Montag, 16. September 2013

Arctic Monkeys - From AM to AM.


(mb) Initialen also. Um mit seinen Initialen wiedererkannt zu werden, bedarf es eines gewissen Grades an Bekanntheit. Jedem Musiknerd müsste momentan geläufig sein, dass wenn von AM die Rede ist, nicht die zwöfstündige Taktung von ins Bett gehen und verschlafen in der Arbeit sitzen gemeint ist, sondern so das fünfte Album der Arctic Monkeys betitelt ist. AM. Sie haben sich Bekanntheit erspielt. Man kennt sie. Selbst als die vier noch verpickelte Milchgesichter waren, wurden sie in jedem Sheffielder Club, und wohl auch in jedem weiteren Club around Europe, begeistert hereingewunken. Jugendschutz adé. Suck it and see.

spin.de

 I guess this sounds good on the dancefloor


Aber den Sheffielder vorpubertären Punk- Britrock ließen die AM´s nicht stehen wie etwa ihre Frisur am Morgen, sie feilten an ihrem Sound, der mittlerweile so exakt wie Alex Turner´s Pomadenfrisur sitzt. Einen höchst wandelbaren Prozess sind die AM´s da durchlaufen. Die Band klingt jetzt moderner, basslastiger, glatter, poppiger. I guess this sounds good on the dancefloor. Wer braucht da noch Peter Crouch als Inspiration? Aber wenn man selbst im Club auf der korpulenten Brünetten mit Zahnspange nicht mal mehr sein Bier auf ihrem Arsch abstellen kann, weil der Bass ihre Hüften so massiert, das Kelly Slater zum Surfen vorbeikommt, kann man sich sicher sein, dass der Sound gehörig grooved. Grooved die Platte in Richtung Eintönigkeit? Nein. Man kann sich getrost mit den Buddies in die heiligen vier Wände verziehen und die Seele baumeln lassen. Auch die Pausen gehören zum Rhythmus. Oder einfach nur sauer sein, wenn der beste Freund wieder nur anruft, weil er stoned irgendwo auf der Bank sitzt und nicht nach Hause kommt. Alex Turner hat ein ums andere Mal seine dylan´schen anmutenden rhetorischen Fertigkeiten unter Beweis gestellt und treibt selbst gestandenen Männern die ein oder andere salzig schmeckende Träne über die Wange. Vor Rührung. My days end best when the sunset gets itself behind that little lady“ sind einfach zu wahre und zu schöne Zeilen, die selbst den Eisberg vor der Titanic zum Schmelzen gebracht hätten.

From AM to AM

Hinsichtlich genialer Rhetorik hat sich eine andere AM diese Tage auch hervorgetan. Mit dem Schlussatz „Sie kennen mich“, verwies Angela Merkel – pardon AM – Peer Steinbrück in dessen ungewollte Schranken. Floskel hier, Phrase da, Inhaltslosigkeit und Angepasstheit zum Einen, kann man AM zum Anderen ihre außenpolitischen Merkelnomics durchaus zu Gute halten. Wie kann man aber auch eine Nörglergesellschaft, die unserige, der es eigentlich gut geht, den Stempel aufdrücken? 
2005 war ein wichtiges Jahr für Beide. Die AM´s bekamen ihren ersten Plattenvertrag, AM wurde auf den deutsch-imaginären Thron gehievt. Das war´s dann aber auch mit oberflächlichen Gemeinsamkeiten. Die Unterschiede sind signifikanter.
Als Band sollte man immer seinen eigenen (musikalischen) Weg gehen, wenngleich das auch nicht immer auf Begeisterungsstürme bei den bereits vorhandenen Fans  stößt. In der Politik flanieren der Wandel und der Populismus Hand in Hand über die großen Bühnen (Grüße an dieser Stelle an Drehhofer äh Seehofer), während die Authentizität einsam vor sich hinkauernd ein tristes Dasein im Kerker fristet. In der Musik ist das anders. Bands dürfen und sollen sich sogar neu definieren, ohne den Idealismus dabei aus den Augen zu verlieren. Man braucht hier keinen Wendehals, vielmehr Aufnahmefähigkeit, um verschiedene Einflüsse geltend zu machen. Kurzum, Vielschichtigkeit und Wandelbarkeit sind begehrliche, musikalische Eigenschaften, um sich von dem Einheitsbrei differenzieren zu können. 

Das neue Album der Arctic Monkeys ist sicherlich anders als erwartet, aber fuck, wo würden wir hinkommen wenn wir nur Altbekanntem eine Chance geben würden? Das neue Album bringt frischen Wind, ist absolut Album of the year tauglich, obgleich eine Eingewöhnungsphase von Nöten ist. Entweder oder. Manchmal muss man eben etwas Neues probieren, um sich treu zu bleiben. Das Altbekannte ist zwar die bequemste, aber nicht immer die beste Lösung. Wir alle haben eine Stimme, aber können wir uns damit auch vom bequemen Weg lossagen?


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