Mittwoch, 6. April 2016

Nada Surf is killing it!

Lorca, Elliot, Caws, Gillard. Foto: luserlounge
(ms) Ich fahre selten mal nach Hause zu meinen Eltern. Man steht ja auch so irgendwie ständig in Kontakt. Und in einer mittleren Kleinstadt, eine dreiviertel Autostunde von Bielefeld entfernt, ist wirklich nicht viel los, logischerweise zieht man von dort weg.
Seltsamerweise ist es dennoch immer wieder schön, wenn man mit dem Zug in heimischen Gefilden eintrifft. Es gibt Orte, Ecken, Häuser, Plätze mit denen man prägende Geschichten verbindet. Die erste Liebe, die erste Trennung, ein erinnerungswürdiges Besäufnis, die verrückte Schulzeit, Wege, die man im Schlaf gehen kann. Kommen dann noch Treffen mit alten Freunden hinzu, ist die als so routiniert gebranntmarkte Heimfahrt ein herrliches Highlight am Wochenende und die Fahrt in die neue Wahlheimat will dann doch nicht so schnell kommen, wie sie es tatsächlich tut.

Womit wir bei Nada Surf sind.
Ihre ganz großen Zeiten sind auf der einen Seite vorbei, auf der anderen Seite nicht so recht. "Popular", "80 Windows", "Always Love", das scheint lange her. Die Alben danach hatten einige Perlen, aber auch wirklich viel Füllmaterial.
Ihre Konzerte sind dabei immer eine sichere Bank für einen guten Abend. So war es selbstverständlich Karten für das gestrige Konzert im Dortmunder FZW zu kaufen. Erwartung: Das wird ein guter, solider Abend mit Hits und Songs ihres Neulings "You Know Who You Are".

Was dann allerdings geschah, ist schier unbegreiflich.
Dieser Abend, dieses Konzert, diese vier nicht mehr jungen Typen haben den Laden komplett abgerissen. Die Aufnahme von Doug Gillard in die Band war die richtige Entscheidung, er macht mit seinem birllianten Gitarrenspiel den Sound der Band breiter, intensiver und facettenreicher. Ira Elliot haut auf die Becken und Drums wie ein kleines Kind: "I'm just a happy kid, stucked with heart of an old punk!" Daniel Lorca raucht beim Gig nur noch Fake-Zigaretten und Matthew Caws - sichtlich ergraut - ist so viel Spaß beim Spielen aus dem Gesicht zu lesen, dass man mit ihnen auf der Bühne tanzen möchte. Fast zwei Stunden haben sie abgefeuert wie nicht gescheit. Einige neue Sachen (Could to see clar, Friend Hospital, New bird, Out of the dark) und reihenweise die großen älteren Songs, für die man die Band so liebt. Dabei waren weder "Popular" noch "Always Love" die Höhepunkte (obwohl sie beide hintereinander in der Zugabe gespielt haben), sondern "See These Bones" als Abschluss des ersten Teils. Da lag Stimmung in der Luft, man sprang, reckt die Faust in die Luft!

Völlig begeistert von diesem Auftritt, schlurften wir raus, um unsere Jacken zu holen. Plötzlich stand im Eingangsbereich des FZW die Band direkt vor uns mit Akustikgitarren bewaffnet und spielten in Mitten der Zuschauer noch "Blizzard of '77" und "Blonde on Blonde". Unglaublich!
Diese Band kann es noch. Und das haben sie gestern abend in Dortmund eindrucksvoll bewiesen! Danke!



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