Montag, 7. April 2014

Im Portrait: Anna von Hausswolff


Name: von Hausswolff, Anna
Geburtstag: 6. September 1986
Geburtsort: Göteborg
Beruf: Musikerin
Instrumente: Stimme, Gitarre, Klavier, Orgel, etc.
Veröffentlichungen: „Singing from the grave“ (2010), “Ceremony” (2013), “Källan” (2014), The Matching Girl (als Hydras Dream, 2014)

Quelle: annavonhausswolff.com

( ms) Anna von Hausswolff. Was für ein Name. Adel, Reichtum, Bekanntheit, Beliebtheit, im Mittelpunkt, Celebrety, Kontroversen. Aber nein! So lässt sich die junge Schwedin wohl überhaupt nicht beschreiben. Adel?! Ja, okay. Der Rest: Nein!
 Anstatt nur auf ihre beiden neusten Veröffentlichungen einzugehen, lohnt es sich eher von Hausswolff im Portrait zu sehen, denn das eröffnet einen Blick in die Welt einer gewandten Musikerin, die mit ihrer Stimme, ihrem Können und ihrem Gesamteindruck zu überzeugen weiß.

Bereits 2010 hat sie ihr erstes Album auf den Markt geschmissen. Man darf sich doch zurecht fragen, warum es hier kaum Beachtung gefunden hat. Denn „Singing from the grave“ ist ein bestechendes Stück Musik mit den gerade mal neun Songs. Außerordentlich in der Dramatik, instrumentalen Vielfalt und stimmlichen Stärke. Mal ist sie ganz ruhig, doch schnell beginnt sie fast zu schreien, singt in den höchsten Höhen und nimmt den Konsumenten mit in ihre Welt, wenn dieser sich drauf einlässt.


2013 machte sie dann wieder auf sich aufmerksam. „Ceremony“ stand in den Läden zur Abholung bereit! Von der erst favorisierten Instrumentalisierung mit Gitarren und Klavier nahm sie Abstand und wandte sich der Orgel zu; einer eher verstaubten Monstrosität, die vielen aus den nicht besuchten Gottesdiensten bekannt ist. Doch was alles an diesem alten Schätzchen gezaubert werden kann beweist am besten der amerikanische Orgel-Popstar (wenn man so will) CameronCarpenter, der mit seiner Wucht und Extravaganz schon ein teures Exemplar in Philadelphia in Grund und Boden gespielt hat. So exzentrisch spielt Anna von Hausswolff nicht, doch der Droneklang ist extrem gewaltig und betörend. Auf 13 Stücken weiß sie erneut ihre unglaublichen Qualitäten unter Beweis zu stellen, ob beim eher spielerischen „Mountains Crave“, dem Opus Magnum „Deathbed“ oder dem traurig anmutenden „Funeral for my future children“. Wer das live gesehen hat, sucht vergebens nach Vergleichbarem, denn die 27-jährige hat etwas Eigenes, Wunderbares geschaffen.

Und in diesem Jahr geht es arbeitsintensiv weiter mit zwei unterschiedlichen Veröffentlichungen. Zum Einen steht dort „Källan“, eine Live-Aufnahme aus der Lincoln Kathedrale 2013, reiner Orgelsound, der sich zwei Mal über zwanzig Minuten aufbaut und die sprechenden Zuhörer schnell vergessen lässt.


Zum Anderen ist nun „The Little Match Girl“ draußen. Doch hier hat sie sich mit Mattie Bye, einem schwedischen Komponisten, der für „Faro“ und „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwandt“ den Soundtrack geliefert hat, zusammengetan und gemeinsam nannte man sich Hydras Dream. Innerhalb von drei Tagen entstanden neun Lieder. Doch wieso und warum? Die Stücke und damit die gesamte Platte stehen in einer langen Tradition der Musikgeschichte; die der Vertonung von Märchen und Geschichten. Die beiden Skandinavier haben sich Hans Christian Andersens „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ als Vorlage genommen, ein allzu trauriges Mädchen, das in einer Silvesternacht aus lauter Verzweiflung die Hölzer verbrennt, die sie verkaufen sollte, aber keinen Abnehmer gefunden hat. Zwischen zwei Häusern verkriecht sie sich und stirbt einen bitten Kältetod. Wenn man nun diese kleine Geschichte liest und im Hintergrund den neuen Soundtrack dazu hört, zieht wird der Leser/Hörer in einen Bann aus Tönen, Melancholie, Dramatik, Mitleid und Trauer versetzt. Aber keineswegs als negativer Aspekt, sondern staunend durch das perfekte Zusammenspiel von Wort und Ton. Nur an zwei, drei Stellen ist Gesang zu hören, doch eher sphärisch, genauso wie Streicher, Klavier, Orgel, Percussion und und und…

Anna von Hausswolff sprengt die Grenzen von Pop und Klassik. In all ihren Werken verschmelzen beide zu einer Einheit, deren qualitativ hohe Konstanz seinesgleichen sucht.
Wer die Möglichkeit hat, sie live zu sehen: Tut es!

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