Dienstag, 14. Juli 2015

K.I.Z. - "Hurra die Welt geht unter"

Copyright: Christoph Voy // Universal
(ms) K.I.Z. Von den Verdammten zu den Feuilleton-Lieblingen. So schnell kann es gehen.
Erst waren sie vor Jahren zu heftig und derbe. Jetzt sind sie salonfähig.
Kommerz, eine sinnvolle Entwicklung oder keine Lust mehr auf Provokation mit Neuruppin?
Für Kommerz würde der Major-Vertrag bei Universal/Vertigo sprechen. Eine sinnvolle Entwicklung ist ebenso nachvollziehbar. Keine Band hat Lust ewig das gleiche zu machen, außer Status Quo vielleicht. Provozieren wollen sie aber immer noch, aber nicht zwingend mit den krassen, abschreckenden, tief zynischen Texten. Die Provokation besteht jetzt mit dem neuen Album "Hurra die Welt geht unter" nicht mehr aus Beleidigungen, Extremphantasien, sondern hellwachen Realitätsanalysen aus Politik und Gesellschaft. Kein Wunder, dass die Zeit oder die taz große Berichte bringen. HipHop ist 2015 endlich da, wo er hingehört: weit oben! Dafür sind nicht nur K.I.Z. verantwortlich, sondern auch die Kollegen der Antilopen Gang, Zugezogen Maskulin, Trailerpark oder 257er. Doch die vier Wahlberliner sind das große Zugpferd was Beats, Aufmerksamkeit und Beliebtheit angeht. Rap ist derzeit viel aktueller, politischer und relevanter als in den 90ern unter anderem Dank K.I.Z.!


Nun steht ein angebliches Konzept-Album in den Regalen. Die Aussagen der Band darüber sind nicht ganz eindeutig und damit auch passender Teil der Selbstvermarktung. Aber es ist kein Endzeitalbum, bei weitem nicht. Inhaltlich in einigen Tracks schon, die Beats sind keine Partykracher, aber sie ziehen den geneigten Hörer auch nicht runter.
Woran man bei K.I.Z. ist wird mit dem Opener "Wir" schon ziemlich deutlich. Denn da sprechen drei düstere Götter. Sowohl im wahrsten Sinne, denn sie sind nicht aus Menschenfleisch gemacht. Sie präsentieren sich aber auch als Rap-Götter! Dass Text und Beat nicht immer zusammenpassen müssen, zeigt "Boom Boom Boom" mit discoreifen Synthies und Mordphantasien. Ordentlich abgestochen, erwürgt und vergewaltigt wird auch bei "Ariane", da scheint ein wenig "Neuruppin" durch; sehr finster, aber so ists man ja gewohnt! Wirklich erschreckend? Nein.
Nach Dahergelaufenen müssen in "Käfigbett" auch noch Mama und Papa dran glauben. Viele bleiben nicht mehr übrig. Doch: Manny Marc! Bekannt von Frauenarzt und den Atzen wird hier die Frage beantwortet, was Manny Marc tun würde! Er schleppt euch alle in die Disco bis zur völligen Ekstase bevor es noch mal richtig einen aufs Dach gibt.
Henning May von den Senkrechtstartern Annenmaykantereit schenkt im letzten Song des Albums dem Refrain seine Stimme. Und da geht doch noch die Welt unter. Nicht nur, dass es nur noch ein paar Überlebende gibt, sondern durch die mediale Überflutung und all dem Schrott aus Facebook und Twitter ist der ein oder andere übern Jordan gegangen. Und dieser letzte Track hat es so dermaßen in sich, was die riesige Resonanz zur Single auch schon bewiesen hat. Hier haben sich zwei gefunden, beziehungsweise fünf insgesamt, die die Messlatte ganz hoch legen. Was für ein riesen Hit?! Das ist zwar schon fast Pop, aber völlig egal, es ist großartig!

K.I.Z. also mit dem Weltuntergang.
Das Motto ist etwas dick aufgetragen, aber das Album hat einiges zu bieten, ist sehr abwechslungsreich. Satire, Zynismus, Politik, Gesellschaft für die Studenten, die auch gern Böhmermann schauen. Danke dafür, Tarek, Nico, Maxim und DJ Craft!


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