Montag, 11. April 2016

SOPHIA - "As We Make Our Way (Unknown Harbours)"

Kopf des Projeks, Robin Proper-Sheppard. Foto: Philip Lethen.
(ms) Tragödien, schlechte Nachrichten, Hiobsbotschaften, Trennungen, Tod, zerronnene Freundschaften. Das sind meist die Substanzen aus denen für uns Indieliebhaber Songs geschrieben werden. Herzschmerz ist oft Muse für brachial gute Songs. Wieviele Trennungsalben es wohl gibt?! Enno Bunger beispielsweise hat ein grandioses geschrieben.
Robin Proper-Sheppard, früher bei The God Machine, macht seit gut 20 Jahren konstant gute bis herausragende Musik unter dem Namen SOPHIA. Für dieses Projekt holt er sich regelmäßig unzählige Gastmusiker dazu. Zum neusten Werk war er im Studio zu zweit mit seinem Drummer Jeff Townsin kreativ unterwegs.
Die letzten SOPHIA-Alben waren alle stark von Trennungen und deren Verarbeitung geprägt. Proper-Sheppard hat sich sogar 2013 für ein paar Tage in ein Studio eingemietet, um neues Material zu produzieren, fand es aber so unstimmig, dass er alles verwarf.

"As We Make Our Way (Unknown Harbours)" ist kein Trennungsalbum, auch kein Konzeptalbum. Fröhlich ist es dennoch auch nicht. Dafür feingliedrig, filigran, teils sehr intensiv, komplex aber sehr zugänglich produziert. Nach sieben Jahren kommt am 15. April das neuste Album von SOPHIA ans Tageslicht.
Es ist beherrscht von Piano, Stimme und Akustikgitarre, wie es für Proper-Sheppard immer schon kennzeichnend war. Selten wird es wirklich laut, viel mehr verstecken sich in einigen Songs ("Resisting") Get Well Soon-artige Phasen, in denen man die Faust in die Luft strecken möchte. Ein Album, das nach einem Piano-Intro so beginnt, hält noch viel für den Hörer bereit. Es muss oft gehört werden. Allerdings nicht, weil es schwer ins Ohr geht, keineswegs. Sondern, um alle Feinheiten und versteckte Schönheiten zu entdecken. 10 Songs nehmen einen mit in unterschiedliche Gemütslagen. Hier kann man guten Gewissens mal wieder melancholisch werden.
"Don't Ask" eignet sich dazu sehr gut. Es lohnt sich nicht immer, alles zu wissen, warum wer was getan hat und aus welchem Motiv. Es ist ein wenig düster, doch ganz versteckt schimmert ein klein wenig Hoffnung durch. "Blame" hat durchaus das Zeug dazu, ein kleiner Indie-Hit zu werden. Nicht nur wegen des beschwingten Beats, sondern auch aufgrund des Textes, der warm ans Herz geht. Inhaltlich kurios geht es bei "California" zu: Robin Proper-Sheppard musste aufgrund von Behördenangelegenheiten nach langer Zeit wieder in seine Heimat (er lebt mittlerweile in Belgien) und entdeckt diese mit ganz neuen Augen, ebenso frisch klingt der Song. Bei "The Hustle" könnte man schnell an José Gonzales bzw. Junip denken. Starker Sound!



"As We Make Our Way (Unknown Harbours)" ist ein facettenreiches, sehr gutes Album, das mit jedem Durchlauf besser, persönlicher und einprägsamer wird. Nach sieben Jahren ein weiterer toller Wurf von SOPHIA. Schaut sie euch live an.

Hier sind SOPHIA bald zu sehen:

24.04.2016 Köln – Artheater
25.04.2016 Hamburg – Nochtspeicher
28.04.2016 München – Ampere
29.04.2016 Dresden – Beatpol
30.04.2016 Berlin – Kantine am Berghain

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