Dienstag, 13. Dezember 2011

The next big thing? Cro - King of Raop

(lp) Woaaah, wer ist denn das? Ein super-intelligentes Drogenopfer mit grenzdebiler Panda-Maske, der seine Musik als Kunst der fernen Zukunft verkauft und am liebsten mit Kids Pogo/circles aufmischt. So oder so ähnlich, war mein reizüberfluteter erster Eindruck. Von wem ich schreibe? Cro - Megahype im Netz, vor dem weder Iggy Pop noch Bloc Party sicher sind und in letzter Konsequenz auch meinen Gehörgang eroberte. Web 2.0 ermöglicht eben so einiges.

Oberflächlich betrachtet, erstmals nur die kostenfreie und legale Verbreitung seiner bisherigen Mixtapes „Meine Musik“ und „Easy“ und somit Musik für lau. Wenn man aber tiefer gräbt, stößt man auf den reflektierenden Schmelztiegel deutschsprachiger „Digital Natives“, welcher ein Potpourri verschiedenster Youtube-Clips unterschiedlichster Musikstile abliefert. Der Tellerrand wird außer Acht gelassen und Grenzen verschwimmen, wie in den besten Zeiten der Europäischen Union. Entscheidungen für und gegen Musikstile, wie sie die 56k Modem-Generation noch treffen musste, werden hinfällig wenn Pop, Indie-Rock, Hip-Hop und geballter Wortwitz aufeinandertreffen. Sogar die Zukunft des deutschen Sprechgesangs wird in ihm gesehen, zumindest wenn man der personifizierten Vergangenheit des Genres - Jan Delay - Glauben schenken darf. Übertrieben? Gar nicht mal so...

Denn wenn Casper die Gegenwart des deutschsprachigen Rap-Genres darstellt, ist Cro die emo-befreite Fußgängerzone, welche die Massen ebenso anziehen wird.  Eine optimistisch dargestellte Version des Lebens junger Erwachsener. Ohne aber die Tritte in die Eier, die es für einen bereithält zu verschweigen. Oft überheblich, aber nie Gefahr laufend die Bodenhaftung zu verlieren. Wer soll in dieser anonymisierten Gesellschaft an einen glauben, wenn nicht man selbst. Klingt ernst, ist es aber nicht. Lässt Cro doch viel zu viel Raum für die Spaßmacher, die die Welt für uns bereithält. Ob hinter den rhetorischen Leistungen nun eine gehörige Portion Ironie steckt oder bitterer Ernst. Who cares? Bieten seine beiden Mixtapes, ähnlich wie die Basisliteratur für eine wissenschaftliche Arbeit, genügend Grundlage um sie immer wieder zu rezitieren.

Weitreichende Street Credibility wird er wohl nie bekommen und sollte er diese im Moment noch innehaben, ist es nur eine Frage der Zeit bis die Szene ihn als nächsten Sell-Out deklariert und ihm den kalten Rücken zudreht. Doch wird das den 19-jährigen Rapper nicht weiter stören, sollte seine Musikkarriere abrupt enden macht er eben seine Kohle mit einem Heizungshybrid. Immer einen Notfallplan in der Schublade und schon läuft alles „Easy“.




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