Montag, 8. August 2016

Eine regnerische Sommernacht in der Konzertprovinz

Quelle: Sportfreunde Stiller (Facebook)
(sf) Sigmaringen ist ein beschauliches Städtchen im schönen Oberschwaben und für sein prunkvolles Schloss bekannt, doch in Sachen Konzerte herrscht weitestgehend tote Hose. Umso größer war die Vorfreude, als das Line-Up des diesjährigen Summernight Festivals bekanntgegeben wurde: neben den Emsländer Newcomern von RAZZ wurden die nordirischen Veteranen ASH, Österreichs Pop-Export Nr. 1 WANDA, Chartsstürmer BOSSE und die SPORTFREUNDE STILLER engagiert.  Für Entertainment war also gesorgt...

Freitag Nachmittag, 15.30 Uhr, Ankunft in Sigmaringen. Die ersten Besucher trudeln im Donaupark ein, selbst auf den nahen Parkplätzen ist es kein Problem, noch ein Plätzchen zu finden und so sind wir bereits zum Soundcheck von Razz vor Ort und freuen uns auf das Konzert der Emsländer, von denen ich bislang nur ein paar Lieder auf Spotify gehört habe, doch die fand ich richtig gut. Der erste Weg führte uns aber zum Merch-Stand, wo uns meine langjährige Bekannte Chris schon erwartete und Unterschlupf gewährte, als der Himmel das erste Mal seine Schleusen öffnete. Was für ein fieser Schauer und richtig bitter für die erste Band des Tages, da ohnehin erst knapp 200 Leute da waren und sich die Hälfte davon fluchtartig unter alle verfügbaren Dächer flüchtete. Aber auch aus der Entfernung klangen Razz klasse - von denen hören wir hoffentlich ganz bald mehr, denn die sind wirklich vielversprechend und vermittelten richtig viel Spaß.

Nächster Programmpunkt: ASH! Seit 20 Jahren gehören die Nordiren zu meinen Lieblingsbands, doch es ist geschlagene 15 Jahre her, dass ich Mark Hamilton, Rick McMurray und Sänger Tim Wheeler auf ihrer "Free All Angels"-Tour zuletzt live gesehen habe. Ich war also richtig aufgeregt, doch schon die ersten Töne des Openers "A Life Less Ordinary" verwandelten die Aufregung in Enthusiasmus und neben ein paar neuen Tracks wussten vor allem die Klassiker "Girl From Mars", "Kung Fu", "Burn Baby Burn" und "Shining Light" zu gefallen und so ernteten die Nordiren mehr als nur Höflichkeitsapplaus. Pünktlich zu ASH schien erstmals auch die Sonne, die Reihen vor der Bühne füllten sich und den ein oder anderen neuen Fan dürften die langjährigen Wegbegleiter der Sportfreunde durchaus gewonnen haben. Es wird Zeit für eine ausgiebige Deutschlandtour als Headliner, Jungs!

Für mich persönlich war dieser Auftritt auch schon der emotionale Höhepunkt des Tages, auch wenn er nur ca. 40 Minuten dauerte. Alles andere sollte Zugabe sein, aber mit drei solchen Hochkarätern vor Augen klingt das fast ein bisschen vermessen, oder?

Nach einer erneuten Umbauphase enternten Wanda die Bühne, wobei Sänger Michael Marco Wanda erstmal einen Umweg in Richtung Publikum einlegte, um sein Tütchen an einen durchaus nicht abgeneigten Zuschauer abgab. Fanbindung mal etwas anders. Es folgte ein Auftritt ohne große Überraschungen, der aber durchaus zu gefallen wusste. Der Wiener Schmäh zog auch in Sigmaringen, es wurde ordentlich Amore versprüht, "Bologna" als Hymne ist kaum schlagbar, "Bussi Baby" klingt auch akustisch geil, "Luzia" und "Auseinander gehen ist schwer" dürfen bitte niemals aus dem Set verschwinden und "1 2 3 4" als Abschluss ist sowas von grenzgenial, dass es kracht. Nur eine Bitte hätte ich: "Ich will Schnaps" muss nicht zwingend 13 Minuten dauern; das ärgert mich jedes Mal wieder, dass das so aufgebläht wird.

Sonne, Sommer! Als Bosse die Bühne betreten, macht das Wetter dem Festivalnamen endlich alle Ehre und Aki liefert mit seiner Band eine geile Show ab. Schon bei "Du federst" geht das Publikum ab und es reiht sich Hit an Hit. Bei den Tanzeinlagen ist zwar noch deutlich Luft nach oben zu erkennen, aber das schieben wir mal auf die alten Hochzeitsschuhe, in denen Axel auftreten musste, weil er zuhause die falsche Tasche eingepackt hatte. Alte Hymnen ("3 Millionen", "Alter Strand", "Frankfurt Oder") wechselten sich mit den Hits seines aktuellen Nummer 1-Albums "Engtanz" ab (z. B. "Dein
Hurra", "Steine" und "Krumme Symphonie", bei dem Herr Spiegelei, bekannt von Deichkind, den Casper-Part übernahm) und bei "Schönste Zeit" schwang auch der größte Tanzmuffel die morschen Knochen und sang aus voller Kehle mit. So toll, wie Aki auf das Publikum einging, zu geben bereit war und für seinen Einsatz mit ganz viel Wärme und Zuneigung belohnt wurde. Ganz großartig auch sein Ausflug ins Publikum, wo er mit einem Fan sang, durch die Reihen streifte und zurück auf der Bühne leicht resigniert fragte, ob es in Oberschwaben normal sei, während eines Konzerts Kässpätzle zu essen? Leider geil. Bosse, das war ganz großer Sport!

Und, äh, ja, das war dann auch die gleich die Überleitung zum Main Act des Abends: Sportfreunde Stiller! Mit "Raus in den Rausch" fiel der große Vorhang, der Werbung für das im Oktober erscheinende Album machte und die Vorabsingle macht durchaus Lust auf mehr. Mit "New York,
Rio, Rosenheim" haben die Münchner die Messlatte zwar hoch gelegt, aber besonders das ebenfalls dargebotene "Zwischen den Welten" lässt erahnen, dass die Sporties da wieder was Großes raushauen könnten. In Sigmaringen aber war der Beginn eher verhalten: "Let's did it" war eher ein Stimmungskiller und just als Peter sich freute, dass das Wetter sich zum Guten geändert hat, setzte der Regen erneut ein, wurde minütlich stärker und irgendwann goss es aus allen Kübeln, wir standen knöcheltief im Wasser, waren nass bis zur Unterwäsche, aber egal: Feiern war angesagt! Erstaunlicherweise übertrug sich diese Euphorie vom Publikum auf die Band (meist ist es ja umgekehrt), die es offensichtlich zu schätzen wusste, dass man sich den äußeren Umständen nicht ergeben wollte und so fingen die Sportfreunde nach und nach an, nicht nur ihr Programm runterzuspielen, sondern wirklich auf die Zuschauer einzugehen und auch von der Bühne aus Spaß zu verbreiten. Endlich war es so, wie sich das alle vorgestellt hatten und es entwickelte sich eine große Party im Regen. "Wellenreiten", "Ein Kompliment", "Applaus Applaus", der geniale Flo-Auftritt bei "Es muss was Wunderbares sein (von mir geliebt zu werden)" und "Ich Roque" bereiteten den Weg für den würdigen Abschluss: bei der letzten Zugabe "Auf der guten Seite" sprang Peter oben ohne in die klatschnasse Menschenmenge, ließ sich durch den Regen tragen und dann war ein wunderschöner Konzerttag mit ganz vielen Höhepunkten leider viel zu früh zu Ende.

Vielen Dank an die Organisatoren dieses megaentspannten Festivals, bei dem sogar die Ordner freundlich und zuvorkommend waren, die Getränkepreise absolut human und das geradezu nach einer Wiederholung im nächsten Jahr schreit.

Quelle: Sportfreunde Stiller (Facebook)






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