Dienstag, 5. Mai 2015

Moriarty - "Epitaph"

Quelle: Promo
(ms) Zwei Moriartys sind richtig berühmt geworden. Ein dritter feiert zumindest in Europa ansehnliche Erfolge. Erster Moriarty: Der kongeniale Ganove und Antagonist von Sherlock Holmes, er auch zum Teil außerhalb von den Detektivgeschichten aufgetaucht ist. In der sehenswerten Fernsehserie überragend fies gespielt von Andrew Scott. Zweiter Moriarty: Wer kennt ihn nicht, immerhin ist das Buch, in dem er die Hauptrolle spielt, eines der bedeutendsten der Beatgeneration und hat wie kaum ein anderes Einfluss auf viele Musiker (Sportfreunde Stiller, BAP, The Go Betweens...). Gemeint ist selbstverständlich Dean Moriarty, der Lebemann aus "Unterwegs" von Jack Kerouac. Dritter Moriarty: Der Zweite hat hier seine Spuren hinterlassen und zur Namensfindung der gleichnamigen Band aus Frankreich beigetragen, die an diesem Freitag ihr siebtes Album in mittlerweile zwanzig Jahren Bandgeschichte herausbringen. Schon seit Gründung der Band ist ihr Stil äußerst schwer zu beschreiben und sie entziehen sich auch jeglicher Einteilung in eine Genreschublade, denn die Instrumentalisierung ist ebenso breit angelegt wie die textlichen Inhalte und musikalischen Beschreibungen: Folk, Country, Blues, Franko-Pop. Aber keines der Begriffe trifft so richtig zu.


"Epitaph" heißt das neue Album, das via Air Rytmo erscheinen wird und wir legen Euch ans Herz, es zu Eurer ohnehin schon großen Plattensammlung aufzunehmen.
Wenn man jetzt einen Vergleich haben möchte, weil man die Band nicht so genau kennt, wird es schwer etwas zutreffendes zu finden. Ein etwas schräger Mix zwischen Annenmaykantereit und Tom Waits gepaart mit der markanten, schönen, voluminösen weiblichen Stimme von Rosemary Standley. Es ist etwas knarzig, rau, wüst, dabei allerdings instrumental vielseitig und zugleich reduziert. Selten hört man ein richtiges draufgängerisches Schlagzeug, höchstens verschiedene Percussion. Dagegen dominieren Bass, Gitarre, Geige, Xylophon und eben der prägende Gesang.
Das klingt dann nach einem Abend in einer verrauchten, sympathischen Kneipe, wo eben diese Band auf der dunklen Bühne steht und den Soundtrack für den nächsten Whiskey spielt. Natürlich ohne Eis!
14 Tracks sind auf dem neuen Silberling. Dabei bestechen viele Songs schon beim ersten Hören. Zum Beispiel der flotte Einstieg mit "When I ride". "Ginger Joe" ist wahnsinnig stark und inspiriert von einem verwahrlosten Mann auf den Straßen Kyotos. Es erinnert an Lagerfeuerlieder über Heldengeschichten, hier einen gefallenen. "G.I. Jesus" gab es in Bruchstücken schon einmal und wurde hier richtig ausgebaut mit dem neuen Trendinstrument Mundharmonika im Vordergrund.

"Epitaph" lohnt sich aufmerksam zu hören. Trotz der Komplexität gehen die Songs gut ins Ohr und bleiben auch da. Anfang des Jahres hat die Band die Berliner Volksbühne ausverkauft und sind bald erneut auf Tour. Wenn ihr mal etwas anderes, etwas geheimnisvolles hören wollt, legen wir euch Moriartys neues Album ans Herz!

10.06.2015  D-Köln, Kulturkirche
11.06.2015  D-Hamburg, Fabrik
13.06.2015  D-Leipzig, UT Connewitz
14.06.2015  D-Frankfurt, Brotfabrik
15.06.2015  D-München, Kranhalle
16.06.2015  D-Karlsruhe, Tollhaus


PS: Ein Epitaph ist übrigens eine Grabinschrift. Wieder was dazugelernt. 


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