Mittwoch, 28. Januar 2015

Heinz Strunk - "Sie nannten ihn Dreirad": Aufgepasst, du Scheißhausalien!

© Audiolith
(ms) Am Wochenende habe ich "Sharknado 2" gesehen. Die einen sagen: absoluter Wahnsinn, Trash at it's best. Die allermeisten würden aber sicherlich behaupten, dass das einfach riesengroßer Schrott ist. So sind eben die Wahrnehmungen von künstlerischem Schaffen immer subjektiv bestimmt, darin sind sich ja alle einig, keine Diskusion. Okay, der künstlerische Anspruch eines Hai-Trashfilms ist jetzt wirklich nicht so hoch, die Schauspieler waren auch nicht wirklich gut, aber es ist ein Format der Unterhaltung.
Im Herbst 2012 kam "Fraktus" ins Kino. Ein Fake-Comeback der Erfinder des Techno und Pioniere der elektronischen Musik in Deutschland, ohne die es Blixa Bargeld, Trio oder H.P. Baxxter niemals in der heutigen Form gegeben hätte. Natürlich alles erstunken und erlogen. Aber erstaunlich zeitlos und filigran inszeniert von Studio Braun. Wesentlicher Teil davon ist nun auch Heinz Strunk, der (zumindest aus Wikipedia) nie wirklich etwas substantielles gelernt hat außer Querflöte und Saxophon zu spielen.
Doch er hat wirklich öffentlichwirksam Bekanntheit errungen.
Neben der wunderbaren Veröffentlichung von "Fleisch ist mein Gemüse" kandidiert er nun für die PARTEI in Hamburg als Bürgermeister mit dem wohl besten Wahlspruch "Hamburg - Stadt im Norden". Präzise und mit einer wachen Beobachtungsgabe formuliert.
Doch Strunk ist nicht nur Autor, Politiker, Musiker, Künstler an sich, nein!

© Dorle Bahlburg
Strunk (der bürgerlich ja Mathias Halfpape heißt) ist ein Crossover-Allround-Talent.
Und als dieses ist er jetzt mit einem neuen Album, einem kommenden Meilenstein der Unterhaltung, Gesellschaftskritik und Ausdrucksfinesse am Start. Am Freitag erscheint via Audiolith "Sie nannten ihn Dreirad". Es ist der Gipfel des Eisbergs, was die humoristische Landschaft hier zu bieten hat. 12 Beiträge in einem Mix aus Musik, Kurzgeschichte, Minimalprosa, catchigen HipHop-Punchlines und Geistesblitzen hat seine Hörer zu erwarten und er trumpft auf bis zum letzten Ton, der letzten Silbe und der letzten Pointe.
Im Hintergrund ballern die elektronischen Beats vor sich hin. Nicht selten sind Soli auf der Querflöte zu hören, es ist davon auszugehen, dass Strunk sie selbst gespielt hat. Und bei allem Witz: Ein guter (Jazz-)Musiker ist er wirklich!
Darüber erzählt er abgrundtief witzige Geschichten, feuert Sprüche hintereinander ab, die so nie da gewesen sind. Da ist einer am Werk, der weiß, wie gute, teils widersinnige Unterhaltung funktioniert.
Hier ein paar Vorgeschmäcker:
"Opa Lamour" erzählt von einem Großvater, der zu Hause sitzt, etwas einsam ist, in die Röhre guckt, aber innerlich immer noch die Energie und unbändige Lust hat, wie als 20-jähriger auf die Piste zu gehen, all die charakterstarken, hübschen Mädchen klar zu machen. Eben ein wahrer "Grandpa in love"!
"Analdämpfer" ist wohl eines der virtuosesten Beiträge des Albums mit der kleinen Geschichte, dass der alte kaputt sei, ein neuer von der Krankenkasse nicht erstattet wird und die Flatulenz kein Ende hat. Unterlegt mit schönen Geräuschen, die dem Hörer die Pein des Erzählers erst recht vor Augen führt.
"Fersehkoch" ist das wohl lebendigste Beispiel einer Abrechnung mit dem, was wir Tag für Tag in der Glotze ertragen müssen. Da kochen zum Teil wildfremde Menschen, ohne dass man davon etwas riecht oder es auch nur essen kann. Wie bescheuert ist das eigentlich? Strunk findet die richtigen Sätze, um Klartext zu sprechen.
"Aufnehmen - bewerten - handeln" spricht dem modernen Work-Life-Balance-bewussten Menschen direkt in die Seele mit yogagleichen Weisheiten und buddhistischen Kalendersprüchen.
In allen Stücken wird an Beleidigung nicht gespart. Oft natürlich auch an den richtigen Stellen, du Affe.
Heinz Strunk ist eben ein Gesamtkunstwerk.
Für Fans ist die neue Platte ein absolutes Muss.
Für alle anderen: Es lohnt sich total, wenn man es versteht!




Auch live ist er an folgenden Orten zu bestaunen mit dem "Stunk Prinzip", aber aufgepasst, an vielen Orten sind die Tickets entweder knapp oder bereits ausverkauft:


04.02.15 Flensburg - Max
05.02.15 Lüneburg - Salon Hansen
06.02.15 Münster - Museum für Kunst und Kultur
07.02.15 Lingen - Centralkino
10.02.15 Berlin - Volksbühne
12.02.15 Lübeck - Filmhaus
13.02.15 Rostock - Mau Club
14.02.15 Potsdam - Waschhaus
16.02.15 Kiel - Metro Kino
18.02.15 Bremen - Schwankhalle
19.02.15 Köln - Gloria
20.02.15 Bielefeld - Skala
21.02.15 Hannover - Faust
22.02.15 Leipzig - Täubchenthal
23.02.15 Dresden - Groove Station
24.02.15 Würzburg - Kellerperle
25.02.15 Bochum - Bahnhof Langendreer
04.03.15 Düsseldorf - Zakk
05.03.15 Frankfurt - Mousonturm
06.03.15 Stuttgart - Wagenhallen
07.03.15 Heidelberg - Karlstorbahnhof
08.03.15 Regensburg - Alte Mälzerei
09.03.15 München - Freiheizhalle
10.03.15 Erlangen – E-Werk
11.03.15 Linz - Posthof
12.03.15 Graz - Literaturhaus
13.03.15 Wien - Rabenhof
23.03.15 Hamburg - Fabrik
24.03.15 Hamburg - Fabrik
05.05.15 Marburg - KFZ
06.05.15 Koblenz - Circus Maximus
07.05.15 Trier - Ex-Haus
08.05.15 Karlsruhe - Tollhaus
09.05.15 Aachen - Rathaus

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