Sonntag, 13. September 2015

Ghost - "Meliora"

Quelle: metal-hammer.de
(ms) Ghost! Die Metal-Band der Stunde!
Ein großer Metal-Fan bin ich wirklich nicht. 90er-Jahre-Nu-Metal finde und fand ich sehr ansprechend mit der Verbindung aus Rap und harten Gitarrenriffs. In Flames, Apocalyptica, System of a Down, Volbeat, alle schon live gesehen. Aber so richtig hart ist keine dieser Bands. Sie sind nicht Kataklysm oder Hypocrisy. Klassischen Heavy Metal aus den 80er Jahren finde ich eher langweilig, da passiert nicht viel bei z.B. Juday Priest. Der Musik wegen würde ich auch niemals zum Wacken Festival fahren, abgesehen davon, dass der normalsterbliche Musikhörer dafür generell keine Karten bekommt. Der Death oder Heavy Metal spielt gerne mit satanischen oder antichristlichen Attitüden. Doch mit Sicherheit sind das alle ganz liebe Jungs, die nur etwas provozieren und anderen vor den Kopf stoßen wollen. Gepackt hat mich all das bis heute nicht.

Bis jetzt. Als die schwedische Band Ghost nun ihr drittes Album auf den Markt geschmissen hat: Meliora. Sie wollen also nach etwas Besserem streben. Besser als was? Alles Vergleichbare im Genre Okkult-Metal? Oder eine bessere Lebensführung im philosophischen Sinne? Oder: eine noch bessere Vermarktung ihrer selbst?
Denn was den großen Reiz an der Band eben ausmacht ist ihre Inszenierung. Und das hauptsächlich aufgrund ihrer Kleidung, diesem Mystischen, Okkulten, Satanischen, Religiösen. Zum neuen Album haben die fünf namenlosen Ghouls (ja, so nennen sie sich) ein neues Outfit mit teufelsähnlichen Masken und der Sänger Papa Emeritus III sieht wie der böse Papst aus. Er ist der dritte Sänger der Band, doch wer er, seine beiden Vorgänger und alle anderen Mitglieder sind, bleibt Spekulation. Eine Verbindung zu Tobias Forge und zur Band Repugnant oder In Solitude besteht.
Dieses ganze Tamm-Tamm, diese irre Show, auch live, ist sehr gelungen. Ein feines Spiel mit vermeintlicher Ernsthaftigkeit und Rückbesinnung zur Musik, wenn man sowieso nicht weiß, wer das ist. Das hat mich animiert, mir dieses neue Album zuzulegen.


Und ich bin wirklich begeistert. Der Sound ist überragend gut gemischt. Sehr klare, starke Gitarren, ein drängender Bass, treibendes Schlagzeug und eine voluminöse Stimme. Das ganze wird durch einige elektronische Keyboard-Klänge, einigen Glockenschlägen und sakral anmutenden Hintergrundchören ins Mysteriöse gespielt. Das macht Laune und den Reiz aus. Insbesondere "From The Pinnacle To The Pit" sticht heraus, ein brilliantes Stück. Weitere gute Hörproben sind "Majesty" und "Absolution". Tatsächlich etwas ruhiger kommt "He Is" daher, was der Scheibe gute Abwechslung und eine kleine Pause gibt. Ganz so böse und satanisch ist das ganze auch gar nicht. Man sollte die Band wahrscheinlich von ihrem Auftreten her nicht zu ernst nehmen und diese Show genießen.
Dieses wirklich gute Heavy Metal-Album spornt sogar an, sich die Jungs im Herbst mal live anzusehen. Bis dahin suche ich mal alte schwarze Klamotten raus und versuche böse zu gucken, um im Publikum nicht als der Depp zu erscheinen.


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