Mittwoch, 2. Januar 2013

Kings of Leon. Trennung oder Comeback? Life goes by on the talihina sky.


(mb) Wer sich dessen bewusst ist, Mitglied einer Band zu sein, die für viele Menschen ihre Lieblingsband ist, will diesen etwas zurückgeben und gute Songs abliefern, ohne dabei oberflächlich und kitschig zu sein. 
Wer sich dann frägt, warum das Format Radio nur seichte Popmusik runterdudelt und dann in seinem eigenen Auto sitzt und einen dieser beschissenen Sender hört und dieser dann ausgerechnet seinen eigenen Song spielt, kommt auf die Idee, welcher Idiot eigentlich diesen Song schreiben wollte. 

 So geschehen bei Kings of Leon und ihren persönlich meist gehassten und populärsten Song „Use Somebody“.Wer öfter Ja sagt erlebt mehr. Wer öfter Ja sagt macht auch mehr Dummheiten. Wo früher noch der pubertäre Gruppenzwang ein Nein unmöglich gemacht hat, schleicht sich im Alter eine Bequemlichkeit in den Alltag, die man sonst nur von den immer bedienungsfreundlicheren Tablet- und Smartphone Systemen kennt. Nicht nur der Konsum, auch das Alltagsgeschehen ist auf immer mehr Bequemlichkeit ausgerichtet. 

  

Die Söhne eines Wanderprediger verfallen dem Rocksatan  

Caleb Followill, bringt es in der Dokumentation „Talihinia Sky“, die die Entstehungsgeschichte und den sozialen Background der Band Kings of Leon beleuchtet, auf den Punkt: „ I didn´t say no the whole time. Because when you say no the whole time, you are gonna look up and be 50 year old and you want to try it all. So I tried it. […] and just go out and live a little bit. Trust me, you are going to fuck up, but move forward in the meanwhile.” Wäre er damals, mit seinem älteren Bruder und Schlagzeuger der Band, Nathan Followill, nicht nach NYC gefahren und hätte versucht, einen Plattenvertrag zu bekommen – sie wären wahrscheinlich in die Fußstapfen ihres predigen Vaters getreten und würden weiterhin bettelarm sein und mit ihren Engelsstimmen die Kirchengänger verzaubern. Doch es blieb nicht bei der asketischen Enthaltsamkeit bibeltreuer Christen. Zwar spielt(e) Gott weiterhin eine gewichtende Rolle für die Beiden, doch Sie liebten die dionysische Anziehungskraft des Rocksatan. Was hätten Sie nicht alles verpasst. Darum holten Sie ihren jüngeren Bruder Jared, der bis dahin noch nie eine Bassgitarre in der Hand hatte, als Bassisten und ihren Cousin Matthew als Gitarristen in die Band. Caleb hatte dann die Idee, sich nach dem Großvater Leon, als Kings of Leon zu benennen. 

 Mama´s Essen und Marijuana


Damals, noch mit langer Rockmähne und zumindest Nathan und Caleb mit wildem Bart, nach den ersten Gesprächen mit dem Plattenlabel RCA Records, stellten Sie klar, dass Sie keine zusammengschusterte Band sein wollen. Matthew wurde deshalb mit dem Vorwand von Zuhause abgeholt, dass er lediglich eine Woche weg sein werde und seine Mutter sich nicht aufregen zu brauche. RCA Records, willigte missbilligend ein und gab Ihnen einen Monat Zeit, Songs aufzunehmen. Nathan beschrieb es in einem Interview folgendermaßen „We locked ourselves in the basement with an ounce of Marijuana and literally spent a month down there. My mom would bring us food down”. Am Ende hatten Sie unter anderem  “Molly´s Chambers” und “California Waiting” für die erste EP "Holy Roller Novacaine" fertig. Das Label war überzeugt. 2003 erschien dann das Debütalbum „Youth and Young Manhood“ und wurde vor allem in Großbritannien ein großer Erfolg. Mit der Veröffentlichung des vierten Studioalbum „Only by the Night“ im September 2008 kam die Band endgültig im Rockolymp an. Man war nicht mehr die Vorband, die in kleinen Rockschuppen vor 100 Leuten spielte.  Man war Kings of Leon, Hauptact, die ganze Arenen ausverkaufte und mit „Use Somebody“, ihren meistgehassten Song ihre Fans zu tausendfach choralen „Oh Oh Oh“ Singalongs animierte. Im grandiosen Nachfolgeralbum „Come Around Sundown“, welches  im Oktober 2010 erschienen ist, waren bewusst weniger Hits vertreten, was allerdings den Erfolg nicht weniger schmälerte.


"Ich geh kurz kotzen und trink ein Bier"


Was hätten Sie nicht alles verpasst, hätten Sie nicht etwas ausprobiert. Aber gerade diese Mentalität scheint nicht nur Segen, sondern auch gleichzeitig Fluch zu sein. In  der Doku „Talihina Sky“, wird Caleb´s Drogen und Alkoholproblem thematisiert, die anscheinend tiefe Risse im Bandinnenleben hinterlassen haben. Er selbst, offensichtlich angetrunken und bekifft erzählt „ I don´t feel the need to do drugs and try this and that but I am glad at one point I did it all.


Am 27. Juli 2011 spielten Sie ihr letztes Konzert, als Caleb zunächst die Fans in den allerhöchsten Tönen lobte und schließlich anfügt, dass er eben kotzen geht und ein Bier trinkt, um schließlich wieder zurückzukommen. Er kam nie zurück. Die Band strich alle weiteren Tourdaten. Ohne Ersatz. Stimmprobleme, so das offizielle Statement. Im August 2012 veröffentliche Jared mit Mona Sänger Nick Brown unter dem Namen „Smoke & Jackal“ die EP „No tell“. Auf die Frage, ob dass nun das Ende der Kings of Leon sei, entgegnete er, dass dies ganz im Gegenteil der Fall ist und das sechste Studioalbum in Planung sei. Das hieß es allerdings auch schon vor 6 Monaten. Alles keine guten Vorzeichen.

Ein Comeback wäre sehr wünschenswert, denn was würde uns, den Fans, nicht alles entgehen. Man kann nur hoffen, dass sie wieder einmal mehr Ja als Nein sagen, weniger denken und einfach nur machen. Irgendwann. Life goes by on the Talihina sky. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen