Freitag, 22. März 2013

The Strokes - Comedown Machine. Pubertät oder Wachstumsschub?

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(mb) Die Pübertät. Wer erinnert sich nicht daran? Die emotionalen Verwirrungen, mit denen man sich nicht nur nachts auseinandersetzen musste, als dass andere Geschlecht  auf einmal gar nicht mehr so ätzend und eklig sondern irgendwie anziehend war. Zwischen dem Schulalgebra schlich sich bei den Jungs immer öfter eine ausgeprägte Wölbung in die Hose, deren Ursache nicht von der sexuellen Anziehungskraft mathematischen Potenzierens ausging. Die Mädels hingegen kicherten unverschämt oft hinter dem Rücken der Jungs, bekamen rote Köpfe und versuchten so wenig wie möglich von ihren Zahnspangen preis zu geben. Egal welches Geschlecht, jeder war auf einmal nur noch rattengeil. Wie oft musste sich die vollbusige Referendarin mit dem tiefen Dekolleté über den Tisch beugen, nur weil man die Aufgabe schon wieder nicht verstanden hatte. Ach herrje. Fast jeder wurde von Akne und fürchterlichen Modesünden gepeinigt. Schlaghosen, Buffalo - Schuhe, Baggypants und Fat Laces. Und von der Musik der 90er aka dem Boyband Jahrzehnt ganz zu schweigen. Doch um die Jahrtausendwende setzte eine musikalische Sozialisation ein, die vor allem einer Band zu verdanken war: The Strokes.

Stimmbruch oder Stigma?

Sie haben berühmte Väter, besuchten Elite - Schulen und leiteten um das neue Jahrtausend ein neues musikalisches Zeitalter ein. Fast exakt auf den Tag zwei Jahre nach der Veröffentlichung ihres vierten Studioalbums "Angles" steht nun der Nachfolger "Comedown Machine" in den Startlöchern. Und auf dieser sind unzählige Soundanleihen aus vergangenen Epochen und Falsett Gesänge zu hören, so dass sich die Frage stellt: The Strokes - zurück zur musikalischen Pubertät oder der erwartete muskalischer Wachstumsschub? Natürlich ist der Sänger der Strokes, Julian Casablances, nicht wirklich im Stimmbruch, singt aber auffallend oft sehr hoch in einigen Songs. Im Opener "Tap out" und vor allem im schlechtesten Song der Platte, welche zugleich die erste Single ist, "One Way Trigger" stößt er in neue Sphären vor, so dass man im letzten Track der Platte "Call it Fate, Call it Karma" fast meinen könnte, es singe eine Frau. Sphärisch ist  gleich ein gutes Stichwort. Die Riffs sind oftmals so, dass Sie einen fast in einem Trance ähnlichen Zustand versetzen, so bewusstseinsunterwandernd strömen die Melodien in das Knochenmark, dass man sich in Ihnen ergehen möchte und sich wieder in, vielleicht sogar vorpubertäre Gedankenspiele, zurückträumen möchte.

Lyrische Leckerbissen: Tigers have pants on

 

Manche Lyrics ergeben sich wohl auch nur im Drogenrausch, im hormongeschädigten pubertären Gehirn oder eben bei The Strokes. Oder wie sind Lyrics wie etwa der Refrain "Welcome to Japan, Scuba dancing, Touchdown" zu erklären? Kein Scheiss. Noch viel besser werden die Texte dann im achten Track des Albums "Partners in crime", wo sogar Nostradamus vor Neid erblasst wäre. "Winter is white" oder mein persönliches Highlight "Tiger´s have pants on". Tiger mit Hose. Dazu hätte mein pubertäres Gehirn gesagt, dass das  viel zu verspult ist. Das Wort "spährisch" kannte ich damals noch nicht. Aber damals hat meine musikalische Sozialisation auch erst schleppend eingesetzt, oder wie erkläre ich, dass ich den ein oder anderen Boyband Song eigentlich ganz geil fand. Girl you know it´s true


Comedown Machine: Humbug oder Hammer? 

 

Aber jetzt, nachdem ich sicherlich auch noch lange nicht die Weisheit mit den Löffel gefressen habe, mir jedoch einen Überblick über das popkulturelle Geschehen verschaffen konnte, schlussfolgere ich, dass mich die neue The Strokes Platte vollends überzeugen kann. Es ist wie mit fast allen The Strokes Platten, man muss sich einfach reinhören. Und umso öfter man es hört, desto besser wird es. Es ist schon klar, dass es kein "Is this it" und "Room on fire" ist und ich tagelang das Album auf Repeat hören werde, aber dafür hat sich zum Einen der Musikkonsum zu sehr fragmentiert und zum Anderen ist der Anspruch an musikalische Komposition auch größer geworden. Man findet auf  dem fünften Studioalbum auch die klassischen Strokes Songs wie "All the time" oder "50 50", welche die alteingesessenen Fans begeisern werden. Dass die Band sich musikalisch in vergangenen Epochen bedient, vor allem den 80ies, zeigt lediglich Ihren Ideenreichtum. Und solange die Bands nicht immer the same old shit präsentieren wirds auch nicht langweilig, denn wer will immer noch der gleiche Prolet sein, welcher man in der Pubertät war? Die Hoffnung, dass irgendwann der 80ies Retro Chic vorbei ist und die 60ies wieder hip werden, stirbt zuletzt.

Verliere dich selbst, aber nicht auf Tour.


Nur bleibt eine Frage offen: Wie wollen The Strokes mit dem Album auf Tour gehen? Das ist fast unmöglich, da es ein klassisches Studioalbum ist. Und weil Sie dass am Besten wissen, gibt´s auch keine Tour. Schade. Aber schlussendlich gilt für das neue Album, wie für die Pubertät, nur dass es damals als tiefe Sinnkrise verstanden wurde, die hegel´sche Erklärung:

"Ich gehe in mich und verliere die Welt. Ich gehe in die Welt und verliere mich selbst."


Das Album erscheint am 22.03.2013 auf RCA Records.
The Strokes - All the time (Musicvideo) 

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