Mittwoch, 9. Dezember 2015

Der große musikalische Rückblick 2015, Teil 9: Wo die Tradition noch hochgehalten wird...

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(cj/sf) Tradition (von lateinisch tradere „hinüber-geben“ oder traditio „Übergabe, Auslieferung, Überlieferung“) bezeichnet die Weitergabe (das Tradere) von Handlungsmustern, Überzeugungen und Glaubensvorstellungen u. a. oder das Weitergegebene selbst (das Traditum, beispielsweise Gepflogenheiten, Konventionen, Bräuche oder Sitten). Tradition geschieht innerhalb einer Gruppe oder zwischen Generationen und kann mündlich oder schriftlich über Erziehung, Vorbild oder spielerisches Nachahmen erfolgen. Die soziale Gruppe wird dadurch zur Kultur. Weiterzugeben sind jene Verhaltens- und Handlungsmuster, die im Unterschied zu Instinkten nicht angeboren sind. Dazu gehören einfache Handlungsmuster wie der Gebrauch von Werkzeugen oder komplexe wie die Sprache. Die Fähigkeit zur Tradition und damit die Grundlage für Kulturbildung beginnt bei Tieren (beispielsweise bei Krähen oder Schimpansen) und kann im Bereich der menschlichen Kulturbildung umfangreiche religiös-sittliche, politische, wissenschaftliche oder wirtschaftliche Systeme erreichen, die durch ein kompliziertes Bildungssystem weitergegeben wurden. (Wikipedia)

Unser heutiger Gastautor Chris sagt dazu: Pure Vernunft darf niemals siegen!


Album des Jahres:

Tocotronic – Tocotronic (Das rote Album)

Obwohl 2015 die Bussis von Wanda durchaus zu schmecken wussten, obwohl die Frage nach dem Niveau, gestellt von Deichkind in diesem, wie in jedem Jahr völlig berechtigt ist, obwohl ein zwölf Jahre lang erwartetes Album der Jungs von Blur heuer das Licht der Plattenwelt erblickte, obwohl Adele – glaubt man den selbsternannten Experten – sowieso die Allergrößte ist und obwohl Dirk von Lotzow, Jan Müller, Arne Zank und Rick McPhail aus der Perspektive des Verfassers dieser Zeilen die Brillanz des Vorgängeralbums „Wie wir leben wollen“ nicht annähernd erreichen konnten…  Mein Album des Jahres kommt – wie in den Jahren 2013, 2010, 2007, 2005, 2002 usw. –  aus dem Hause Tocotronic. Also auch ein bisschen aus Tradition, das sei an dieser Stelle gerne zugegeben. Dass das Konzert im Münchner Zenith am Tag nach dem Terror von Paris leider nicht ganz das hielt, was man sich davon versprochen hatte, wird auf das Zeitgeschehen zurückgeführt. 

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Songs des Jahres:

     1. Deichkind – Die Welt ist fertig

Musikalisch sicher keine Offenbarung, aber in seiner Schlichtheit ergreifend. Ein Song, der in das Jahr und in die Zeit passt, wie kaum ein anderer. Aussagen wie „Alle Straßen sind geteert, Gelsenkirchen liegt am Meer“ in Kombination mit der denkbar neutralsten Nachrichtensprecherinnen-Stimme machen diesen Song zu einem Unikat.

Erwähnenswert erscheint mir im Zusammenhang mit Deichkind noch der Auftritt des Bandmitglieds Ferris MC bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest mit „Refugees Welcome“-T-Shirts Ende August, als dieses Bekenntnis noch etwas relativ Neues war. Schon allein dafür ist der Titel „Song des Jahres“ für sein anderes Musikprojekt hochverdient.




      2. Tocotronic – Solidarität

Worauf kommt es in den Tagen und Wochen im „Deutschen Herbst 2015“ mit seinen unappetitlichen Erscheinungen wie erstarkter AfD, Hetze gegen Flüchtlinge, Endlos-Pegida & Co. an? Tocotronic geben mit ihrer Hymne der anderen Art eine klare Antwort. Ein Lied für die Hoffnung! Dankeschön.



      3. Fettes Brot - Boyfriend 

     Kann mir jemand erklären, worauf die Jungs um Boris Lauterbach textlich hier hinauswollen? Eine Referenz auf den Zurück-in-die-Zukunft-Hype dieses Jahres? Keine Google-Recherche und auch kein (vermeintliches?) Experteninterview half mir, diese wichtige Frage zu beantworten. Vielleicht gefällt mir genau deshalb dieser Song so gut? Quasi die Magie des Unbekannten?

Wer mir also die Textzeile „…und wünsch‘ mir es wäre wieder 2017…“ und den ganzen Rest auf diesem Weg deuten kann, der desillusioniert mich damit zwar möglicherwiese,  hat dann aber dafür mein Verfassen dieser Zeilen nachträglich – zumindest partiell -  legitimiert. Ist das kein Anreiz…?

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