Sonntag, 4. Mai 2014

Supershirt - "Der vierte Affe" lädt zum Denken und Tanzen ein!


(ms) Was kostet die Welt? 8000 Mark, meinen Supershirt. Und auf genau diese Aussage werden sie (leider) zu oft reduziert. Denn neben diesem Kracher aus dem Jahre 2009 (immerhin fünf Jahre ist das her), haben die drei Berliner viel, viel mehr zu bieten. Allerhand verschrobene, kluge und unterhaltsame Texte, die sich meistens nach dem fünften Hören und dritten Durchlesen erst ganz erschließen aufgrund der Tiefe, die dahinter steht. Alkopop aus Berlin. Electro-Pop von Audiolith!


Doch kein neues Album steht in den Startlöchern. Sondern eine EP. Extended Play. Eigentlich ist dies immer ein Mittel von Bands, um die Zeit zwischen zwei Alben mit bereits vorhandenen Songs zu füllen. Hier wird aber alles anders gemacht. Die Intention: Musik um der Musik Willen. Einfach Bock auf neue Sachen. Und gleichzeitig werden Grenzen gesprengt. Denn „Der Vierte Affe“, so der EP-Titel, erscheint als gelbe 12“ mit einem dazugehörigen Buch, das die Songtexte vertieft. Ebenso gibt es keine CD zu erwerben, aber alles als Download. Vinyl verkauft sich ja wieder wie geschnitten Brot, wer braucht da noch eine CD?!

Doch was zur Hölle soll der vierte Affe sein? Oder wer? Ein possierlicher Silberrücken? Tierschutz, oder was? Nein, wieder mal weit gefehlt. Es ist eine Einstellung, die die Band vermitteln will. Eine Utopie, eine verheißungsvolle Sehnsuchtsvorstellung. Eine zu erreichende Möglichkeit neben „nichts gesehen“, „nichts gehört“, „nichts gesagt“. Das ist moderne Philosophie in knallharte Beats gepackt!

Quelle: audiolith.net
Die Wahlberliner beleuchten dabei Orte, die jeder will aber scheinbar unerreichbar klingen in dieser wahnsinnig schnellen Internetwelt. „Aurora Borealis“, das Polarlicht: „Ein weißes Reh, das sich in unsere Richtung bewegt“. Der Opener schwingt kopfnickend und sanft durch die Lüfte. Mit „Kiez und Kneipe“ geht es weiter. Und der Titel hält was er verspricht. Wo sind die schönen Eckkneipen, wo man den Wirt und die Stammgäste kennt? Die Innenstädte werden mit Ketten zugepflastert und das Bier schmeckt ja auch überall gleich. Hier wird ein Zeichen dagegen gesetzt. In Zeiten der Esso-Häuser und der Schließung des Molotow auf der Reeperbahn und den Problematiken um das Gebäude 9 in Köln ist dies die Hymne gegen die Gentrifizierung! Freunde des Hamburger Labels werden den Smashhit „H.Y.P.E“ schon von dem Geburtstag-Sampler kennen und verdient durch ein zweites Release doppelte Aufmerksamkeit. Mit Bläsern, Schlagwerk und ordentlich Gitarre kann man spätestens hier nicht mehr still sitzen bleiben. Alle sechs Songs haben es in sich und beanspruchen durch sich eine intensive Auseinandersetzung. 

Natürlich geht es bei Supershirt-Konzerten derbe ab! Sie hinterlassen verschwitzte Clubs und ein Pfeifen im Ohr. Aber Henry, Hendrik und Marco wollen mehr; das spürt man eindeutig. Nicht nur Party, sondern auch mal die grauen Zellen arbeiten lassen. Mit der EP unterstreichen sie diesen Anspruch, wollen auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam machen. Man muss nicht jeden Scheiß mitmachen, sondern kann sich dieses kleine Kunstwerk aus Vinyl und Buch gerne mal leisten. Ein scheinbarer Anachronismus, aber mit Zeilen, die haften bleiben und Rhythmen, die Bock auf das nächste Konzert machen!

„Der vierte Affe“ erscheint am 9. Mai via Audiolith.
Live sollte man sich das hier antun:

09.05.2014: Leipzig, Werk2
28.05.2014: Hannover, Café Glocksee
30.05.2014: Darmstadt, Schlossgrabenfest
31.05.2014: Bad Aibling, SORFestival
03.06.2014: Ilmenau, Universität
04.06.2014: Dresden, Scheune
05.06.2014: Chemnitz, Atomino
06.06.2014: Jena, Kassablanca
07.06.2014: Hamburg, Molotow
08.06.2014: Flensburg, Dockyard Festival

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