Donnerstag, 24. Januar 2013

Neue österreichische Welle. You are at home, baby. Neues von Altbekannten und Debütanten.



foto: fm4
(mb) Schluss mit der Heimatverklärung. Österreich ist für viele Deutsche immer noch ein Urlaubserlebnis, ein Bergspektakel mit steilen Skihängen, SPECKtakulärer Hausmannskost und hervorragendem Wein. Doch blickt man über den Tellerrand der durchaus berechtigten Tourismusfolklore, stellt man fest, dass der kleine rot – weiß – rote David den schwarz – rot – goldenen Goliath gehörig das Staunen – und überraschenderweise auf dem Fußballplatz das Fürchten – gelehrt hat.

You are at home, baby

Verzweifelt sucht man in der BDR einen interessanten überregionalen Radiosender für junge Leute. Hier und da gibt es den ein oder anderen interessanten Ohrenschmaus, die auch spannende Themeninhalte abdecken. Doch sobald man die geografisch begrenzte Indie-Radio Zone verlässt schmerzen dem Musikliebhaber seichtes Mainstreamgedudel in den Lusern. Everybody got a hungry heart. Im Gegensatz dazu hat Österreich fm4.
Überall empfangbar. Auch im Süden Bayerns. Zumindest auf der Autobahn. Die Freude währt dann etwas länger, wenn man die Landesgrenzen überschreitet und der sympathische Schmäh noch immer ertönt. Abgesehen davon ist fm4 schlichtweg das Auffangbecken für talentierte heimische Künstler. Unbekannte Bands werden da schon einmal auf Heavy Rotation gespielt und auch die verschiedensten Senderformate erlauben einen tiefen Einblick in sonst allzu ferne Musikgenres. Selbst die populären Formate spielen „coole“ Musik, die bis dahin außerhalb des Sichtfeldes blieben. 

Naked Lunch sind wieder da


Als ich noch permanent innerhalb der österreichischen Landesgrenzen zugegegen war, war fm4 meine intime, heiße Affäre, die ich sogar meiner Freundin vorstellen konnte. Jetzt bin ich nur noch zu Besuch. Oder auf Urlaub. Oder besser: „auf Urlaub bei Freunden“, so der kärntnerische Tourismusslogan. Aber Kärnten hat mehr zu bieten außer landschaftliche Perlen, Homma Leit und Kürbiskernöl. Es beheimatet auch die Band „Naked Lunch“, benannt nach William S. Burroughs fabelhaften Drogenroman aus der Beat Generation. Aber anders als im Buch, als die Schreibmaschine sich in einen neunmalklugen, schleimigen Käfer verwandelt und der Arsch des Protagonsiten Stielaugen wie eine Garnele bekommt und Menschen frisst, sind die Texte freundlicher und sonniger. „It´s the sun who burns the green gras, but also dries your tears“. 1991 gegründet, kommt nun das erste Album All is fever” seit sieben Jahren  am 1.Februar. 

Wia schaugts di leicht o?


Auch meine persönlichen Lieblinge aus dem Salzburger Land von Steaming Satellites haben ein neues Album für Frühjahr angekündigt und nennen es Slipstream. Vorab gibt’s schon einmal eine Kostprobe, die das Warten verdammt schwer macht.Wenn wir schon in der salzburgerischen Gegend sind, sind noch zwei weitere Dinge anzufügen. Zum Einen ist der Dialekt BESCHTE, denn wo werde ich sonst gefragt wos i leicht moch (was machst du?) und wia´s mi oschaugt (wie läufts?). Zum Anderen ist Oberösterreich nicht weit, welches The Green Couch beheimatet. Die vier möchten die Indieszene etwas ankurbeln, was auch gelingen wird, wenn Sie so weiter musizieren.

Wenn wir dann weiter in Richtung Süden in die Steiermark düsen, setzt EFFI ein dickes musikalisches Ausrufezeichen. Der talentierte Mister Singer/Songwriter aus Graz bastelt momentan an seinem Zweitlingswerk. Die neue Single „Muzik“ sticht vor allem durch den typischen happy EFFI Sound und das etwas verrückt geratene Video hervor. 
Problembär Records hat eine Neue. Kidcat Lo-Fi, keine Ahnung woher, im Zweifel immer aus Wien. Auf jeden Fall ist dass edelster Kaffee – Haus – Folk. Und bevor ich aus dem österreichschen Osten wieder nach Westen bis ins Ländle düse, bau ich in Linz nochmal eine Pause und nen Johnny ein, setz´mich aufs Bankal, sonst werde ich noch kraunk. 
Kidcat Lo-Fi - I want to be a cat 

Jetzt ist dass doch irgendwie zu einer heimatlosen Liebeserklärung an die Alpenrepublik verkommen. Vielleicht schreibe ich auch einen hundertteiligen Artikel über jede Austrian Band da draußen, aber ich will jo ned komplett ooosflippn! Insofern überlasse ich die Bandakquise meinen Lieblingsradiosender fm4 und freue mich wenn ich den Sound über das Internet lade. So bin ich täglich informiert und versorgt, und vor allem nicht nur zu Besuch oder gar auf Urlaub. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen