Montag, 22. Oktober 2012

Welcome to the CHURCH OF NOISE!

 (sf) Gibt es etwas Schöneres, als die Lieblingsband live zu sehen? Noch dazu in einer Location, in der man vorher noch nicht war? Wenn man dann noch auf der Gästeliste steht, sich Bekannte ankündigen und die Getränkekarte im tiefsten Hessen Augustiner und Tegernseer Helles listet, dann kann ja fast schon nichts mehr schiefgehen! Der Schlachthof Wiesbaden war also bestens gerüstet für Therapy? - welcome to the church of noise!

"Noise" ist auch gleich ein recht guter Aufhänger, denn der Sound war nahe an der Körperverletzung. Selbst mit Ohrenstöpsel war es kriminell laut, sodass ich mir die Vorband Motorkopp auch aufgrund der brutalen Lautstärke ersparte. Was man dann so vor der Halle mitbekam, bestätigte mich in meiner Entscheidung, denn die namentliche Referenz zu Lemmys Band war fast schon eine unverschämte Anmaßung. Dass der Sänger im pinken Häschenkostüm auf der Bühne stand und frecherweise auch noch ein Therapy?-Track angecovert wurde, passte ins Bild.

Inzwischen hatte ich Jan, den deutschen Booker von TPY? getroffen, dem ich in den letzten Jahren bereits bei mehreren Konzerten über den Weg gelaufen war und der mich diesmal coolerweise auf die Gästeliste gepackt hatte. Da es erst der zweite Gig der laufenden Tour war, gab es noch nicht arg viel zu erzählen, aber die good old times sind natürlich immer wieder für ne Story gut. Bald gesellte sich auch ein Bekannter aus dem Therapy?-Internetforum zu uns, den ich seit Jahren online kenne, nun aber auch endlich persönlich.



 Dann gings endlich los im kleinen, aber feinen Schlachthof; die Räucherkammer - so der Name der tatsächlichenVeranstaltungshalle - ist zwar mittlerweile Nichtraucherbereich, aber es dampfte und brodelte schon vor dem ersten Lied. Dieses war dann Meat Abstract, erste Therapy?-Single überhaupt und auf dem Debüt-Album "Babyteeth" aus dem Jahre 1991 enthalten. Immer wieder ein geiler Einstieg!

Weiter gings dann mit zwei Songs vom aktuellen Longplayer "A Brief Crack Of Light", das dieses Jahr veröffentlicht wurde. Ghost Trio hatte ich noch nie so intensiv gehört und auch Why Turbulence? überzeugte auf ganzer Linie, auch wenn das Publikum noch relativ entspannt mitwippte.

Dies änderte sich aber mit dem nächsten Lied, denn es folgte Die Laughing vom Erfolgsalbum "Troublegum" (1994); die gut 300 Zuschauer waren wach und urplötzlich war Leben in der Bude. Anschließend stimmte Sänger Andy Cairns den Klassiker Potato Junkie an, bevor mit The Buzzing, Plague Bell, Exiles und Get Your Dead Hand Off My Shoulder vier eher neuere Tracks folgten. Bei Letzterem trug Drummer Neil Cooper eine Stirnkamera, da die Band plant, hierfür ein Video zu drehen. Man darf gespannt sein, ob es dazu kommt.

Danach gings dann aber mal so richtig rund und selbst ich konnte nicht anders, als abzugehen und mich dem Schweiß hinzugeben. Unbeliever, Before You With You After You, Church Of Noise, die fast schon legendären Screamager, Nowhere, Turn, Trigger Inside und Teethgrinder - Therapy? gaben Gas und das Publikum rastete komplett aus. Sowas hab ich auf meinen mittlerweile 30 TPY?-Konzerten wirklich selten gesehen, hab mich aber umso mehr für die Band gefreut. Bassist Michael "The Evil Priest" McKeegan kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus und derwischte über die Bühne, dass es nur so eine Freude war.

Da die Herren ja auch nicht mehr die Jüngsten sind, gönnten sie sich anschließend eine kurze Pause, kamen aber mit dem Eröffnungstrack des aktuellen Albums, Living In The Shadow Of The Terrible Thing, zurück auf die Bühne und knüpften nahtlos an die geniale Show an. Rust ließ das Publikum nochmal kurz durchatmen und die tropfende Decke der Räucherkammer sorgte gar für ein wenig Abkühlung.

Anschließend ging den Hardcore-Fans das Herz auf, denn Therapy? stimmten Bad Mother an; für Außenstehende sicher nichts Besonderes, aber wenn man bedenkt, dass das Lied knapp zehn Jahre lang nicht mehr live gespielt worden war, da es ursprünglich sehr cello-orientiert war und der Cellist eben seit geraumer Zeit nicht mehr Bandmitglied ist, dann kann man erahnen, wie groß die Freude war. Erwähnenswert ist auch, dass die Bands regelmäßig im eigenen Forum im Internet mitliest und postet und direkt auf Fan-Wünsche eingeht, was die Setlist betrifft. So war eben dieses Bad Mother drei Tage vor dem Konzert angesprochen und gewünscht worden... Mittlerweile haben Therapy? drei weitere ältere und eher selten gespielte Songs wieder eingeprobt und geben diese regelmäßig zum Besten!

Es folgte noch das fantastisch interpretierte Stories, bevor das Hüsker Dü-Cover Diane ein großartiges Konzert abschloss!




90 Minuten Vollgas und die Liebe zur Band und ihrer Musik wurde weiter manifestiert. Das Therapy?-Tattoo ist ja ohnehin schon gestochen, aber dieser Abend hat mir einmal mehr gezeigt, warum die Nordiren seit knapp 20 Jahren meine Lieblingsband sind. Fernab von Hitparaden und Verkaufszahlen machen die drei die Musik, die ihnen Spaß macht und überraschen Fans und Presse mit jedem Album von Neuem. Manchmal gewinnt man sogar den Eindruck, dass sie es geradezu darauf anlegen, keinen kommerziellen Erfolg zu haben, aber genau das macht Therapy? zu etwas Besonderem. Never apologise, never explain!







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