Mittwoch, 29. April 2015

Vierkanttretlager - "Krieg & Krieg"

vierkanttretlager.de
(ms) Moin Moin. Der raue Norden. Steife Brisen. Sturmflut. Wasser peitscht ins Gesicht. Schiffe, Boote, rudern, steuern. Fischbrötchen. Dialekt. Gemütlichkeit. Teetied. Kluntje. Nordsee. Ostsee. Urlaub. Friesengeist. Strand, Meer, Wellen. Unendliche Weite. Shantychor. Jever. Flens. Norden der Welt. Fällt noch jemandem spontan was zu Norddeutschland ein? Hm, Helmut Schmidt vielleicht.
Oder Husum. Oder Vierkanttretlager.
Stark, nicht beim Schreiben vertippt. Was ist das für ein Name? Ein Vierkant Tretlager kann man ans Fahrrad schrauben als Umsetzung vom Kettenantrieb zum Rad als solches. Richtig erklärt?
Vor drei Jahren haben sie - damals noch zu viert, jetzt zu dritt - mit ihrem Erstling "Fotoalbum" auf sich aufmerksam gemacht, bei Raab gespielt, Touren, Clubs und Festivals abgeklappert.
Mit "Krieg & Krieg" ist seit drei Wochen ein neues Album zu haben. Wir haben es Song für Song durchgehört:

1. "Krieg & Krieg": Direkt zu Beginn die volle Wucht. Starke Gitarren und gute Texte kommen entgegen. Die etwas melancholisch-rockige Marschroute ist vorgeschrieben. Starker Einstieg zum Album, wenn dein Feind dich zart berührt! Unter drei Minuten Rock-Brett mit etwas rauem Gesang.


2. "Lass uns den Verstand verlieren": Woher haben die das Gitarrenriff kopiert? Ich komme nicht drauf. Erinnert an Findus' "Hafen City". "Bis wir tot sind leben wir für immer": schlaue Anmerkung oder stumpfe Parole? Ich kann mich nicht entscheiden. Auf jeden Fall geht's laut weiter!

3. "Blumenkränze und Applaus": Jetzt wird zurückgerudert. Klaviertöne, etwas Ruhe. Kommt zu einem guten Zeitpunkt. Die Thematik Tod und Leben zieht sich weiter durch die guten und feinsinnigen Texte, die etwas nah am menschlichen Wesen haben: sehr zugänglich, viele Sprüche zum tätowieren.

4. "34 Narben": Guter Beat, geht nach vorne mit treibenden Drums und durchgehenden Gitarren, zudem leichte Synthie-Einspieler. Zwischen Küssen und der Definition von Glück bewegt sich hier ein toller Indiepop-Song!

5. "Kaktusblüte": Die zweite Single aus dem Album, die auch ein Video bekommen hat, beide Male hat Jonas Vahl Regie geführt. Es herrscht wieder Ruhe und die Stimme von Max Richard Leßmann steht markant im Vordergrund. Ein Song zwischen Verzweiflung, Einsamkeit und Hoffnung auf die neue große Liebe. Der Ort der Kaktusblüte als neuer Ort, wo der Pfeffer wächst?

6. "Wer tot ist": Die schnelle Essenz und Erkenntnis: "Wer tot ist, der gewinnt." So makaber und düster ist die Musik gar nicht. Hier darf man sich die Frage stellen, was den Texter treibt. Todessehnsucht à la Ingeborg Bachmann? Es bleibt Spekulation.

7. "Butterfahrt nach Camelot": Hier finden Sie den besten Titel eines deutschsprachigen Indiesongs seit langem! Hier werden sowohl Erich Kästner und Johann Wolfgang von Goethe zitattechnisch umgedichtet und erweitert. Gute Gitarrenwände, aber schleicht sich gerade eine gewisse Eingängigkeit ein? Mit dem Riff am Ende auf keinen Fall!

8. "Der letzte Satz der Welt": Es geht zurück zur klassischen Aufmache eines Songs mit allem was dazugehört: Solo, Gitarre, Bass, Schlagwerk, Gesang. Der leise Verdacht, dass der Songs Füllmaterial ist, aber vollkommen okay. Kann mir vorstellen, dass er live gut kommt.

9. "Jetzt für immer": Etwas holperig kommt der vorletzte Track daher. Inhaltlich ein Mix aus Eskapismus und Endzeitapokalypse. Die musikalische Brüchigkeit ist dabei mit Sicherheit beabsichtigt.

10. "Schweigen": Der letzte Song steht ganz in der Tradition nordischer Textkunst à la Element of Crime, Uhlmann oder Wiebusch: intensiv, gefühlvoll, persönlich, direkt und das Ganze mit der Akustikgitarre begleitet. Ein sanfter Abschluss eines gelungenen Albums! Sehr abwechslungsreich, die Stärken in den Texten und den lauten Songs. Man kann nur hoffen, dass die drei die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen!

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