Dienstag, 10. Dezember 2013

Der große musikalische Rückblick 2013, Teil 10: Lass es krachen, Baby!




(ms/td) Dienstag abend. Kurz nach zehn. Das so lang erhoffte Türchen öffnet sich für euch! Und Timo Dexel schreibt euch, was in den letzten zwölf Monaten musikalisch so abging. Timo, Mitglied und Motor von einigen Bands, die es leider nicht mehr gibt und einer, die grad wächst. Seines Zeichens in naher Zukunft Grundschullehrer, Freund der Inklusion (hört, hört, bildungsaffine Freunde), leidenschaftlicher Freund von Bier und laute Musik. Und das geht so:




Lieblingsalbum 2013: Turbostaat - Stadt der Angst

In meiner "Jugend" (also so von 14-16) habe ich viel laute Musik gehört. Also viel Metalcore, dazu Escapado , System of a Down, Chimaira. Das ganze ist dann tierisch ins Umgekehrte geschlagen, bin ich doch bis heute ein großer Freund von Grand Hotel van Cleef-Bands , sowie leidenschaftlicher John Mayer- Hörer. Den Weg zurück ins Laute habe ich dann mit Turbostaat gefunden. Ich hatte sie 2011 auf dem Deichbrand-Festival gesehen und war sofort begeistert. Sänger Jan Windmeier hat eine stimmliche Präsenz wie nur wenige, eine fast greifbare Kraft. 2013 erschien dann das Album "Stadt der Angst" bei Clouds Hill. Schon das erste Lied startet mit dieser gewaltigen Stimme, flankiert von starken Gitarren, die ihre Heftigkeit aber nicht durch eine übertriebene Zerre bekommen, sondern einfach verdammt gut gespielt sind. Hervorzuheben ist, dass der Gitarrist Martin Ebsen bis heute alle Songs schreibt. Für mich als nicht singenden Gitarristen ein absolutes Vorbild!

Lieblingssongs 2013:
Turbostaat - Sohnemann Heinz
The National - Live in Salt
Casper - Hinterland

In "Sohnemann Heinz" geht es um einen jungen Soldaten, der sich Auto und Haus leisten kann und den größten Teil noch spart. Er zahlt jedoch einen ungleich höheren Preis: Während andere ins Kino gehen, liegt er zitternd auf dem Boden in einem Kriegsgebiet. Das Lied ist wesentlich älter als die jüngst veröffentlichte Studie der TU Dresden, wonach 20 % der Soldaten schon mit psychischen Vorerkrankungen in den Einsatz ziehen. In einer Zeit, in der sich viele mit der Masse an Zukunftsmöglichkeiten überfordert fühlen oder vom hohen Gehalt der Bundeswehr angetan, scheint dieses Lied nur noch an Relevanz zu gewinnen. Dazu kommt die wunderbare Musik. Und am Ende singen die Jungs von Turbostaat gemeinsam in einem an Marschieren angelehnten Rythmus: "Wir ziehen weiter als der Sieg. Er ist kein Ende für den Krieg. Das ist kein Ende. Das ist kein Ende."




"Live in Salt" ist der Opener des neuen The National-Album "Trouble Will Find Me". Die tiefe Stimme des Sängers Matt Berninger schwingt sich rauf in für ihn ungewohnte Höhen und eröffnet ein Album, das vielleicht zwei, drei Mal gehört werden muss, um es gut zu finden, dann will man es nicht mehr ausschalten. "Live in Salt" steht hierbei exemplarisch für 13 sphärisch produzierte Songs, die vor allem im November/Dezember eines Jahres die Stimmung perfekt einfangen.

"Hinterland" ist die zweite Single von Caspers gleichnamigen Album. Der Erfolg gibt ihm Recht, gleichzeitig polarisiert er. Die einen sagen, dass er nicht mehr so gut ist wie früher. Dieses Argument wird bei jeder Band bei jeder Platte gebracht, die gleichen Leute werden in zehn Jahren sagen: "Er ist nicht mehr so gut, wie zu Hinterland-Zeiten". Andere wiederum werfen ihm Mainstream-Gehabe vor. Ich freu mich immer, wenn authentische Künstler auch finanziell erfolgreich sind. Ob das nun Mainstream bedeutet oder nicht, kann doch egal sein. Die Platte ist mit viel Tammtamm produziert (hätte man sich auch denken können, wenn Konstantin Gropper "mitmischt" - verzeiht den schlechten Wortwitz). Sie ist rund, hat Hits und sperrige Songs. Meiner Meinung nach ist Casper die Stimme einer Generation. Er hat, so pathetisch das auch klingt, deutsche Musikgeschichte geschrieben und scheint dabei ein sympathischer Kerl zu sein. Was will man mehr? Um es mit den Worten von RollingStone Kritiker Jens Balzer zu sagen: "Ich find den ja gut!" Schade, dass man sich dafür schon rechtfertigen muss.

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