Freitag, 21. Dezember 2012

I LOVE Christmas. I HATE Christmas.



I LOVE Christmas

(mb) Kurz vor Weihnachten. Es riecht nach Zimt, Lebkuchen und Mandarinen. Ich atme tief ein. Ein herrlicher Duft. Auf dem Esstisch stehen Plätzchen. Vorsichtig, so als ob sie aus Porzellan wären, nehme ich ein Vanillekipferl und schiebe es mir in den Mund. Mütze auf, Jacke zu. Es ist kalt. Die Haustür fällt nicht gleich ins Schloss, so vereist ist die Tür. Ich zünde mir eine Zigarette an und blase den Rauch genüßlich in den kalten Dezemberhimmel.
Ich stapfe zum Gartentor und gehe zur nahegelegenen Bushaltestelle. Unter mir knirscht der Schnee. Im Bus sitzen lauter glückliche Menschen mit erröteten Gesichtern von der Kälte. Fast alle steigen beim Christkindlmarkt aus. Ich treffe mich mit drei Freunden. Über uns leuchten die Weihnachtsdekoration und der riesige Christbaum, den die Stadt aufgestellt hat. Durch die Lichter wird der Weihnachtsmarkt in ein herrliches kerzenscheinflackerndes Licht getaucht. Überall gibt es etwas zu Essen, Dekorationen oder Geschenke zu kaufen. Herrliche Düfte und lachende Menschen mit vollen Tüten ziehen an uns vorbei.
Weihnachten – Das Fest der Liebe. Am Glühweinstand werden wir von Bekannten freudig begrüßt und gleich auf eine Tasse Glühwein eingeladen. Langsam blaße ich in das heiße Gebräu und nehme einen Schluck. Mir wird von innen heraus ganz warm. Es fühlt sich an, als ob die Sonne in mir scheint.  Alle lachen und sind andächtig auf das bevorstehende Fest. Ich kaufe noch eine Bio – Teemischung für meine Mama, ein Glas Naturhonig für meine Schwester und einen neuen Weihnachtsstern für den Christbaum. Glücklich und zufrieden wanke ich heim. 

Love Christmas Songs:


I HATE Christmas

 Kurz vor Weihnachten. Es riecht nach Zimt, Mandarinen und noch so ein ekliges Zeug. Ätzend. Ich atme durch den Mund. Auf dem Tisch stehen die Plätzchen von vorgestern. Ich nehme ein Vanillekipferl in die Hand, mache die Jacke zu und ziehe die Mütze auf. Die Haustür fällt nicht gleich ins Schloss, deshalb werfe ich sie zu. Der Nachbar geht vorbei und grüßt scheinheilig. Wenn ich ihm jetzt das Plätzchen an den Kopf werfen würde, wäre er auf der Stelle tot, so hart ist das Plätzchen. Gespenstisch lache ich in mich hinein, entzünde eine Zigarette und fühle mich wie der Grinch. Die Zigarette schmeckt nicht, es ist zu kalt zum rauchen. Ich stampfe durch den Schneematsch, die Schlicke spritzt bis zu meiner Hose hoch. Endlich kommt der Bus. Übervoll. Ich finde keinen Sitzplatz. Beim Christkindlmarkt drängen alle aus dem Bus. Ein Chaos. Ich treffe mich mit drei Freunden. Über uns leuchten die Weihnachtsdekoration und der riesige Christbaum, den die Stadt aufgestellt hat. Welch folkloristische Anmutung. Überall riecht es nach Bratfett, verbrannten Mandeln und abgestandenen Most. An uns ziehen  im Gleichschritt anmutende Konsumsoldaten mit ihren vollen Einkaufstüten vorbei. Weihnachten – Das Fest des Geschäfts. Eine konsumkapitalistische Erfindung. Und des guten Gewissens wegen dann am Heiligabend scheinheilig in die Christmette gehen und um Vergebung bitten. Eine christliche Hochkonjunktur. Am Glühweinstand treffen wir so Christmettengänger. Sie finden den Weihnachtsmarkt voll schön gemacht und niedlich. Ich finde ihn gut, um Glühwein zu trinken. Sie bieten mir einen an. Ich kaufe noch einen und noch einen und irgendwann zähl ich nicht mehr mit.  Am Ende bin ich so betrunken, dass ich im wahrsten Sinne des Wortes auf die Schnappsidee komme, Naturhonig und eine Bio Teemischung zu kaufen. Entsetzlich. Glücklich und zufrieden wanke ich heim.

Hate Christmas Songs:

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