Dienstag, 21. Juni 2011

Er schon wieder! Paul Kalkbrenners neues Album "Icke Wieder": Ein Drahtseilakt zwischen profundem Elektrosound und Popgedudel

(ke) Man mag ein Freund der gepflegten elektronischen Tanzmusik sein oder nicht- an den Kalkbrenners ist während der letzten drei Jahre selbst der vehementeste Wacken-Besucher nicht vorbeigekommen. Vor allem seit dem Soundtrack zum Film "Berlin Calling", den der Ältere produziert hat und der Jüngere deshalb ein wenig darauf herumträllern konnte, dürften die Gebrüder Deutsch-Elektro Paul und Fritz jedem ein Begriff sein.

Nun veröffentlichte Paul Anfang des Monats seine neue, eigentlich erst zweite richtige Scheibe "Icke Wieder". Allein der Titel lässt schon tief blicken: Er macht sich zum Zentrum seines Werkes, kein Thema, keine Geschichte, kein Drama- nö, nur er, endlich wieder, wie es im Subtext mitschwingt. Mit einem dicken fetten "Icke bin sowat von Berlin Underground", ersichtlich aus Tracks mit Namen feinster Berliner Schnauze wie "Des Stabes Reuse" oder "Schmökelung" - Gott weiß, wie man sowas übersetzt- gaukelt er den Massen vor, wie echt sein Elektrosound denn sei. Dabei steigt er in den deutschen Albumcharts auf Platz 2 ein und klappert 2011 meist als Hauptact alle großen Indie- und Elektrofestivals von Grafenhainchen bis Detroit ab.
Man mag nun bezweifeln, ob das, was der Wahl-Berliner und Eigentlich-Leipziger hier abliefert, nun wirklich Musik von Herzen ist, jedoch gibt ihm der Erfolg Recht. In einer Zeit, in der die Loveparade eher als pfui statt hui gilt und die Radiosender der Meinung sind, mit David Guettas "coolen Elektrobeats" mal etwas Neues und Spannendes entdeckt zu haben, sind wir doch fast ein bisschen froh um Einen wie ihn. Auch wenn einem aus der "echten" Elektroszene mittlerweile viele Buh-Rufe entgegenschallen, ich hör mir sein neues Werk wieder genauso gern an wie seine Anderen. Vielleicht ist der Gute ja nichts Neues mehr, aber sind jene, die so "indie" und "underground" sind, dass es die Acts, deren Musik sie hören, am besten noch gar nicht gibt, nicht auch diejenigen, die dies oft aus Profilierungsgründen nach außen tragen müssen? Sollte nicht unser eigener Geschmack den Ton angeben, nicht jene, die diktieren, was im Moment geht und was nicht? Ich hör Kalkbrenner, egal ob er nun Pop oder Elektro macht, denn seine Musik versperrt sich niemandem und ist für alle da- und das ist auch gut so.

"Gutes Nitzwerk" aus dem aktuellen Album "Icke wieder"


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen