Dienstag, 3. Mai 2016

Neonschwarz - "Metropolis"

Mauser, Gips, Ypsilon, Curry. Foto: Hendrik Köhler, audiolith.net.
(ms) Marie Curry muss ihre Workshops begrenzen und hat gar nicht so richtig bei Trouble Orchestra angefangen. Johnny Mauser ist mit Trouble Orchestra mit Volldampf vorausgeprescht, musste aber aussteigen. Captain Gips' Solopläne liegen erstmal still.
Was nach drei traurigen Geschichten klingt hat einen guten Grund: Alle sind so sehr mit Neonschwarz beschäftigt, dass für alles andere keine Zeit mehr bleibt. Was mit ein bisschen freundschaftlichem Abhängen, Texten und Beats basteln angefangen hat, ist jetzt wirklich groß geworden: Ausverkaufte Shows, geplante Auftritte ohne Ende, hier Interviews, dort andere Termine.
Die Rap-Crew namens Neonschwarz hat sich nach oben gerappt, doch sind auch immer wieder ganz bodenständig geblieben. Neben einem rappelvollem Auftritt im Uebel & Gefährlich spielten sie auch auf dem kostenlosen Detten Rockt im Münsterland gegen Nationalismus und Fremdenhass.

Nun geht die zweite Runde los.
Am kommenden Freitag (6.05) kommt das neue Album "Metropolis" raus.
Ohne all zu viel vorwegzunehmen: Es ist noch fetter, breiter, abwechslungsreicher als der Vorgänger "Fliegende Fische". Dazu haben sie sich ein wenig Hilfe mit ins Studio geholt. Beats kommen unter anderem von Farhot, Ulliversal oder Chaozz.
Dabei rausgekommen ist eine mehr oder weniger konzeptartige Sammlung von ganzen 17 Tracks! Der Titel lässt erahnen, worum es geht: Stadt, Metropole, Dreck. Aber auch: Freiheit, Party, Gesellschaftskritik und eine saubere Attitüde gegen alles, was von rechts gekrochen kommt. "2015" verbindet beide Alben mit dem Aufschrei, dass immer noch Asylbewerberheime brennen, die AfD beginnt die Gesellschaft zu verseuchen und man immer noch aufmerksam sein sollte, was gerade so abgeht!
Beginnen tut das Album dennoch mit einem der besten Neonschwarz-Tracks überhaupt. "Dies das Ananas". Der Beat ist so dermaßen gut, dass es einen nicht still sitzen lässt. Dabei scheint so vieles egal: Konventionen, Druck von außen, egal.



Etwas breiter im Klang ist beispielsweise auch "Atmen". Johnny Mauser singt statt zu rappen. Wirklich interessant ist "Kennlernrunde". Alle vier beschreiben, wie es dazu bekommen ist, dass drei eigenständige Rapper und ein DJ angefangen haben, zusammen starke Musik auf die Beine zu stellen.
Weitere Highlights des Albums sind "Rapstars", "Jogginghosentag" oder "Das Goldene Ticket", was ohne Umwege mal der Hit des Sommers werden kann.
Natürlich sind bei 17 Songs auch welche dabei, die eher untergehen ("Drahtesel", "Standstreifen" oder "Küstenfieber").
Doch, halt, Stopp! Ist ein linkes Rap-Album nicht eine Platte von linken Rappern für linke Rap-Fans? Ein bisschen Selbstbeweihräucherung und Selbstreferenz? Eigentlich will diese Musik doch etwas erreichen, verändern und Menschen vor die Schuhe spucken, oder? Natürlich ist das ein berechtigter Einwand. Doch die Band weiß das, Captain Gips sing immerhin in "2015": "Ich weiß, es nicht reicht, wenn wir ab und an einen Song schreiben." Na bitte.

Fazit: "Metropolis" ist ein starkes, intensives Rap-Album, das eindeutig den Fokus auf Texte und Hooklines legt, das nahe geht, die Augen öffnet und dazu aufruft, sich in der Öffentlichkeit einzumischen.
Die Welt, die Metropole geht unter.
Davor wird aber die beste Party gefeiert. Soundtrack: Neonschwarz!

Wir empfehlen dringend diese Crew live anzusehen:

12.05.2016 Berlin - About Blank
13.05.2016 Kopenhagen - 2-års fest - Revolutionære Antifascister
14.05.2016 Rostock - Riotinmyheart
15.05.2016 Flensburg - Dockyard Festival
26.05.2016 Würzburg - Cairo
27.05.2016 Augsburg - Kongress am Park (Modular Festival)
28.05.2016 Münster - Gleis 22
25.06.2016 Leipzig - Laut & Live
15.07.2016 Jena - JG Stadtmitte
16.07.2016 Goldenstedt - Afdreiht un Buten
22.07.2016 - 23.07.2016 Wiesen - Hip Hop Open Austria
06.08.2016 Hamburg - Spektrum Festival
11.08.2016 - 13.08.2016 Püttlingen - Rocco del Schlacko
27.08.2016 Hannover - Irie Revoltés Open Air



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