Dienstag, 7. April 2015

Egotronic, "Egotronic, C'est moi"


(ms) Der zum scheitern verurteilte Versuch Torsun Burkhardt mit dem Sonnenkönig Ludwig XIV zu vergleichen oder gleichzusetzen. Nerdiges Geschichtswissen kombiniert mit nerdigem Indie-Musikwissen. Wir machen es trotzdem, denn es gibt guten Anlass, sich diesem Experiment zu widmen: Egotronic bringen ein neues Album raus, aber irgendwie tun sie das doch nicht.
Fakten zu Ludwig XIV: bekanntester französischer absolutistischer Herrscher, gelebt im 17. und 18. Jahrhundert, hat Frankreich zentralistisch ausgebaut, war privat wohl ein ziemliches Scheusal, war relativ machtgeil, dachte, er seit Gott.
Fakten zu Torsun Burkhardt: bekannter deutscher Electro-Punker, lebt seit dem 20. Jahrundert, hat den Electropunk geboren, feuert regelmäßig große Hits für die linke Szene aus dem Sprachrohr, privat sicherlich nicht ganz einfach, denkt, er ist Punk.

Egotronic sind seit Jahren eine feste Institution der Electro-Indie-Szene. Und das völlig zurecht; immer zwischen Partygesellschaft und antideutschen Parolen. Begonnen mit C64 Sounds sind sie jetzt im Punkrock gelandet. Oder waren sie das nicht immer schon? Torsun selbst, Kopf, Mastermind, Texter, Egotronic in persona, war in seiner Jugend schon Punk: schräge Kleidung, gefärbte Haare, das ganze Programm. Jetzt startet er den Versuch zu seinen großen Vorbildern musikalisch aufzuschließen. Und dieses lange aber konsequente Projekt lebt seit gut vier, fünf Jahren, als die ersten Songs mit lauter Gitarre aufgenommen wurden, statt sie rein am Rechner zu produzieren.
Letztes Jahr kam dann "Die Natur ist dein Feind" raus, komplett mit Band eingespielt.


2015: Neues Album. Staunen überall. Was ist da passiert? Arbeitswut? Workoholic Torsun?
"Egotronic, C'est moi" ist gewissermaßen ein Best of aus den ersten Jahren der Bandgeschichte. Es finden sich die großen Kracher, die eben auch live in den Bann ziehen, der Alben "Die richtige Einstellung", "Egotronic", "Lustprinzip", "Macht keinen Lärm", "Ausflug mit Freunden". Eingespielt wurde dieses Punk-Brett in den Brighton-Electric Studion, wo unter anderem auch The Cure oder Nick Cave Alben aufgenommen haben. Reihen sich die Wahlberliner in dort ein?
Das wäre zu weit gegriffen. Zum Teil ist auch diese Werkschau wie alle anderen Egotronic-Alben: Manche Songs sind Füllmaterial, andere sind so dermaßen stark, dass man nicht zu viel kriegen kann. "Maybe someday", "Berlin Calling" oder der Megahit "Raven gegen Deutschland" sind eher schwach, zu wenig Wumms. Dafür brettert der Bass, donnert das Schlagzeug und knallt die Gitarre mit den wummernden Synthie-Sounds neben Torsuns knarziger Stimme bei "Was solls", "Von nichts gewusst" und insbesondere bei "Pilze" so fett, dass man es dringend live sehen muss.

Was ist also davon zu halten?
Es ist ein konsequenter Schritt alte Songs im neuen Gewand rauszuputzen, nichts anderes ist schließlich auch Ziel dieser Platte gewesen. Es macht Bock, Laune, regt zum Moshen an, zu Hause oder in einem verschwitzten Club. Egotronic 2015, so laut wie nie! Erscheinen wird es am 17. April via Audiolith.

Anmerkung: Der Titel stimmt doch irgendwie ein bisschen. Egotronic war immer ein Soloprojekt, viele seiner Weggefährten wie Hoerm oder Endi haben es lange mit Torsun ausgehalten, aber sind dennoch ausgestiegen. Es ist zu hoffen, dass Chrü, Max, Reuschi und Kilian länger dabei bleiben.

Live geht's hier rund:
09.04 Heidelberg - Häll
10.04 Zürich - Stall 6
11.04 Chur - Selig
16.04 Hannover - Café Glocksee
17.04 Hamburg - Knust
18.04 Münster - Gleis 22
25.04 Berlin - Lido
30.04 Dresden - Scheune
01.05 Frankfurt - Zoom
02.05 Köln - Gebäude 9
15.05 Leipzig - Täubchenthal
16.05 Nürnberg - Club Stereo
22.05 Hünxe - Ruhrpott Rodeo
03.06 Paderborn - AStA Sommerfest
06.06 Hallau - GrüschFang
13.06 Hof - In.die Musik Festival
27.06 Chemnitz - Kosmonaut Festival
04.07 Oberhausen - Druckluft
11.07 Stade - Müssen alle mit Festival
24.07 Rostock - Rostock Rockt

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