Sonntag, 26. Mai 2013

The Kyteman Orchestra - Dramatic Dutchman


(ms) Wo hört E-Musik auf und wo fängt U-Musik an? Diese klassische Unterscheidung zwischen meist klassischer oder kulturell hochwertiger Musik zu schnelllebiger Pop-/Rock-Musik ist zwar fließend, dennoch existiert sie und hängt mit staatlichen Subventionen für Musiker bzw. Orchestern/Sängern/Dirigenten zusammen.

Was aber nun, wenn beides auf einem sehr hohen Niveau anfängt zu verschmelzen in einem stark erweiterten Orchester mit Chor dazu? Colin Benders macht genau das. Der junge Holländer bringt – mir nichts, dir nichts – ein Kammerorchester, Opernsänger, ein Streichquartett und vier Rapper unter einen Hut und lässt Unglaubliches daraus erwachsen. Zusammenkomprimiert findet man das unter dem Namen The Kyteman Orchestra, das unter gleichem Namen ein Album rausgebracht hat. Benders , der vorher schon eine Platte unter seinem Künstlernamen Kyteman veröffentlichte, ist weder singend noch rappend auf dem Silberling zu finden; er macht den Dirigenten und lässt seine Ideen von vielen Profis umsetzen. Hin und wieder sind einzelne Trompeten-Soli von ihm zu vernehmen. Aber was kommt nun dabei heraus, wenn diese ganzen Leute gemeinsam musizieren?! Schwer zu sagen. Es ist ein Mix aus Klassischer Musik, Hip Hop, Elektro-Samples, Pop und Blues. Doch irgendwie reicht das nicht aus, um diese Musik zu beschreiben. Es ist ein Eigenleben und daher nicht genau zwischen populärer oder klassischer Musik einzuordnen.

Beginnen tut die Platte mit einem ruhigen „Intro“, woran sich das acht-Minuten-Spektakel „While I was away“ anschließt und da weiß der Hörer schon, was los ist: Orchester, Chor, Rap, alles auf einmal! Die absoluten Highlights der Platte sind „Preaching tot he Choir“, das auch aus der Feder eines Wagners oder Orffs hätte kommen können und direkt hinterher reiht sich „7/8“ an. Das allein ist schon in der klassischen Musik ein höchst seltener Takt und es geht ziemlich zur Sache: Streicher und Bläser schaukeln sich hoch, bis Synthie-Klänge das ganze zum explodieren bringen. Aber ruhig wird es auch mal, beispielsweise bei „The Void“, das auch locker auf einer Sigur Rós-Platte zu finden sein könnte.

Ich bin schwer beeindruckt von dem Album, das in meinen Augen so gut wie keine Schwächen hat und einen gesunden Mix zwischen ruhigen und temporeichen Songs beinhaltet!
Auch live spielt das Kyteman Orchestra in festlicher und großer Besetzung. Im Juni und Juli sind sie auf ausgewählten Festivals in Deutschland zu erleben und sicher ein Muss für jeden, der es dramatisch mag.



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