Mittwoch, 10. August 2011

Beirut, Milhouse van Houten und die unerträgliche Leichtigkeit des Seins.

(mb)Jeder bekommt mal den Blues. Es soll Personen geben, die behaupten, stets glücklich und gut gelaunt zu sein. Letzteres mag augenscheinlich zutreffen. Wie sieht es aber in Momenten totaler Privatsphäre aus, wenn niemand anderes außer der eigene Verstand anwesend  ist? Nachdenklich? Einsam? Gar melancholisch? Innenperspektive vs. Vogelperspektive, stark sein vs. stark fühlen, Individuum vs. Gesellschaft.


Was ist eigentlich Melancholie? Melancholie ist ein zweischneidiges Schwert, welches an keines der beiden Seiten stumpf ist. Zum Einen neigen Melancholiker zu Schwermut, Trübsinn und Traurigkeit, zum Anderen wird Ihnen seit jeher eine Genieästhetik zugeschrieben, da oftmals in künstlerischen Expressionen therapeutische Wirkungen mitschwingen, die den melancholischen Schaffenden ein wenig seines Schmerzes lindern.
Zach Condon ist so ein Melancholiker. Seit 2005 schart er eine bis zu 10 köpfige Band um sich, um mit diesen unter den Namen Beirut bis dato 3 Alben zu veröffentlichen, denen allesamt eine gewisse Brise Schwermut und Trübsinn inharänt ist.
Auch Milhouse van Houten von den Simpsons wird in einer Folge zum Melancholiker, als seine Eltern verschollen und scheinbar gestorben sind. Der Junge flüchtet sich in Traurigkeit. Und was passiert? Die Jungs beeindruckt die Gleichgültigkeit und Lustlosigkeit mit denen er Lehrern und Nelson´s Schläge entgegnet, währenddessen die Mädchen seine Melancholie romantisieren und sich wie von einem Aphrodisiakum von diesem unbestrittenen unansehnlichen Jungen angezogen fühlen.
Was hat Milhouse van Houten nun mit Beirut zu tun? Nun, alle vorherigen Alben von Beirut besitzen nicht nur eine melancholischen Grundtenor, sie sind herrlich schmerzhaft, grauenvoll anziehend und erschreckend tiefsinnig. Am 26.8.2011 erscheint hierzulande Album Nummer 4 "The Rip Tide", welches sich viel heiterer, beschwingter und fröhlicher als die bisherigen Alben präsentiert. Gleich geblieben sind die tollen, harmonischen Melodien und die sauberen Arrangements, welches die neue LP sicherlich zu einem Highlight im August unter dem verblichenen, nadellosen Christbaum vom vorherigen Jahr macht. Dennoch: der fehlende Schwermut, die fehlende Trübsinnigkeit und die fehlende Melancholie lassen vor allem die Tiefsinnigkeit fehlen, die jedes der vorherigen Alben zu einer herzzereißenden Angelegenheit gemacht hat. Melancholie verursacht Leiden, das wiederum leidenschaftlich schmerzlich schöne Songs entstehen lässt.
Natürlich sind Frohsinn und Heiterkeit anzustrebende Attribute, die die Band  Beirut anscheinend während des Schaffensprozesses des neuen Albums kennengelernt hat. Natürlich ist das schön so. Natürlich ist die Innenperspektive wichtiger als die Vogelperspektive. Ich hab nur die Vogelperspektive. Melancholie ist anziehend. Deshalb gefielen die alten Alben ein wenig besser. Leider ist das so.




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen