luft raus...

4) Erinnerungen
...sind immer da, manchmal was Tolles, manchmal schmerzhaft. Clueso hat diese wunderbar in eine melancholische, aber doch irgendwie freudige Grundstimmung gepackt und fällt damit doch wieder in alte Muster zurück (was nichts Schlechtes ist). Das Lied malt das Bild, wie man mit Freunden zusammensitzt, um über Vergangenes zu sprechen oder eben auch mal alleine vor sich hinsinniert. Einfach genial zusammengefasst.

5) Wenn du liebst (feat. Kat Frankie)
Ein wunderbares Duo. Die Australierin Kat Frankie harmoniert stimmlich so dermaßen gut mit Clueso, dass es einem eine Gänsehaut zaubert. Auch textlich ein Traum... Ein wahres Gefühlschaos... was macht man, wenn es nicht läuft: „warum fällt es mir nur so leicht, daran zu glauben, nichts Schlechtes zu sehen? Doch irgendwas sagt mir leise, wenn du sie liebst... lass sie geh’n“. Und ein (nicht ganz) unerwartetes Ende..... Lasst euch überraschen.

6) Lass sie reden
Ganz ehrlich... ich musste an die Ärzte denken - „Lass die Leute reden und hör einfach nicht hin“.... Und ja, genau diese Grundeinstellung wird auch hier besungen. Allerdings Clueso-typisch auf einer ruhigeren Schiene. Einfach cool bleiben und nicht aufregen, wenn andere das Maul aufreißen. Ja... das könnte ich gern.  ;-)
Oder möchte dieses Lied vielleicht sogar den möglichen Reaktionen und Kritiken auf das neue Album vorgreifen? Wenn dem so sein sollte - Respekt und Hut ab. Gleich mal die Hater von vornherein abwürgen - find ich schon nice.

7) Anderssein (feat. Sara Hartman)
Neues entdecken, Spaß haben, das Leben genießen, auch mal seltsame Leute kennenlernen, all das funktioniert mit einem guten Freund an der Seite. Denn: „Everyone is moving on and everything is moving on“. Schönes Lied. Könnte klar zum Favoriten werden, denn gerade der Wechsel zwischen angedeutetem deutschem Sprechgesang und zarten englischen Einwürfen von Sara Hartman macht das Lied echt liebenswert.

Foto: Jennifer Stenglein Universal Music
8) Gordo
Redet die Fernsehstimme da gerade über einen Schimpansen für Laborversuche? Falsch, keine Laborversuche. Es geht hier um folgendes: „Am 13. Dezember 1958 gelang ein suborbitaler Raketenflug mit einem Totenkopfaffen namens Gordo, der dabei auch über acht Minuten der Schwerelosigkeit ausgesetzt war, bei der Wasserung der Landekapsel im Ozean allerdings wegen eines Fehlers der Fallschirmfunktionen ertrank.“ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ham_(Schimpanse)). Das Lied beschreibt genau diese Geschichte. Und das aus der - zugegeben und verständlicherweise sehr traurigen - Sicht des Tiers. Geht mir sehr, sehr nah...

9) Jeder lebt für sich allein
Musste ich dreimal hören, bis ich mich auf den Text konzentrieren konnte. Fiel mir irgendwie sehr schwer. Absolut nicht meins. Letztlich geht es um Trennungsschmerz - ob von der Liebe oder dem Zughafen ‑ das dürft ihr euch selbst überlegen, wenn ihr das Lied hört.

10) Sorgenfrei
Gitarrenklänge zum Einstieg - so gefällt mir das - weiter so. Und ja, es geht genauso schön melodisch weiter. Inhaltlich gibt es ein paar sehr schöne Aussagen, das große Ganze will sich mir allerdings nicht erschließen. Vielleicht soll es das aber auch gar nicht. Vielleicht soll es einfach nur schön sein. Und das ist es. Ein wunderbarer Abschluss.

Fazit: Nach dem Namen des Albums und dem ersten Titel hatte ich mehr musikalische Abweichung zum üblichen Clueso-Stil erwartet, die mancher wohl hören wird. Ich finde, er hat keine riesen  180°-Drehung gemacht. Es klingt schon anders, ja, aber  er ist sich selbst sehr treu geblieben, ungeschminkt, manchmal auch etwas ungeglättet. Insgesamt ein Album, das ich mir gern wieder anhöre - nicht in Dauerschleife, aber trotzdem sehr bald wieder. Für meinen Geschmack hätten es noch 2-3 Lieder mehr sein dürfen.

Wer den Erfurter live erleben möchte, sollte sich die folgenden Daten merken: 

So
11.12.2016
Bochum (Zeche)

Mo
12.12.2016
Karlsruhe (Tollhaus)

Di
13.12.2016
Basel (Volkshaus)

Do
15.12.2016
Potsdam (Waschhaus)

Fr
16.12.2016
Erlangen (E-Werk)

So
18.12.2016
Dornbirn (Conrad Sohm)

Mo
19.12.2016
Salzburg (Rockhouse)

Di
20.12.2016
Darmstadt (Centralstation)

Mi
01.02.2017
Wien (Wuk)

Do
02.02.2017
München (Muffathalle)

Fr
03.02.2017
Stuttgart (Im Wizemann)

So
05.02.2017
Berlin (Astra Kulturhaus)

Mo
06.02.2017
Hamburg (Große Freiheit)

Mi
08.02.2017
Leipzig (Täubchenthal)

Do
09.02.2017
Köln (Gloria)

So
12.02.2017
Zürich (Kaufleuten)

Mo
13.02.2017
Erfurt (Stadtgarten)

Di
14.02.2017
Erfurt (Stadtgarten)

So
24.09.2017
Bielefeld (Ringlokschuppen)

Mi
27.09.2017
Frankfurt (Jahrhunderthalle)

Do
28.09.2017
Stuttgart (Liederhalle / Beethovensaal)

Sa
30.09.2017
Würzburg (Posthalle)

So
01.10.2017
Hannover (Capitol)

Mo
02.10.2017
München (Zenith)

Do
05.10.2017
Berlin (Tempodrom)

Fr
06.10.2017
Leipzig (Haus Auensee)

Mo
09.10.2017
Köln (Palladium)

Do
12.10.2017
Saarbrücken (Garage)

Fr
13.10.2017
Bremen (Pier 2)

Sa
14.10.2017
Hamburg (Sporthalle Hamburg)





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