Montag, 20. Februar 2012

Fiva und das Phantom Orchester. Meine traurige Fußballkarriere und Deutschrap wecken Heimatgefühle. Aber gehört die Stadt wieder mir?

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(mb) Seit 5 Tagen bin ich wieder daheim. Daheim in Oberbayern. Daheim bei Weißbier, Brezn, grantliger Grundstimmungslage und -10 Grad. Und nachdem ich seit 8 Monaten meine Fußballschuhe nicht mehr geschnürt habe, halte ich es trotz schneebedeckten Boden für eine gute Idee, dem Heimatverein wieder einen Besuch abzustatten. Ich puste den Staub von den ledernen Tretern, sie glänzen ein wenig. Vielleicht aber auch nur meine vorfreudigen Augen.
Der Ball zirkuliert im Kreis. Eine Aussage über mein Ballgefühl lässt sich aufgrund des eisigen Untergrunds nur schwerlich machen. Anschließend das gute alte Handball Aufwärmspielchen, Tore nur per Kopf. Konter. Ich sprinte vor, laufe rückwärts auf das gegnerische Tor zu. Bin frei, der Ball kommt im hohen Bogen. Ich steige hoch, stehe, nicke in Uwe Seeler Manier mit dem Hinterkopf ins Netz. Ich falle hin. Das Sprunggelenk schmerzt. Das Geräusch beim Aufkommen kommt nicht vom knirschenden Schnee, sondern von meinen gerissen Bändern. Zurück im Club der Reißer. Ich lasse mich abholen. Zuhause dann raus aus dem Schuh, Trockeneis, kühlen, Ibo Profen. Der Fuß ist unendlich dick, die erste Einschätzung sollte der Arzt am nächsten Tag dann bestätigen. Als ich so mein Sprungelenk kühle und aus dem Fenster in die schneeumwehten, mondumspielten Kiefern blicke, wird mir erst richtig bewusst wieder daheim zu sein. Heute wäre die erste Party nach meinem Auslandsaufenthalt gewesen. Kein Faschingstreiben (für die Nichtbayern: Karneval). Und ich dachte, die Stadt gehört wieder mir. Als ich in der Dusche bin, denke ich an die gleichnamige Single von Fiva, die bereits erschienen und der erste Vorbote aus dem gleichnamigen, am 24.2.2012 erscheinenden Album ist.
Der heiße Duschstrahl lässt meine Gedanken in Richtung Fußball und Musik abschweifen. Keine Frage, ich liebe Beides. Unbestritten, dass die aktive Ausübung beider kaum Begeisterungsstürme Dritter hervorrufen. Meine Begeisterung beginnt in der Kindheit, Fußball mehr, Musik weniger differenziert. Als die Pickel dann sprießen, sprießt auch die Begeisterung für Deutschrap. Und auch für Fiva. Als ich von Akne und Hdgdl - SMS gepeinigt 2002 in die Realschule schlendere ist das einzig Coole an mir die Spiegelschrift Debüt - LP von Fiva in meinen DISCman. Seit jeher ist meine Begeisterung groß für Wortwitz, Eloquenz und smarten Deutschrap. Der damals noch kaum existierende Gangsterrap sollte niemals mehr als auch nur ein müdes Lächeln der zur Kenntnisnahme von mir ernten. Fiva, Blumentopf, Eins Zwo und weitere ließen mein Cola Weizen getränkte Matschbirne im hellen Glanze des Wortwitzes strahlen. Die Reime waren eloquent, sie waren eingängig, sie beeindruckten mich auf das Neidischte wie damals nur noch Wrestling. Fiva ließ mich in meiner ersten Beziehung erkennen, "dass meine Liebe nie zu ihrer vollen Krone schäumte. Ich sah der Sonne entgegen und wusste, die Magie war weg. Fußball war immer noch wichtig, die Jugendsspiele waren stets genau der richtige Spagat zwischen Ernst und Spaß. Musik wurde immer wichtiger, gar so wichtig, dass ""ich mein Leben nach Songtiteln einteilte"
Als ich dann vor 5 Tagen mit dem Flieger in München gelandet bin wusste ich ganz genau, welcher Song am Besten passen würde nach 8 Monaten Deutschlandentzug. Ich war sofort wieder im Hauptstadtfieber
Fußball und Musik, oft so unterschiedlich und Beides doch so identitätsstiftend für mich. Durch Sie weiß ich wieder wo ich herkomme, was ich mag, wohin ich gehe und ist oftmals einfach nur meine Erinnerung. Und dass ich jetzt auf der Couch mit hochgelagerten Fuß sitze anstelle die Hüften zu DJ Scheich´s finest Faschingselection zu kreisen, macht im Endeffekt keinen Unterschied. Die Stadt gehört mir zwar nicht wieder, aber ich gehöre zumindest wieder zur Stadt. Sie war immer da, auch in schlechten Zeiten als fester Anker, immer wenn ich kein Land sah. Genau wie Fußball und Musik, egal wo ich bin. Und nur das zählt.



Tourdates von FIVA entnehmt ihr bitte www.fivasolo.de.
Das Album "Die Stadt gehört wieder mir" erscheint kommenden Freitag am 24.02.2012. 2/3 der Sportfreunde Stiller haben auch mitgewirkt, deswegen Fiva UND "das Phantom Orchester". 3, 4, 7 oder mehr eloquente Phrasen werde ich wieder neidisch zur Kenntnis nehmen und in meinen allgemeinen Wortschatz einbinden. Ich kann es kaum erwarten, vor allem weil die Vorabsingle extrem Lust auf mehr macht. Hört selbst:

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