Freitag, 8. Januar 2016

And The Golden Choir - "Another Half Life"

Quelle: zeit.de
(ms) Eine Rezension über ein Album, das vor einem Jahr erschienen ist? Wieso das denn?
Aus vielen guten Gründen. Der naheliegendste ist, dass "Another Half Life" von And The Golden Choir am 18. Januar in den BeNeLux-Staaten erscheinen wird. Außerdem ist schlicht und einfach erwähnenswert, dass diese Scheibe ein außergewöhnliches Hörerlebnis ist. Weiterhin war die Produktion kurios und die Live-Darbietungen von Tobias Siebert und seinem eigenen durch ihn verkörperten Chor ist ein Hinhörer und -gucker.
Sachte, peu à peu.
Wer ist Tobias Seibert? Zum einen derjenige, der uns seinen Jahresrückblick im letzten Dezember geschrieben hat. Zum anderen Sänger, Musiker, Produzent, nimmersatter Experimentierkünstler, zufriedener Melancholiker. Für das letzte Jahr hat er unter anderem die neuen Werke für Herrenmagazin und Enno Bunger produziert. Wir haben es also mit einem Großen zu tun, der es in seinem Auftreten so gar nicht sein will. Er versteckt sich hinter seiner wuscheligen Frisur, langen Mänteln und musikalisch hinter sich selbst. Wie soll das funktionieren? "Another Half Life" wurde komplett im Alleingang aufgenommen mit einer Vielzahl an Instrumenten, wie der Santur, einem Instrument aus der persischen Klassik. Klar. Dabei kommen an die 25 Tonspuren zusammen, er singt mit sich selbst im Chor, mehrstimmig, daher auch der Name.
Dabei kommt eine kleine Märchenwelt heraus. Ein Fest auf einer ritterlichen Burg. Eine mittelalterliche Stadt im Nebeldunst. Eine Seenlandschaft im Sonnenuntergang. Nein, keineswegs kitschig, sondern so stimmungsvoll, dass man es nur hören kann. Am besten mit geschlossenen Augen. Auch live. Da spricht Siebert sowieso nicht so viel mit dem Publikum. Um den mannigfaltigen Klang auf die Bühne zu bekommen ist seine Methode so einfach wie genial. Pro Lied eine Schallplatte ohne Gesang und dem jeweiligen Instrument, welches er dazu vor Publikum spielt.
Es geht hier gar nicht um jedes einzelne Lied. Der Klang ist kein Pop, kein Rock, keine ballernden Gitarren, kein tanzbeinschwingendes Schlagzeug, keine Sythies. Die ganze Platte ist ein Erlebnis. Kauftipp pur!

Schaut ihn euch hier live an:

14.01 Eurosonic Festival - Groningen (NL)
03.02 Lady Bar - Basel (CH)
04.02 Café Kairo - Bern (CH)
05.02 Ooam Festival - Baden (CH)
06.02 Treppenhaus - Rorschach (CH)
07.02 Schafferhof - Neuhaus
09.04 Husum Harbour Festival


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen