Mittwoch, 15. Juni 2011

Effi. Nicht Briest, eher Nowitzki. Ein Hochzeitstänzer.

(mb) Jeder will immer mehr machen. Es genügt nicht mehr, nur ein Hobby zu haben. Der Mensch der enwickelten, industrialisierten Welt tanzt heutzutage auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig, bedeutet er ist überall erreichbar und transparent. Platzen dadurch die großen Träume?

Politik, Wirtschaft und Gesellschaft liefern die nötigen Rahmenbedingungen hierzu, man denke bloß an gestraffte Bachelor - bzw. Masterprogramme oder an G8 Gymnasien. Verkürzung der Lebens- und Zeitperioden. Willkommen in der Erlebnisgesellschaft. Das große Ganze? Lieber nicht, lieber nur Fragmente. Social networking als Key zu mehr Bekannten und weniger Freunden. Schließlich sind die "Likes" bei Pinnwandeinträgen auf Facebook das soziale Testsiegel, das Jemanden als "beliebt" oder "unbeliebt" klassifiziert. In der Gegenwart leben ist schön und richtig, doch muss man deswegen nicht jede Party feiern und jeden Trend hinterherlaufen. Die strategische Ausrichtung und Konzentration auf die Kernprozesse, die Fokussierung auf ein Ziel ohne sich dabei von exogenen Faktoren stören zu lassen, ist die Kunst, sich einer Sache leidenschaftlich zu verschreiben. Das man damit Erfolg haben kann, wenn man sich einer Sache voll und ganz widmet und Nebenschauplätze wie Werbung oder gegnerische Provokationen ignoriert, haben die Dallas Mavericks und inbesondere in Person Dirk Nowitzki eindrucksvoll bewiesen.

Ein eben nicht so prominentes Beispiel wäre Effi aka Thomas Petritsch. Der Grazer ist ganz er selbt und verschreibt sich voll und ganz seiner Musik. Dass er dazu keine Band benötigt ist weniger seinem Bereichsegoismus als vielmehr seinem vielseitigem Interesse an Musik und ein wenig Perfektionismus geschuldet. Spitze Zungen behaupteten, dass das im April erschienene, Sommerlaune versprühende Debütalbum den Kontakt zum Boden verloren hätte. Stimmte kurzweilig auch, da die "Astronauten LP" erst einmal sicher auf der Erde landen musste. Und obwohl man vermuten würde, dass Distanzen kein Problem für Astronauten wären, verrät der tolle Albumopener Gegenteiliges.
Der Steirer hat sich vorbildlich emanzipiert, ohne dabei in die sozialen und wirtschaftlichen Zwänge der Musikwelt geraten zu sein. So spielt er jedes Instrument selbst ein, um letztendlich alle musikalischen Einflüsse stimmig zu vereinen. So läuft das in einer One - Man Band. So läuft das, wenn man sich einer Sache voll und ganz verschreibt und sich nicht von seinem Weg abringen lässt. So läuft das, wenn man vom großen Ganzen träumt. So läuft das also, wenn man nur auf einer Hochzeit tanzt.

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