Montag, 13. Februar 2012

Kolumbien. Die Uhren ticken anders. Und Danza Kuduro.

(mb) Die Uhren ticken anders in Kolumbien. Nicht nur wegen der 6 bzw. 7 stündigen je nach Sommer bzw. Winterzeit vorherrschenden Zeitverschiebung, nein! Die ganze Mentalität und Lebensweise ist schlichtweg anders. Man nehme die Kasse im Supermarkt. In Deutschland komme ich mit dem einpacken der eingetippten Lebensmittel nicht hinterher, entschuldige mich stets höflich und etwas peinlich berührt bei meinem Hintermann / Hinterfrau, dass ich das Band noch nicht vollständig abgeräumt habe. Wie auch? Die Kassierer sind stets so flink, man könnte denken Tschernobyl hätte es mit ein paar Ärmchen zu viel zu gut gemeint.

In Kolumbien an meinem aller entspanntesten Tag, wo selbst die gehbehinderte Omi aus dem siebten Stock zu schnell gewesen wäre, selbst an diesem Tag hätte mir die unglaubliche Grausamkeit der Langsamheit an kolumbianischen Kassen zumindest ein entnervtes Stöhnen entlockt. Klar, die Enstpanntheit hat auch seine Vorteile. Ich konnte stets jeden auf dem Gehsteig überholen. Halt. Ist das ein Vorteil? Wohl nur wenn man der imaginäre Gehsteigvettel sein möchte. Die größte Gefahr für den Gehsteigvettel ist die Damenwelt. Heiße Latinas so weit das Auge reicht. Und es ist nicht so, dass Zebrastreifen und Ampeln geachtete und anerkannte Verkehrsbestandteile wären. Von daher bin ich dem Tode wohl 2- 3 mal von der Bordsteinkante gesprungen. Nun, ich habe mich nur umgedreht. Die Kolumbianer pflichten sich in dieser Sache in weitaus größerem Machismus. Es fallen Worte wie "Mamacita", "Mamita rica", "Dulcecita" und weitere nicht ganz zitierfähige Gassenhauer. Trivialer wird es nur wenn nachgepfiffen oder einfach nur nach gesßsßsßsed wird. Allerdings fast immer ohne Erfolg, nur bei den ganz hohlen Aguardiente (Anisschnaps, Nationalgetränk) verseuchten Silikonwundern. Wann also kommen die Männer zum Erfolg? Ganz einfach: Beim tanzen im Klub. 
Weil 1. jeder tanzt 2. nur pärchenweise und 3. es meist an einen Softporno auf Kabel 1 um 22.15 damals als ich noch keine 16 war erinnert. Eng umschlungen lässt sich die Damenwelt auf den Machismus und ein paar Drinks ein und schon löst sich die Zunge schneller als meine stets schlecht gebunden Schleife bei meinen Sneakern. Kein Rumgezappele, Rumgehopse, Rumgeflapse wie sonst auf deutschen Tanzbühnen. This is some serious stuff here. Das ist Jagdrevier. Fliegt ein Vogel rein, wird er sofort abgeschossen. Von den Frauen. Ich lernte schnell. Nach anfänglichen Abstürzen am Tresen löste sich meine innere Verspanntheit schneller als meine sonst stets schlecht gebundene Sneakerschleife. Es blieb nur diese blöde Hüftverspannung. Muss genetisch sein. Ich war "im Spiel". Zum Einen wegen meines offenkundigen ausländischen Aussehens, zum Anderen weil Kolumbianer Ärsche mögen die in Deutschland nur als "der Gerät" oder monströses Ungeheuer durchgehen würden. Ich selbst nahm schnell wieder Platz auf der Bank. Händchenhaltend. Bis das Spiel aus war. Bittersüß. Stellt sich nun die abschließende Frage: Zu was eigentlich tanzen und die dicken Booties shaken?
Vallenato, Merengue, Salsa. Schwierigkeitsgrad aufsteigend. Vallenato kann man durchaus tanzen, Salsa ist genetisch nicht möglich. Des Weiteren gesellte sich Reggaeton und Cumbia hinzu. Die Diversität war schlussendlich doch eher überschaubar. Sieben Monate lang lief Don Omar´s "Danza Kuduro". Nur wegen eines guten Rhythmus. Zugegebenermaßen, der Rhythmus der Nächte war immer heiß, obschon Bogotá für südamerikanische Verhältnisse im Durschnitt nur frostige 17 Grad vorweisen kann.
Ich für meine Teil habe schon vorher gewusst wie man feiert und sich gehen lässt. Die Kolumbianer allerdings wissen das im Kollektiv. Nie habe ich eine einzige Schlägerei gesehen und das wohlgemerkt in einer 10 Millionen Stadt. Die Stimmung und Atmosphäre war anders. Sie war einmalig. Es war grausam schön. Vielleicht lags ja am Zeitunterschied.
 



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