Dienstag, 14. Februar 2012

Per Kettcar zwischen die Runden!

(SF) Für die einen ist Kettcar die aktuell wichtigste deutsche Band, für die anderen gnadenlos überschätzt – die Wahrheit liegt wie immer wahrscheinlich irgendwo dazwischen, aber die mediale Aufwartung, die Wiebusch & Co. zu ihrem neuen Album „Zwischen den Runden“ gemacht wird, deutet schon darauf hin, dass Kettcar eine besondere Position in der nationalen Musiklandschaft einnehmen.

Wie einigen von Euch bekannt sein dürfte, gingen Kettcar aus der Band …But Alive hervor, die sowohl textlich als auch musikalisch noch deutlich ungeschliffener daherkamen, was aber durchaus seinen Reiz hatte. Ich persönlich höre BA nachwievor sehr gerne, wobei sich das auf eine gute Handvoll herausragende Songs beschränkt, die man in der Form von Kettcar wohl nicht mehr zu hören bekäme.

Nach der EP Solange die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht zu Ende (2001) und einer Tour (u.a. im Atomic Cafè München), die bereits andeutete, dass da was Großes entsteht, wurde im Oktober 2002 auf dem hauseigenen Label Grand Hotel van Cleef das Debütalbum Du und wieviel von Deinen Freunden veröffentlich, das zwar ein hervorragendes Echo in den Medien hervorrief, aber nicht in die Charts ging.

Dies holten Kettcar dann im Jahr 2005 mit Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen nach und erreichten in Deutschland Platz 5 – ein Kunststück, das sie mit Longplayer Nummer 3 namens Sylt (2008) wiederholten.

Nachdem das Niveau aus meiner Sicht über die Alben hinweg nicht eben zunahm, das mediale Interesse und der Erfolg (oder andersrum?) hingegen schon, war ich sehr gespannt auf das vierte Studioalbum, das vor wenigen Tagen erschien.

Zwischen den Runden heißt das gute Stück, das Kettcar mit mit mehreren Vorab-Clips auf Youtube fleißig bewarben. Ich kenne zwar noch keine Prognosen, aber ich gehe davon aus, dass sich der Aufwand gelohnt hat und das Album Nummer 1 in Deutschland wird.

Zurecht?

Natürlich gilt auch für Kettcar, dass Musik zum Einen Geschmackssache ist, sich die CD-Verkäufe und Downloads sich aber auf der anderen Seite durch Medienpräsenz mehr oder weniger erzwingen lassen. Ich war eher skeptisch, was das neue Album betrifft, da mich das pseudo-intellektuelle und kryptische Geschwafel der vergangenen Alben etwas abgeschreckt hatte, kann nun aber feststellen, dass mich Zwischen den Runden durchaus gepackt hat.

Ein kurzer Review der einzelnen Lieder:

1.       Rettung
Ein Song, der m. E. nur bei Kettcar funktionieren kann und der bei anderen Bands schnell peinlich rüberkommen könnte. Einfühlsame Ballade mit liebevollem, aber mitunter halt auch ekligem Text.

2.       Im Club
Deutlich schneller, spricht mich aber nicht wirklich an.

3.       Schwebend
Mein Lieblingslied auf dem Album. Wieder eine Ballade, wieder ein starker Text. Ich glaub, den Song findet man entweder komplett daneben oder man liebt ihn.

4.       R.I.P.
Das Ende einer Beziehung – wenn das der Frieden ist, lass niemals Krieg sein.

5.       Kommt ein Mann in die Bar
Gefällt mir immer besser. Wenn das Dunkel der Hoffnungslosigkeit zum Licht wird…

6.       Weil ich es niemals so oft sagen werde
Und denk an die Pause bei „Ich liebe“ und „Dich“…

7.       Schrilles, buntes Hamburg
Da sollte der Leo als Wahl-Hamburger was dazu schreiben – ich kann mit dem Song nicht viel anfangen, obwohl das Gleiche wohl auch für jeden anderen Hotspot gilt.

8.       Nach Süden
Ich kenne den Hintergrund des Liedes nicht, aber ich finde den Text sehr bewegend. Grande.

9.       In deinen Armen
Wer einem alles geben kann, kann einem auch alles nehmen. Punkt.

10.   Der apokalyptische Reiter und das besorgte Pferd
The Return of the kryptische Scheiße? Gott sei Dank nicht! Lied besser als der Titel! Nochmal: Gott sei Dank!

11.   Erkenschwick
Wieder ne Ballade, wieder überdurchschnittlich.

12.   Zurück aus Ohlsdorf
Siehe Track 8; auch hier wüsste ich gerne mehr zur Vorgeschichte.

13.   3:26 (nur auf Deluxe Edition)
Schlaflosigkeit – von hier an nie mehr allein.

14.   6 Stockwerke (nur auf Deluxe Edition)
Stress in der Beziehung? Das ist Euer Lied!

15.   Ein Zimmer (nur auf Deluxe Edition)
Wieder morbid angehaucht (wie Nummer 8 und 12), aber nicht so intensiv und gut wie die anderen Lieder zum Thema.

1 Kommentar:

  1. Seit mehreren Monaten hab ich das gute Stück mittlerweile und ich muss sagen, ich komm kaum davon weg :-)

    Großartige Kritik, wie du schon sagst, ist immer Geschmackssache. Aber ich stimme dir in vielen Sachen zu, wobei ich aber sagen muss: Ich mag die "kryptische Scheiße" sehr. ;-)

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