Mittwoch, 8. Juni 2011

Du wirst mir fehlen. Denke ich und sage nichts.

(mb) Meine Kehle ist feucht, die Augen trocken und ein wenig wirr. Ein mulmiges Gefühl breitet sich in meiner Magengegend aus und es ist nicht wegen dieses finstergrünen Gurkensommers. Gedanklicher Sperrmüll verschränkt mir die Spitzfindigkeit, irgendwas drückt. Das Bier schmeckt schal, du sitzt mir mit glühenden Wangen gegenüber und prostest mir vergnügt zu. Ich sitze nervös herumrutschend auf dem alten Barhocker als du sagst, du hättest eine schöne Zeit mit mir gehabt. Ich blicke nickend und insgeheim entzückt und irgendwie verrückt zurück. Ich füge hinzu, dass mir es genauso erginge und alles nochmal so machen würde, wenn es denn ginge. Eine gute Zeit, also. Sie spielte mit uns Verstecken, doch wir mussten Sie nicht suchen, hatten wir zwei uns doch gleich gefunden.
Hoch die Tassen! Ich proste dir verlogen fröhlich zu, in der Gewissheit, dass wir uns eine lange Zeit nicht mehr sehen werden. Abschiede fallen mir schwer, ich bin Scheidungskind. Das ist irgendwie in meinen Unterbewusstsein verankert. Und du, du warst mein Anker und nun spannen sich die Segel und das Fernweh bläst uns weit hinaus auf hohe See. Die Wellen der Erinnerung stoßen tosend gegen mein Boot, als wollten Sie mir sagen, ich sei nicht auf Kurs, sondern in Not. Zeiten ändern dich und mich. Doch wir kennen uns besser als Maria Shriver ihren Arnie.
Du reisst mich aus meiner Gedankenflut und frägst, ob wir noch ein Bier nehmen. Im Bierglas wie in meinem Kopf herrscht Ebbe. Du guckst mich an und frägst besorgt, ob alles in Ordnung sei. Das muss wohl am Wetter liegen, erwidere ich ein wenig eingeschnappt und fühle mich dabei ertappt. Du wirst mir fehlen, denke ich und sage nichts.
Ich rufe den Kellner mit trockener Kehle und feuchten Augen hinterher, wo denn unser Bier bliebe, verdammt.

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